Es war einmal ... Leibis im Tal der Lichte

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AngelikaP

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Das Dörfchen Leibis in Thüringen wurde wegen Sicherung der Trinkwasserversorgung umgesiedelt. Es wurde über 500 Jahre alt und hatte vor der Umsiedlung etwa 100 Einwohner.

Das ist inzwischen schon eine ganze Weile her und anlässlich meiner Beschäftigung mit Immerath kamen mir natürlich die Parallelen zu Leibis wieder in den Sinn. Einen Teil meiner Leibis-Negative von 1994 habe ich daraufhin gescannt.

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Obwohl der letzte Bewohner erst 1999 aufgegeben und den Schlüssel abgegeben hat, sah es dort 1994 schon schaurig aus. Ein paar Anwesen waren zwar noch bewohnt, aber dem ehemals idyllischen Ortsbild war bereits kurzer Prozess gemacht worden.

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Das Gebäude mit der Turmuhr war glaube ich die alte Schule.

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Wohin man sah: Überwiegend leere Fensterhöhlen.

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Reste des Dorfladens.

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Die Lichte, sie sollte später die Talsperre füllen.

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Vandalen ließen sich durch die Warnschilder an den Ortseingängen nicht bremsen. Die Besitzer des Hauses auf dem nächsten Bild hatten deshalb ihren Haupteingang verrammelt und nutzten stattdessen den Hintereingang.

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Ob es damals schon Urbexer gab, weiß ich nicht, für sie wären viele Häuser jedenfalls ein gefundenes Fressen gewesen.

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Reste des Friedhofs.

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Aber mindestens einer wurde wohl nicht nach Neu-Leibis mitgenommen.

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Ein Ehepaar holte noch einige Stauden aus dem alten Garten, um sie im neuen wieder einzupflanzen, diese Lampion-Blüte blieb dabei auf der Strecke.

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Die frühere Bus-Haltestelle konnte geknickt werden.

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Im Kühlen Grund wurde niemand mehr versorgt.

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Das Sägewerk hatte ausgedient.

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Die Vorplanung der Leibis/Lichte-Talsperre begann Ende der 70er, ihre Flutung dauerte bis 2008. Der Wasserspiegel liegt nun ca. 90 m über (Alt-)Leibis.
Heutzutage kann man sich dort einer Landschaft erfreuen, die angeblich stellenweise an Norwegen erinnert.

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Ich war 1995 nochmals dort, als nur noch das Anwesen des letzten Bewohners stand und das restliche Dorf komplett geschleift war. Mir war damals nicht danach, davon ein Foto zu machen.

Gruß,
Angelika
 
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wieder sehr eindrückliche bilder von dir Angelika. ich danke dir sehr, daß du dir die mühe der aufarbeitung gemacht hast, und uns teilhaben lässt.
unsere lebensbedingungen sind nicht selbstverständlich; hier ists die versorgung andernorts die infrastruktur usw... tragisch, wenn beim >gewinnen< der schwere >verlust< mit einhergeht. grund genug, sich dessen im alltag mehr bewußt zu werden.
 
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Vielen Dank für die Bilder :up:

Die Talsperre hat mich indirekt einen Teil der letzten 5 Jahre meines Berufslebens begleitet, so habe ich aber den "Ausgangspunkt" nie gesehen.

Klar hört man von den Auswirkungen die diese Talsperre auch meteorologisch hat und das auch Lebensraum vernichtet wurde, so nah ist man aber selten dran.

Wenn sich jetzt jemand fragt wofür eigentlich die Talsperre ist, ein Verweis zu Youtube sei erlaubt

 
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Danke für diese Reportage, Angelika. Das ist wie eine Zeitreise in das Land, in dem ich meinen letzten Sommerurlaub verbracht habe und in dem vielerorts die Zeit verlangsamt scheint. Der Stil der Häuser, die steilen Bergkuppen mit endlosen Fichtenwäldern, die Industrieruine ...
 
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Danke euch, besonders den Kommentatoren. Ich freue mich, dass sich doch einige die alte Geschichte angesehen haben.

Ja, und seit damals habe ich eine ziemlich konkrete Vorstellung von einem so genannten "Geisterdorf".


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unsere lebensbedingungen sind nicht selbstverständlich; hier ists die versorgung andernorts die infrastruktur usw... tragisch, wenn beim >gewinnen< der schwere >verlust< mit einhergeht. grund genug, sich dessen im alltag mehr bewußt zu werden.
Besser als Margot hätte ich 's nicht ausdrücken können :).

Gruß,
Angelika
 
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Ich habe irgendwo den Hinweis gefunden, dass im Fall von Leibis zugunsten der Wasserreinhaltung sogar die Fundamente der Häuser ausgebuddelt und abtransportiert wurden.

Beim Edersee (in Nordhessen) z. B. wurde nicht alles abgerissen. Da gibt's wohl noch eine Brücke, die bei Niedrigwasser hin und wieder zum Vorschein kommt. Edersee war allerdings 90 Jahre früher als Leibis/Lichte.

Gruß,
Angelika
 
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Ich habe irgendwo den Hinweis gefunden, dass im Fall von Leibis zugunsten der Wasserreinhaltung sogar die Fundamente der Häuser ausgebuddelt und abtransportiert wurden.

Das hängt mit der Nutzung als Trinkwassertalsperre zusammen.
Die Aufbereitung des entnommenen Rohwassers in der TWA Zeigerheim ist durch den hohen Reinheitsgrad kostengünstig möglich.
Eine Verunreinigung würde die Versorgungssicherheit von ca. 400000 Menschen gefährden. Die Trinkwasserversorgung reicht bis ins Altenburger Land im Nordosten bzw. Saalburg/Kulm in Südosten, ausgenommen sind einige Städte wie Jena die sich durch Tiefbrunnen eigenversorgen. Vor der Umstellung gab es noch in Dörtendorf eine TWA die aber außer Betrieb genommen wurde.

Bei den Talsperren der Saalekaskade in Thüringen wurden auch keine so umfangreichen Abbrucharbeiten vorgenommen, dadurch waren während der Flutung auch noch Kirchtürme usw. im Wasser zu sehen. Das hängt aber sicher auch mit den Zeiträumen zusammen, die Saalekaskade dient außerdem auch vorrangig dem Hochwasserschutz und wurde in ökologisch unbedenklichen Zeiten errichtet ;)

An der Bleilochtalsperre waren zu DDR-Zeiten dann auch umfangreiche Maßnahmen nötig um die Wasserqualität in den Griff zu bekommen.
 
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Wieder mal bedrückend... ein aktuelles Bild vom Standpunkt des letzten Fotos würde die Serie noch abrunden. Die Googlesuche zeigt die Talsperre. Wenn man sie sieht, glaubt man kaum, dass dieser ruhige Wasserspiegel eine 500 Jahre alte Geschichte überdeckt.
 
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... Das wäre eine Szenario für Horrorfilme oder einen Albtraum. ...
Das Sägewerk ist tatsächlich mal als Drehort genutzt worden, und zwar für den Polizeiruf 110 "Schwelbrand".


... ein aktuelles Bild vom Standpunkt des letzten Fotos würde die Serie noch abrunden. ...
Das stimmt. Aber selbst, wenn mein damaliger Standpunkt noch zugänglich wäre und ich wieder nach Thüringen fahren würde, habe ich große Zweifel, dass ich den nach so langer Zeit wiederfinden würde ...

Gruß,
Angelika
 
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