Erfahrungsbericht Sigma 300/2.8 HSM DG

Thread Status
Hello, There was no answer in this thread for more than 30 days.
It can take a long time to get an up-to-date response or contact with relevant users.

maikm

Sehr aktives NF Mitglied
Registriert
Moin,

wie andernthreads schon erläutert, schiele ich derzeit für die Tierfotografie nach einem 300/2.8 und wollte für mich die Frage klären, ob das Sigma-Modell angesichts eines Neupreises von der Hälfte des Nikkors für mich in Frage kommt.

Dazu habe ich mir bei Sigma für eine Woche das 300/2.8 HSM DG gemietet, denn nichts geht über eigene Erfahrungen, und es im Bayerischen Wald ausgiebig an der D200 ausprobiert. Die Konverter 1,4x und 2x hatte ich mit von einem Kollegen ausgeliehen (danke, Norbert).

Zunächst zur nackten optischen Leistung ohne Konverter. Die ist schon offen ganz prima, steigert sich freilich noch durch Abblenden. Bei f/5,6 ist das Maximum erreicht, die Bilder strotzen nur so vor Details und Schärfe. Die Leistungsfähigkeit der Optik bietet jedenfalls keinen Grund zur Klage (bis auf die Nahbereichsprobleme, siehe unten).

Mit Konverter läßt die Leistung erfreulicherweise kaum nach. Den 1,4x kann man getrost offen nutzen, mit dem 2x genügt schon 1/3 LW abblenden (dann auf f/6,3), um den Kontrast wieder in den grünen Bereich zu bringen. Doch auch offen sind die Bilder mit 600mm f/5,6 durchaus gut, wenn man sie etwas nachbearbeitet oder nicht so arg vergrößert. Die Blenden werden mit angesetztem Konverter korrekt umgerechnet: Offenblende f/4 bei 1,4x und f/5,6 bei 2x. Allerdings stimmen mit dem 2x die Exif-Daten zur Brennweite nicht: es werden statt 600mm 1600mm eingetragen. :nixweiss:

Der Autofokus ist fix und zuverlässig. Nicht so wahnwitzig schnell wie beim Nikon AF-S 300/2.8 II (das Ier habe ich noch nicht selber probiert), aber doch sehr ordentlich. Solange nicht unbedingt der komplette Fokusbereich durchlaufen werden muss, springt das Sigma prompt in die Schärfe. Das Verhalten des Sigma HSM unterscheidet sich aber auch bei diesem Objektiv grundsätzlich vom Nikon AF-S darin, daß offenbar der HSM-Motor nur die Zustände ein und aus kennt, während der Nikon AF-S auch variable Drehzahl beherrscht. Das äußert sich dann darin, daß der Sigma HSM in etwas ruckelnden Minibewegungen zum Ziel fährt, wenn der Motivkontrast etwas knapp ist. Mangels allzu beweglicher Motive konnte ich nicht ermitteln, ob das irgendwie problematisch ist.

Die AF-ON Taste meiner D200 funktionierte. Die an der D200 von Robert Goppelt nicht. Er hatte nicht die aktuellste Firmware der Kamera - scheint also neben der Firmware des Objektivs auch eine Rolle zu spielen.

Die Verarbeitung ist tadellos. Das Objektiv kommt mit Metallstreulichtblende, Einschubpolfilter und dem typischen ordentlichen gepolsterten EX-Köcher. Die Stativschelle taugt, hakelt jedoch ein wenig beim Verdrehen ins Hochformat.

Die Handhabung ist gut, bis auf den Fokusring. Der läuft zwar sehr weich und satt und feinfühlig, aber - zu feinfühlig. Wenn man nach dem Fokussieren die Finger nacheinander statt gleichzeitig vom Fokusring abhebt, kann es passieren, daß sich dadurch der Fokusring schon wieder verstellt hat. Es genügt schon die winzigste Berührung, und der Ring dreht sich.

Mein größtes Problem mit dem Objektiv hatte ich schon durch Testreihen im Vorfeld gefunden: Frontfokus im Nahbereich. Wenn man per AF fokussiert, und der AF der üblichen Kameras arbeitet ja mit dem Strahlengang von f/5.6, dann liegt der Fokus mit f/5,6 exakt richtig, aber mit f/2,8 liegt er deutlich vor dem Motiv, und das heißt: das Motiv ist komplett außerhalb der Schärfe. Auf 3m Distanz hatte ich etwa 3cm Abweichung. Das Problem existiert nur im Nahbereich und nur bei AF-Betrieb. Fokussiert man manuell bei offener Blende, sitzt der Fokus exakt. Ist die Distanz etwa 12m oder größer, ist das Problem ebenfalls nicht mehr feststellbar. Die übliche Ursache für sowas ist sphärische Aberration; keine Ahnung, ob das serienmäßig bei diesem Modell der Fall ist, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß nur ein einzelnes Exemplar solch ein Verhalten zeigt.

Zweites Problem: die Belichtung sitzt nicht, wenn man abblendet. Ein Bild bei f/4 und 1/30 ist schlicht dunkler als eines bei f/2,8 und 1/60, und zwar etwa eine Drittelblende. Das steigert sich dann noch auf zwei Drittelblenden, wenn man weiter abblendet. Es sieht so aus, als wenn die physikalische Größe der Blendenöffnung nicht mit den eingestellten Werten genau übereinstimmt. Sehr lästig.

Fazit: Mit dem Frontfokus kommt man zurecht, indem man im Nahbereich manuell fokussiert. Die Belichtung kann man kompensieren. Mit dem Fokusring kommt man zurecht. Die optische Leistung an sich stimmt und der AF ist schnell. Es sind Details, die das Sigma 300/2.8 HSM DG vom Nikon AF-S 300/2.8 unterscheiden (abgesehen vom VR des aktuellen Modells). Ob die den doppelten Preis wert sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich betrachte ein 300/2.8 als eine langfristige Anschaffung und bin daher nicht bereit, die beschriebenen Einschränkungen auf Dauer in Kauf zu nehmen. Jetzt wird gespart... :hehe:

Maik
 
Anzeigen
HaPeRieger schrieb:
Wenn ich jemals so einen Haufen Geld für ein Objektiv ausgeben sollte, dann wäre das eine Investition fürs Leben und Kompromisse wären inakzeptabel ... will heißen ... gerade das günstigere Objektiv wäre mir dann eigentlich viel zu teuer für Kompromisse.
Einerseits ist das wahr was du da schreibst - andererseits ist ein langsames 300er besser als gar kein 300er. ;)
Und jetzt mal ernsthaft: Ich habe natürlich auch einige Zeit hin- und herübelegt was ich denn nun kaufen soll. Die AF-S-Objektive waren preislich raus, vom AF-S-VR mal ganz zu schweigen. Das AF-I wurde zum Zeitpunkt meiner Überlegungen auch noch mit 1.800 - 2.000 € gehandelt, auch das war mir zu viel. Die beiden Kandidaten von Sigma (2.8/300 und 2.8/120-300) habe ich nicht wirklich in meine Überlegungen mit einbezogen da sie gebraucht sehr selten auftauchen. Nun muß man dazusagen das ich nicht wirklich meine Wochenenden im Tarnzelt verbringe, den Spaß an langen Tüten erst mit dem Umstieg auf digital entdeckt habe und damit leben kann wenn am Ende eines Tages auch mal kein brauchbares Photo entstanden ist.
Lange Rede, kurzer Sinn: AF 2.8/300 gebraucht oder AF-S 4/300 neu, also eine Investition im guten 1.000 € Bereich. Da es zum alten 2.8/300er eigentlich keinerlei negative Erfahrungen gibt habe ich mich dann für das Objektiv entschieden, einfach weil mir die eine Blende mehr Lichtstärke wichtiger war als der vielleicht schnellere AF des 4/300ers. Das Thema Konverter kam dann erst später aufs Tapet, wenn das AF-S 4/300 mit dem 1.4er Nikon-Konverter voll offenblendtauglisch sein sollte, dann wäre das ein großer Pluspunkt für die Kombi, aber das müßte man auch erstmal klären.
Kurz: Das 2.8/300er bietet meiner Ansicht nach einen hervorragenden Gegenwert für seinen Gebrauchtpreis - und wenn es mich wirklich mal zur AF-S-Version ziehen sollte wird sich der finanzielle Verlust beim Wiederverkauf sicherlich in Grenzen halten.

Gruß
Dirk

Edit: Da habe ich wohl arg langsam getippt, aber in der Schlußfolgerung stimmen Volker und ich dann ja ohnehin überein.
 
Kommentar
foxmulder schrieb:
wenn das AF-S 4/300 mit dem 1.4er Nikon-Konverter voll offenblendtauglisch sein sollte, dann wäre das ein großer Pluspunkt für die Kombi, aber das müßte man auch erstmal klären.

Meiner Erfahrung nach nicht offenblendentauglich, weil etwas weich (damals an der D2H/D1X). Beim Abblenden wird's spürbar besser.
 
Kommentar
volkerm schrieb:
Meiner Erfahrung nach nicht offenblendentauglich (damals an der D2H/D1X).
Also bleibt es schlußendlich bei der einen Blende Vorsprung und meine Entscheidung bleibt für mich richtig!

BTW: Hübsche neue Signatur! :D

Gruß
Dirk
 
Kommentar
Ein Vergleich zu dem 120-300 würde mich auch interessieren :). Vielleicht sollten wir uns mal auf neutralem Boden bei Würzburg treffen.

Ob das Zoom eine Alternative ist, hängt vom Anwendungsgebiet ab. Bei eingeschränkter Bewegungsfreiheit ist es ein gute Alternative. Der Bildausschnitt ist schnell so verändert, wie man ihn haben möchte. Das ist mir viel wert.
 
Kommentar
Ihr kennt Euch ja alle in diesem Tütenbereich merklich besser aus als ich:

gibt's eigentlich noch irgendwo ein schlichtes 300mm f/4 AF ohne dem ganzen Kram der nur wiegt, korrodiert und kostet (SWM, VR, Zoom)? Muß nicht Nikon sein. Wahrscheinlich gibt's da nur noch den Gebrauchtmarkt, fürchte ich :nixweiss:

Schöne Fotos noch,
Phillip
 
Kommentar
Sorry Maik, Du hast natürlich recht und da ich mit dem OT angefangen habe, habe ich es auch gleich wieder bereinigt. Zur Terminfindung zwecks dicke Tüten Shootout gehts bitte hier
 
Kommentar
Zweites Problem: die Belichtung sitzt nicht, wenn man abblendet. Ein Bild bei f/4 und 1/30 ist schlicht dunkler als eines bei f/2,8 und 1/60, und zwar etwa eine Drittelblende. Das steigert sich dann noch auf zwei Drittelblenden, wenn man weiter abblendet. Es sieht so aus, als wenn die physikalische Größe der Blendenöffnung nicht mit den eingestellten Werten genau übereinstimmt. Sehr lästig.


Sehr interessante Beobachtung!
Bei meinem Sigma 300 / 2,8 APO AF (deutlich älteres Vorgängermodell) ist es genau so. Offenblende wirklicch super, aber mit jedem Schritt werterer Abblendung wird's dunkler und dunkler ...

Sven
 
Kommentar
sodann, hatte heute kurz gelegenheit das rohr an meine d80 zu flanschen
hier das ergebnis:
durfte sogar bis vors geschäft damit, allso gibts nur schilder und pickerl (ham halt keine schöne landschaft vor der tür wie ich ;P )

erstes bild immer 2.8, 2. immer 4 (vorsicht, die exifs lügen)

einmal aus ca 3,2m entfernung:
300-1-28.jpg


300-1-4.jpg


und einmal mit ca 8m entfernung:
300-2-28.jpg


300-2-4.jpg


nen frontfokus bei 2.8 kann ich nicht feststelln
und die schärfe bei offenblende is doch auch sehr fein
fokusring drehte sich auch nicht nur vom anschaun

maik, kanns sein das du damals ne gurke erwischt hast?
 
Kommentar
100% direkt aus der d80 mit standarteinstellungen, nicht zusätzlich nachgeschärft
 
Kommentar
Bilder in Webgröße und dann auch noch auf 130kb komprimiert, sind ja bekanntlich nicht geeignet um die wahren Werte eines Objektives hervorzuheben ;)
Wenn ich Bilder aus meinem 3 MP-Handy in 800x600 auf dem Bildschirm betrachte, sehen die auch knackscharf aus. Etwas größeren Ausbelichtungen oder Ausschnitte am Bildschirm...da kommen die Unterschiede zutage.
Daher hatte ich gefragt ob es Ausschnitte sind oder nicht :)

Gruß
Heiko
 
Kommentar
verschätz dich da nciht, die dinger sind mit 90% qualität gespeichert, die sind nur aufgrund der grossen einfärbigen flächen so klein

und noch ne frage: hast du das dämliche overlay bei den bildern? das zeigt nämlich meiner erfahrung nach in falscher grösse an

-----------------edith meint--------------
ich soll noch n originalbild anhängen:
http://temp.funtech.org/DSC_5588.JPG
 
Kommentar
Es geht ja um die Bildgröße. Mache es doch wie üblich, wenn hier jemand die Leistungen eines Objektives präsentieren will: Mach Ausschnitte oder lade das unverkleinerte Bild auf einem Server hoch und verlinke es.

EDIT: Hab gesehen, dass Du es nachgeholt hast

Ich habe mir Maiks Test auch nochmal durchgelesen. Eigentlich bemängelte er doch gar nichts an der Schärfe: "Die optische Leistung an sich stimmt und der AF ist schnell. Es sind Details, die das Sigma 300/2.8 HSM DG vom Nikon AF-S 300/2.8 unterscheiden"

Die Bilder werden bei mir mit in 840x602 und 925x491 angezeigt.

Gruß
Heiko
 
Kommentar
Wenn nur die Nikon Konverter auf diese Linse passen würden bzw. die Sigma Konverter in der gleichen Klasse wie TC-14/TC-20 spielen würden.

Dann wäre das Objektiv in seiner Variabilität eine klasse Alternative zum Nikon.
 
Kommentar
Hallo HaPe,



Richtig. Ich schiele allerdings eher auf ein gebrauchtes AF-S I oder II, denn das VR ist gebraucht kaum zu bekommen und neu finanziell einfach nicht in Reichweite, bzw. ich müßte auf vieles andere dafür verzichten, was ich auch wieder nicht will...

Maik

Hallo Maik,

Guck doch ab und an mal bei einem Ebay Seller namens Ian.Hobday rein. Nicht erschrecken, der ist aus Osaka. Hat sich aber auf das obere Preissegment gebrauchter Objektive spezialisiert. Die Abwicklung ist absolut klasse, seriös und die Qualität excellent.

Gruss
Peter
 
Kommentar
lach .....da meint mans gut....denkt man hat nen guten Tip ....vielleicht hilfts anderen fg:D:D
 
Kommentar
Wenn nur die Nikon Konverter auf diese Linse passen würden bzw. die Sigma Konverter in der gleichen Klasse wie TC-14/TC-20 spielen würden.

Tun sie meiner Meinung nach auch. Ich finde die Konverter von Sigma und Nikon in der optischen Leistung ziemlich gleich, und wenn es einen Unterschied gibt, dann eher zugunsten Sigma. Dass man für ein Sigma-Objektiv auch Sigma-Konverter für maximale optische Qualität nehmen muss, sollte nicht verwunden und das kann man Sigma auch schlecht anlasten.

Es gibt halt keine Entsprechung des TC-17E, und wenn man ansonsten Nikkore hat, muss man einen ziemlichen Konverterpark herumschleppen, der selbst schon soviel wiegt wie ein Teleobjektiv und entsprechend Platz einnimmt in der Tasche.

Maik
 
Kommentar
-Anzeige-
Zurück
Oben Unten