Freut mich, wenn meine kleine Doppel-Reportage gefällt. Setzen wir uns doch noch kurz gemeinsam vor die Orangerie und lassen den Tag Revue passieren
Ja, das ist absichtlich so brutal mittig
Beginnen wir mal mit der theoretisch ganz simplen Frage: Lohnt sich die documenta?
Tja leider kann ich diese Frage überhaupt nicht beantworten. Für Freunde zeitgenössischer Kunst stellt sich die Frage eh nicht, da sie Pflicht ist. Für jemanden, der sich in dieses Thema einarbaiten möchte ist sie bestimmt recht gut geeignet, da sollte man aber unbedingt einen der bereits angesprochenen Spaziergänge buchen, sonst wird man von den Künstlern und den Machern der documenta einfach zu sehr allein gelassen. Problematisch könnte es bei den Spaziergängen allerdings mit dem Fotografieren sein, da dann halt immer um das gerade besprochene Objekt eine große Menschentraube steht.
Ein anderer Ansatz kann sein, einfach nur zum Fotografieren hinzugehen, da man vielleicht gerade eine "Motivfindehemmung" hat. Dafür ist die documenta -so man nicht viele hundert km anreisen muß- durchaus spamnend. Bitte dabei aber dran denken, das es eine Taschengrößenbeschränkung (WIMRE 30 x 20 x 10 cm) gibt. Die wird zwar bei Fototaschen nicht ganz so streng ausgelegt, aber mit einem Photo-Trekker käme man bestimmt in keine der Ausstellungen. Braucht man aber auch gar nicht, da ich nicht wüßte wofür man das ganz große Besteck einsetzen sollte. Die hier gezeigten Aufnahmen sind alle mit einem 24-70, bzw. einem komplett offenen 50 1.8 entstanden. Ich hatte mich bereits im Vorfeld darauf festgelgt nicht einfach draufloszuballern und am Rechner die besten Fotos rauszusuchen, sondern wenige Fotos zu machen, die ich dafür aber so sorgsam wie möglich gestalten wollte. Wie geschrieben, war es der einzige Tag, den sich meine Frau und ich frei gemacht hatten und den wollte ich nicht durch ständiges fotografieren "zerstören". Insgesamt entstanden so über den ganzen Tag verteilt "nur" 31 Aufnahmen und -bis auf eine Ausnahme- von jeder Aufnahmeposition auch nur ein einziges Bild.
Einschub: Eigentlich wollte ich noch ein paar mehr Fotos machen, und hatte dafür extra das 18er mitgenommen, aber Kassel hat auch sowas wie einen nordhessischen BER. Der Herkules, zu dem wir als Tagesabschluß hochfuhren ist komplett eingerüstet und mit hübschen gelben Kränen drappiert. Die aufgestellten Schilder sprachen von einer Grundsanierung von 2006-2011, ist ja nur eine Verdopplung der Bauzeit, also alles kein Problem. Leider waren auch die Kaskaden und sogar die Löwenburg mit ebenjenen gelben Kränen verschönert worden, sodaß das WW an dem Tag gar nicht an die Kamera kam.
Eine starke Analogie zwischen Kunstliebhabern und Foto-Forenten fand ich schon sher spannend. Wenn ich den Erläuterungen der Führungen und den Reaktionen der Zuhörer lauschte konnte ich oft nur mit dem Kopf schütteln. Man muß wohl, schon sehr tief in den Zirkeln drinstecken um da mitzukommen. Ganz ähnlich wird es aber wohl auch "Otto-Normal-Knipser" gehen wenn hier jemand nach Kaufberatung für D3400/D5600 fragt und ihm spätestens im 3. Psoting empfohlen wird: "Nimm lieber gleich die D500, sonst ärgerst Du dich hinterher eh nur". Ich kann mich nicht entsinnen auf einem der diversen Foren-Treffen, die ich besuchen durfte, jemals eine D3xxx gesehen zu haben und eine D5xxx höchstens in Händen der Tochter oder Gattin.
Klar, meine Beobachtungen waren rein statisitsch natürlich wertlos und nur auf einen einzigen Tag beschränkt, aber es wurde viel, sogar sehr viel fotografiert und gefühlt ärgerte sich niemand darüber keine D5/D500 dabei zu haben.
Das Einzige, was sich mit meinen Erwartungen deckte war, das die meisten der hochwertigen Spiegellosen (Sony A6xxx, A7) eher bei älteren Semestern (mit knapp 50 darf ich das schreiben ohne despektierlich zu sein) zu finden waren. Das könnten dann so Leute wie ich sein, die ja auch recht häufig hier im Forum unterwegs sind oder leider waren, die aufgrund "Altersgebrechen" der D-SLR in des Wortes tiefster Bedeutung den Rücken kehrten.
Die kleinen Kit-Zoom D-SLR traf ich recht häufig bei eher jungen Leuten an. Womöglich fiel bei denen die Entscheidung pro Einsteiger-D-SLR überhaupt nicht aufgrund der technischen Eigenschaften (EVF vs. OVF) sondern schlicht darüber, das eine D3300/D3400 mit Kitzoom nur einen Bruchteil von z. B. einer A6000 oder X-T10 kostet.
Das könnte auch die relativ hohe Anzahl der 1er J erklären. Ich bin mir grad nicht mehr sichter ob beim Wechsel von 3 auf 4, oder 4 auf 5 wurde der Vorgänger als Kit für 250,- versemmelt, da bekommt man ja keine gescheite Kompakte für.
Für mich viel wichtiger war aber eine im Grunde völlig banale Erkenntnis, die man einfach zu schnell selbst verdrängt. Bei aller Technik- und Equpmentverliebtheit kommt oft die Auseinandersetzung mit dem Motiv viel zu kurz. Bei den wenigen Fotos die ich gemacht habe bin ich oft mehrfach um das Objekt herumgeschlichen, habe quasi im Kopf das "framing" gemacht (allerdings nicht ohne das dann doch sicherheitshalber mit Kamera und Display mit der Realität abzugleichen) und jedes Foto, das ich gemacht habe "wollte" ich auch machen. Es war keines dabei, wo ich einfach mal draufhielt, um dann später am Rechner zu schauen, was man wohl damit anfangen könne.
Die Technik trat dabei eigentlich völlig in den Hintergrund, alle Fotos hätte ich auch mit dem grottenschlechten Kontrast-AF meiner D5300 machen können. Auch die -für meine Verhältnisse- extreme Beschränkung des Brennweitenbereichs, bzw. der oft nötige Einsatz des Turnschuhzooms tat mir selbst und meinen Fotos gut. Besonders der Herr mit der D800 und dem 28-300 erinnerte mich stark an meine "normalen" Fotogrfiergewohnheiten. Der stand oft an einer Stelle vor dem Objekt und nutzte die 28-300 auch leidlich aus. Mir bleib nichts anderes übrig, als mir zu überlegen mache ich eine Detailaufnahme, wenn ich nicht weit genug vom -zu großen- Objekt wegkonnte, oder lasse ich es gleich. Bei anderen Objekten kam ich für eine Detailaufnahme mit dem 50er nicht dicht genug ran. Tja Pech, dann konnte ich die Aufnahme halt nicht machen.
Klar die Mit-Forenten die oft oder nur mit FB lsoziehen werden nun müde lächeln, aber für mich war es schon eine "Überwindung" meine mit (KB) 25-400, bzw. 24-300mm Zooms bestückten Backup-Kameras zu Hause zu lassen. Normalerweise ist eine davon immer dabei.
Meine durchaus kunstinteressierte Frau empfand den Tag als reine Zeitverschwendung und auch bei mir wird die zweite documenta meine letzte sein, aber für mich war es doch ein recht schöner Tag, als ich am Abend die Fotos auf den Rechner zog und sie -bis auf eines, da hatte ich den AF blöderweise noch auf AF-C und sie pumpte und die ersten beiden waren auch noch eher uninspirierte Rumknipserei- alle genau so waren, wie ich das im Kopf und auf dem Display geplant hatte.