Eine aussergewöhnliche Reise - Die «Weisse Wüste»

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hjklemenz

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Im Jahr 2010 nahm ich zusammen mit einigen anderen Fotografie-Begeisterten an einer Fotoreise in die Wüste Sahara teil. Unter Leitung des Fotografen und Wüstenkenners Dionys Moser bereisten wir die sogenannte «Weisse Wüste» im Zentrum Ägyptens.

Der Reisebericht mit einigen Bildern aus dieser einzigartigen und spektakulären Gegend habe ich von meiner eigenen Website für dieses Forum aufbereitet und möchte ihn in den nächsten Tagen hier einstellen. Ich hoffe, dass ihr daran Gefallen findet und freue mich natürlich über Eure Kommentare.

Alle Bilder entstanden noch in meiner Vor-Nikon-Zeit mit einer Sony Alpha 850 und diversen uralten Minolta-Objektiven.

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Es geht los! (2. Oktober 2010)

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Kairo am Abend

Sandgelbe, prallgefüllte Reisetaschen, unpraktische Foto-Rucksäcke mit angeschnallten Dreibein-Stativen; die zwölf Teilnehmer der Fotoreise «Weisse Wüste» sind schnell identifiziert. Ebenso unser Organisator, Reiseleiter, Foto- und Wüstenexperte Dionys Moser; er schleppt noch zusätzliches Material in alten Armeekisten mit sich. Unter anderem «Schwiizer-Müesli», wie er uns verrät. Das in Ägypten erhältliche trage meist noch Lebewesen in sich - somit nichts für Vegetarier.
Der Gruppen-Check-in in Zürich sowie der Direktflug nach Kairo ist pünktlich und verläuft problemlos. Ebenso die Einreise und die Gepäckübernahme, nachdem die beiden ominösen Kisten schlussendlich auch noch aufgetaucht sind. Eine Wüstenreise ohne Schwiizer-Müesli: undenkbar.

Der Bus des lokalen Reiseveranstalters bringt uns zum Hotel, mitten in der Stadt und direkt am Nil. Auf die (unsinnige) Frage, wie lange die Fahrt denn dauere, antwortet der Fahrer mit einem fatalistischen «Kommt auf den Verkehr an - zwischen 45 Minuten und 3 Stunden». Inschallah - So Gott will. Es dauert dann nur eine gnädige Stunde. Alhamdulillah - Gott sei Dank.
Nach dem Einchecken in die schönen Zimmer des ****-Hotels «Helnan Shepheard» mit direktem Blick auf den altehrwürdigen Nil und das abendliche Kairo geht's zum gemeinsamen Nachtessen in ein typisch ägyptisches Lokal in der Innenstadt. Das Essen ist vorzüglich: Viele verschiedene Vorspeisen, Falafel, Obst, Salate, Fetakäse sowie verschiedenste Saucen mit Sesam, Kichererbsen und vielem anderem mehr. Es schmeckt hervorragend und ist ein ausgezeichneter Auftakt zu unserer Reise.
Nach einem abschliessenden Bier (lokales Stella, aber zu westlichen Preisen) auf der Hotel-Terrasse geht's ab ins Bett, denn Tagwache ist auf 05:30 Uhr angesagt, damit wir um 06:30 Uhr die lange Fahrt in die Wüste vor dem morgendlichen Stossverkehr antreten können.

Ein frommer Wunsch, denn in Kairo herrscht immer Stossverkehr.


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Morgen geht's weiter mit dem 2. Tag. Ich hoffe, dass mein Reisebericht auf Euer Interesse stösst und freue mich natürlich über alle Eure Kommentare.

Fortsetzung folgt mit dem 2. Tag «Die Oase Baharya»

Beste Grüsse, Hans Jörg


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Die Libysche Wüste

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Die Libysche Wüste; Bild: Andrei Stroe; Wiki Commons;
License: CC BY-SA 3.0

Der Nationalpark Weisse Wüste ist ein Teil der Libyschen Wüste und liegt zwischen den Oasen Bahariya und Farafra. Sie umfasst etwa ein Gebiet von 3'000 km2. Das ist etwa so gross wie die Kantone Zürich und Aargau zusammen. Das ganze Gebiet wurde 2002 unter Schutz gestellt, vor allem wegen der einmaligen Kalkstein-Formationen. Bei den Kalkstein-Monolithen handelt es sich um sedimentiertes und kalzifiziertes Plankton aus dem Ende der Kreidezeit von vor 80 Mio. Jahren, als das heutige Mittelmeer noch die Wüste bedeckte, die später durch Wind und Wetter und die extremen Temperaturunterschiede erodiert sind und ihre individuelle Form erhalten haben. Zu erkennen sind Pilze, ein Huhn unter einem Baum, ein Sphinxkopf, Menschenköpfe und ähnliches.
Originale oder fossilierte Muscheln, Schnecken, Ammoniten, Korallen, Tierknochen und versteinerte Zweige finden sich in der Weißen Wüste. Sehenswürdig sind drei bekanntere Quellen, die von Palmen und anderer Vegetation umgeben sind und die heimische Fauna (Fennek, Gazelle, Kleinnager) und Reisende mit Wasser versorgen.
Der Zugang und das Reisen in der Weissen Wüste ist nur mit geländegängigen Fahrzeugen unter Berücksichtigung der üblichen Sicherheitsvorkehrungen (Nie allein, genügend Vorräte, Notrufmöglichkeit) möglich.

Die Libysche Wüste (aus politischen Gründen auch Westliche Wüste - Western Desert genannt) liegt am östlichen Sahara-Rand. Sie erstreckt sich vom Mittelmeer bis zum Wadi Huwar im nördlichen Sudan und vom Niltal im Osten bis ungefähr zur libyschen Grenze im Westen. Der grosse Teil (ca. 75 %) liegt in Ägypten und nur ein kleiner Teil in Libyen selber.
Mitten durch die Libysche Wüste führt die durch tiefe Depressionen gekennzeichnete Oasenkette Siwa - Bahariya - Farafra - Dakhla - Kharga.
Die Geomorphologie der Libyschen Wüste wird von großen Plateaus dominiert, beispielsweise sind hier das ägyptische Kalksteinplateau, Gilf Kabir, das Abu-Ras-Plateau sowie das Abu-Said-Plateau zu nennen. Zwischen den Plateaus liegen große Niederungen, deren Höhe bis auf Meeresniveau abfallen kann. Ihr Ursprung liegt in alten Fließgewässer, die hier ihren Lauf hatten. Einige der Niederungen liegen nahe des Grundwasserspiegels, hier können sich Oasen bilden, eine der bekanntesten ist die Oase Siwa im Nordosten.
(Quelle: Wikipedia)


Fotoausrüstung
Folgende Ausrüstung begleitete mich auf meiner Fotoreise in die «Weisse Wüste»:


  • KATA Fotorucksack R-103 (max. Gewicht: 8 kg)
  • Manfrotto Karbon-Stativ 190CXPRO4 mit Kugelkopf 498RC2
  • DSLR Kamera Sony Alpha 850
  • 2 Reserve Akkus mit Ladegerät und Kabel
  • DSLR Kamera Konica Minolta 7d (Reserve, mit Ladegerät)
  • Objektiv Konica Minolta AF Zoom 1:2.8 - 4, 17 - 35 mm D
  • Objektiv Konica Minolta AF Zoom 1:2.8, 28 - 75 mm D
  • Objektiv Minolta AF Zoom 1:4, 70 - 210 mm
  • Blitz Konica Minolta 3600 HS D mit Reservebatterien
  • CF Speicherkarten 42 GByte (ca. 1300 RAW-Aufnahmen)
  • Hyperdrive Space Bildertank 320 GByte mit Ladegerät
  • (für ca. 10'000 RAW-Aufnahmen)
  • 3 UV-Filter Hoya 55, 67, 77 mm
  • 1 Polarisations-Filter 67 mm Hoya
  • 1 Fernauslöser Sony/Minolta
  • 1 Winkelsucher Sony/Minolta
  • 1 Wasserwaage für Panoramas
  • GPS Sony CS3 mit Reservebatterien
  • je 1 Putzpinsel, Blasebalg, Brillentuch
  • diverse Plastiksäcke für Kameras und Objektive

Reise-Utensilien
Nebst der Fotoausrüstung braucht's natürlich noch einige andere nützliche und notwendige Dinge:

  • Reisetasche 140 l (Max. Gewicht 18 kg)
  • Bauchtasche
  • Wanderschuhe
  • Sandaletten
  • Kopfbedeckung (Sonnenhut)
  • Halstuch
  • Langarmhemden
  • Lange Trekkinghosen
  • Pullover
  • Windjacke
  • Unterwäsche
  • Socken, Wandersocken
  • Trainer
  • Badetuch (?)
  • Badehose (?)
  • Toilettenpapier (!)
  • Feuchttüchlein
  • Sonnencreme
  • Deodorant (!)
  • Reisekissen
  • Sonnenbrille
  • Ersatzbrillen
  • Taschenlampe mit Ersatzbatterien
  • Stirnlampe mit Ersatzbatterien
  • Feuerzeug
  • Taschenmesser
  • Schnur
  • Plastiksäcke versch. Grössen
  • Medikamente
  • Schreibzeug
  • Reisetagebuch
  • Notizbuch
  • Pass mit Kopien
  • Flugticket mit Kopien
  • Kreditkarten mit Kopien
  • Krankenkassenausweis
  • Rega-Ausweis
  • Bargeld (EUR, CHF)
 
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Oh, da freue ich mich drauf, hab gerade erst eine Reportage im TV mit Wahnsinnsbildern gesehen - freigeschaltet!
 
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Die «Weisse Wüste» - Tag 2

Die Oase Bahariya (3. Oktober 2010)

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In der Oase Bahariya

Pünktlich um 06:30 Uhr ist der Reisebus mit allem Gepäck beladen und die Fahrt Richtung der Oase Bahariya, ca. 380 km südwestlich von Kairo, kann beginnen. Doch zuerst geht es um die Überwindung des aufkommenden Morgenverkehrs des Molochs. Unglaublich. Das Ende der eigentlichen Stadt wird markiert durch den fruchtbaren Grüngürtel des Niltals zwischen Kairo und der Wüste - welcher allerdings immer kleiner und überbauter wird. Was dann folgt, ist für uns Europäer unvorstellbar: «The 6th of October City». Hier wird eine gigantische Millionenstadt aus dem Boden gestampft, welche allerdings vorwiegend aus noch meist halbfertigen und unbewohnten Bauleichen besteht und teilweise bereits wieder dem Verfall geweiht ist. Viele Milliarden von Dollars wurden und werden hier verlocht, welche wohl besser in die übrige marode Infrastruktur der Grossstadt Kairo investiert würden. Das meiste Geld stammt - wen wundert's - aus dem saudiarabischen Raum. Aber bald lassen wir diesen skurrilen Anblick hinter uns und fahren auf der gut ausgebauten und asphaltierten Strasse Richtung Bahariya. Die Gegend hier ist etwas vom langweiligsten, das ich je gesehen habe. Sand und Steine soweit das Auge reicht. Reger Verkehr auf der schnurgeraden Strasse, vor allem Lastwagen, welche mit deutlich übersetzter Geschwindigkeit über die Piste rasen. Es passiert nichts, Inschallah.

Einige Eindrücke von der Fahrt zur Oase:

Letzte Einkäufe für die Reise
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Pippi-Stopp am Strassenrand
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Langweilig ...
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Autobahnraststätte einmal anders
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Ankunft in Bahariya

Die Ankunft in Bahariya nach etwa fünf Stunden Pistenfahrt und einem Tee- und Pippi-Stopp ist allerdings eine herbe Enttäuschung. Wer sich unter dieser Oase eine Idylle mit Wasser, Kamelen, Palmen usw. vorgestellt hat trifft stattdessen auf Schmutz, Abfälle am Strassenrand, Armut, Lärm und Verkehr. Kein einladender Ort mit etwa 30'000 Einwohnern.
Zum Glück liegt die Farm unseres Chef-Beduinen ausserhalb des Ortes inmitten von Dattelpalmen-Plantagen. Wir werden herzlich empfangen und geniessen ein ausgezeichnetes Mittagessen sowie eine kleine Führung durch die Farm mit vielen verschiedenen Tieren. Allerdings wurden wir wegen eines kleinen Missverständnisses erst für morgen erwartet, so dass das Tagesprogramm tüchtig durcheinander gerät. Aber das Organisationstalent von Dionys und seinen Beduinen überwindet auch diese Schwierigkeiten gekonnt. Mit einer Verspätung von nur drei Stunden verlassen wir Bahariya mit drei geländegängigen, 30-jährigen Toyota Land Cruiser Richtung Wüste. Der Lastwagen mit der Küche wird uns am Abend folgen, denn zuerst müssen Lebensmittel für eine ganze Woche beschafft und organisiert werden. Wegen des Missverständnisses werden wir unser erstes Camp erst bei Dunkelheit erreichen - der Küchenwagen wohl noch einige Stunden später. Mich beschleicht ein komisches Gefühl - völlig unbegründet, denn Dionys und seine Beduinen haben alles im Griff.

Die erste Nacht in der Wüste

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Luft ablassen - es geht in die Wüste

Nach dem Verlassen von Bahariya geht's zuerst noch eine Weile auf der asphaltierten Strasse weiter. Doch dann abrupter Wechsel: Weg von der Strasse und off-road in die unwegsame Wüste. Zuerst muss Luft aus den Reifen abgelassen werden, damit wir besser durch den Sand kommen, dann fahren wir immer weiter weg von jeder Zivilisation. Unsere Fahrer finden den Weg mit traumwandlerischer Sicherheit, umrunden Felsformationen und gefährliche Dünen. Für mich ist es unvorstellbar, wie man hier die Orientierung behalten kann, zumal jetzt die Dämmerung und die Dunkelheit einsetzt. Doch das scheint alles kein Problem zu sein und man merkt, dass Dionys diesen Teil der Sahara kennt wie kein Zweiter, ist er doch schon seit 26 Jahren regelmässig und mehrmals pro Jahr hier. Nach ca. 3 Stunden erreichen wir bei völliger Dunkelheit unseren ersten Rastplatz irgendwo zwischen den Dünen inmitten von schroffen Felsen.
Doch das hilft uns noch nicht wirklich weiter, denn das Küchenfahrzeug mit Gepäck, Wasser und Nahrungsmitteln ist ja noch ausstehend. Werden die uns überhaupt finden? Die einzige Absprache in Bahariya war: «Same place as usual». Kein Mobile-Empfang, kein Satellitentelefon, nichts. Nach zwei Stunden endlich ein Licht am Horizont und eine weitere Stunde später sind wir komplett.
Schnell wird das Camp aufgebaut, Tisch aufgestellt und Tee zubereitet. Es wird richtig gemütlich. Nur das Nachtessen fehlt, denn alle sind mittlerweile hungrig. Eine Fertigsuppe mit Brot wäre zu dieser Zeit wohl das Naheliegenste. Aber weit gefehlt: Ahmed, unser Koch bereitet mit frischem Gemüse eine wunderbare Suppe, gewürzt mit Zimt und Zitrone zu. Anschliessend Maccaroni mit einer ausgezeichneten Sauce, alles frisch zubereitet.
Dann ist es Zeit (mittlerweile fast Mitternacht), in die Schlafsäcke unter freiem Himmel zu kriechen, denn Dionys hat die Tagwache auf 04:15 Uhr angesetzt, damit wir rechtzeitig an unserem ersten Fotoplatz sind.
Wahrlich ein fulminanter und gelungener Einstieg in mein erstes Wüstenabenteuer. Müde, aber zufrieden schlafe ich ein, nicht ohne den grenzenlosen Sternenhimmel und die Milchstrasse zu bewundern sowie die lautlose Stille zu geniessen.

Einzig der feine Sand, welcher mir ständig ins Gesicht weht, ist ein wenig gewöhnungsbedürftig.
 
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Die «Weisse Wüste» Tag 3

Sanddünen (4. Oktober 2010)

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Das Camp im Morgengrauen

«Guete Mooorge! - Guete Mooorge!»

Dieser laute Weckruf wird uns nun jeden Morgen «erheitern».

Tagwache 04:15 Uhr. Es ist immer noch dunkel, als wir uns nach der zu kurzen Nacht aus unseren Schlafsäcken schälen. Wir haben keine Ahnung, wo wir sind und wie es rund um uns herum aussieht, denn wir sind ja gestern auch erst in der Dunkelheit angekommen.

Das Ritual, welches sich von nun an jeden Morgen wiederholt: Stirnlampe montieren, Katzenwäsche und Zähneputzen. Anschliessend Schlafsack und Matratzenüberzug zusammenrollen, Reisetasche und Matratze zusammenpacken und zu den Fahrzeugen zurückbringen.

Dann geht's zum Frühstück. Ahmed, der Koch, und seine Gehilfen sind schon aktiv und der Frühstückstisch ist bereits gedeckt. Das Angebot übertrifft alle Erwartungen und hätte manches Hotel vor Neid erblassen lassen: Kaffee, Tee, Milch, Käse, Brot, Konfitüre, Honig, Müesli (aus der Schweiz mitgebracht), gekochte Eier, Joghurt, Früchte und mehr.

Viel Zeit bleibt nicht zum gemütlich Frühstücken und mein Appetit hält sich um diese Zeit ohnehin in Grenzen. Dionys drängt uns zur Eile, denn wir müssen rechtzeitig zur blauen Stunde (05:35) und zum Sonnenaufgang (05:58) auf dem benachbarten Felsen sein. Also, Fotorucksack und Stativ schultern und los marschieren. Zum Glück habe ich meine Wanderschuhe montiert, das macht das Aufsteigen im tiefen Sand sowie auf den schroffen Felsen wesentlich einfacher. Mittlerweile ist die Landschaft in der Morgendämmerung schon recht gut zu erkennen und was ich da sehe, verschlägt mir die Sprache. Eine riesige Felsenarena auf welcher wir ganz oben stehen und unten in der Senke dehnt sich eine endlose Sanddünen-Landschaft bis zum fernen Horizont. Ganz klein sieht man unser Lager inmitten der grandiosen Landschaft.

Das erste Foto-Shooting

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Aufstieg zum Fotoplatz

Schnell werden die Stative aufgestellt und die Kameras montiert, denn die Zeit drängt und die Sonne wartet nicht. Tatsächlich, pünktlich um 06:03 zeigt sie sich über dem Horizont und taucht die Landschaft in ein unglaublich mystisches Licht. Und dann wird fotografiert, was das Zeug hält, als wäre dies der letzte Sonnenaufgang vor dem Weltuntergang. Zwischendurch gibt Dionys gibt immer wieder hilfreiche Tipps zu Aufnahmetechnik und Objektivwahl und beantwortet unsere Fragen immer sehr kompetent und mit viel Geduld.

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Die grosse Düne

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Die grosse Sanddüne

Selbstverständlich sind wir nicht nur wegen des Sonnenaufgangs hier hinauf gestiegen. Von diesem Standpunkt hat man den besten Blick auf die grosse Sanddüne, welche sich ca. 20 km gegen Norden erstreckt. Die eleganten Strukturen der vom Wind geformten Dünen werden vom flachen und weichen Morgenlicht optimal und stimmungsvoll beleuchtet.

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Weiter geht's ...

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Weiter geht's ...

Zurück bei den Fahrzeugen und nach einer kleinen Stärkung mit Tee und frischen Datteln, welche unsere Beduinen vorbereitet hat, fahren wir weiter Richtung Zentrum der Weissen Wüste. Dabei machen wir ab und zu mal einen Stopp für lohnenswerte Bilder. Dionys zeigt uns dabei einige Höhlen, die wohl nur er alleine kennt. Wir steigen ganz vorsichtig hinein, um ja keine Fussabdrücke zu hinterlassen, und fotografieren mit Weitwinkelobjektiven und kleinster Blende direkt in die Sonne.
Eine recht anstrengende Sache. Die Kamera sollte möglichst nah am Boden sein und in diesen Höhlen ist es angenehme 50 - 60°C.

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Abendlicht

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Kreidefelsen in der blauen Stunde

Am späteren Nachmittag rücken wir ins Zentrum der Weissen Wüste vor. Die Gegend verändert nun laufend ihr Gesicht. Die ersten bizarren weissen Felsformationen tauchen auf, das Licht wird wärmer und die Schatten länger. Wieder geht's zu Fuss weiter zu den besten Plätzen um für den Sonnenuntergang bereit zu sein. Wir fotografieren in der stets wechselnden Szenerie, bis uns die Dunkelheit zwingt, mit eingeschalteter Stirnlampe zum in der Zwischenzeit eingerichteten Lager zurückzukehren.
Ein eindrücklicher Foto-Tag geht zu Ende. Ich kehre mit ca. 200 Bildern zurück und sichere diese sofort auf meinen mobilen Bildertank ... sicher ist sicher.

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Kommentar
Wir hatten schon einmal ein oder zwei Berichte über dieses Naturwunder, das ist länger her - umso mehr freue ich mich auf einen Fortsetzung deiner Serie! Vor allem die letzten Bilder gefallen mir sehr und natürlich die der "Großen Düne". :up:
 
Kommentar
Sehr schön und ich bin ja gespannt wie es weiter geht ... :up::up::up::)
 
Kommentar
Besten Dank für Eure Kommentare. Freut mich. Es geht gleich weiter mit dem 4. Tag.
Hans Jörg
 
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Die «Weisse Wüste» - Tag 4

Ins Zentrum der Weissen Wüste (5. Oktober 2010)


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Sonnenaufgang

Ein Sonnenaufgang der Sonderklasse steht als Ouverture auf dem heutigen Programm. Wir machen uns hinter den markanten Felsformationen bereit, stellen unsere Stative auf und warten. Die blaue Stunde beginnt heute um 05:37 und der (theoretische) Sonnenaufgang exakt um 6:00 Uhr - wegen der felsig erhöhten Kulisse etwas später. Zum Glück zeigt der Himmel einige markante Wolkenbilder, was die Sache noch interessanter macht. Es wird nicht zu viel versprochen - der Tag beginnt viel versprechend. Die Strahlen der aufgehenden Sonne werden in den Wolken gebrochen und reflektiert. Die ganze Gegend wird in zauberhaftes, ja mystisches Licht getaucht. Spontan kommt mir Mozart in den Sinn: «Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht» (Zauberflöte, Schlussszene).

Die blaue Stunde

Als blaue Stunde bezeichnet man die Zeit zwischen Beginn der Dämmerung (Morgen) und Sonnenaufgang sowie zwischen Sonnenuntergang und Ende der Dämmerung (Nacht). In der Fotografie wird die Blaue Stunde für Dämmerungs- und Nachtaufnahmen genutzt. Gegenüber Aufnahmen bei absoluter Dunkelheit ist dadurch auch die Umgebung leicht erhellt und somit besser sichtbar, die Kontraste zwischen Hell und Dunkel sind abgemildert und die Bilder weisen eine interessante Stimmung auf. Verursacht wird die blaue Strahlung des Himmels durch die Ozonschicht in 20 - 30 km Höhe. Hier in Ägypten dauert die blaue Stunde ca. 20 - 25 Minuten. Man muss also schon rechtzeitig vor Ort sein, sonst verpasst man das Ganze. Für die Planung helfen Tabellen mit den exakten Werten für einen bestimmten Ort zu einem bestimmten Tag. Hier die Werte für unsere Reise:

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Magic Spring

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Magic Spring

Nach dem Sonnenaufgang und nachdem wir uns von diesem aussergewöhnlichen Erlebnis erholt haben, wandern wir durch die interessanten Felsformationen und Sanddünen. Die Vielfalt der Motive ist unerschöpflich und abwechslungsreich - der Finger ist ständig am Auslöser. Jetzt am Morgen sind die Schatten noch lang und unterstützen die Strukturen der Fels- und Sandformationen ideal.

Anschiessend fahren wir weiter zur sogenannten Magic Spring (Magische Quelle). In der Tat sprudelt hier inmitten der Sandwüste und nur durch ein paar Palmen gekennzeichnet, frisches und klares Wasser in relativ grosser Menge aus dem trockenen Wüstenboden - ohne jegliche menschliche oder technische Hilfe. Das Wasser wurde in drei Stufenbecken gefasst und dient Reisenden und Kamelen. Eine willkommene Gelegenheit für das Auffüllen der Wasserflaschen (oberstes Becken) und für eine Haarwäsche (unterstes Becken). Im mittleren Becken hocken vier junge Schweizerinnen und nehmen - nach echter und dummer Touristenmanier - ein Bad (keine Fata Morgana!).

Vor vielen Jahrtausenden war die Sahara ein blühender, fruchtbarer Landstrich mit Seen und Tümpeln. Heute legen noch unterirdische Wasservorkommen Zeugnis von dieser Vergangenheit ab. Das Wasser tief unter der Sahara ist bis zu einer Million Jahre alt. Es fliesst mit einer Geschwindigkeit von einem bis zwei Metern pro Jahr im sogenannten nubischen Aquifersystem nordwärts - einem Leitungssystem, dass sich unter der Wüste von Ägypten, Libyen, Tschad und dem Sudan erstreckt.

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Im Zentrum der Weissen Wüste

Man muss diese Gegend schon aussergewöhnlich gut kennen, um auch um diese Zeit, wenn die Sonne hoch am Himmel steht, einen Schattenplatz für die Mittagsrast zu finden. Dionys und seine Beduinen haben da gar keine Mühe. Das Licht um die Mittagszeit eignet sich nicht zum Fotografieren, ausserdem wird es zu heiss (> 40° C).

Nach einem feinen Mittagessen und einer ausgiebigen Siesta im Schatten machen wir uns wieder auf den Weg, um ins Zentrum der Weissen Wüste vorzustossen. Weltweit einzigartige, vom Wind zu skurrilen Formen geschliffene Kreideformationen überraschen uns. Wäre da nicht der Sand und die Hitze, man könnte glauben, es seien Schneeverwehungen in den Alpen. Die Seekreide ist schneeweiss und weich wie die bekannten Schulkreiden.

Immer wieder suchen wir neue Standplätze und Kamerapositionen, probieren verschiedene Brennweiten und versuchen die länger werdenden Schatten des kommenden Abend wirkungsvoll ins Bild einzubeziehen. Es ist traumhaft schön und zusammen mit der absoluten Stille irgendwie unwirklich ... wie in einer anderen Welt.

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Nächtlicher Besuch

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Sandfüchse (Vulpes Ruepellii)

Bei Sonnenuntergang durchpirschen wir einen eigentlichen Skulpturenpark. Bei den Kalkstein-Monolithen handelt es sich um sedimentiertes und kalzifiziertes Plankton aus dem Ende der Kreidezeit von vor 80 Mio. Jahren, als das heutige Mittelmeer noch die Wüste bedeckte, die später durch Wind und Wetter und die extremen Temperaturunterschiede erodiert sind und ihre individuelle Form erhalten haben. Zu erkennen sind Pilze, Fisch- und Affenköpfe, Menschenköpfe, ein Rhinozeros, auch Ausserirdisches - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Zum Nachtessen gibt es heute erstmals Fleisch: gegrilltes Huhn, welches Ahmed auf einem einfachen Rost auf offenem Feuer gekonnt zubereitet. Vermutlich ist es der köstliche Duft, welcher sich kilometerweise über die Wüste ausbreitet, welcher die heutigen Gäste anlockt. Eine Familie von Sandfüchsen kommt zu Besuch. Männchen, Weibchen mit zwei Jungtieren. Offensichtlich wissen sie, dass es hier etwas zu fressen gibt. Schnell die Kameras und Blitzgeräte montiert und die Knipserei geht los. Unsere Rufe sowie das Blitzen und Klicken scheint sie nicht im geringsten zu stören, sie holen die Knochen ganz vorsichtig, auch aus der Hand. Einzig ruckartige Bewegungen verleiten sie zum (vorübergehenden) Rückzug. Auf bereit gestelltes Wasser stürzen sie sich mit Hochgenuss, denn das ist etwas ungewohntes; Wüstenfüchse trinken normalerweise nie, sie nehmen alle Flüssigkeit über die Nahrung auf.

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Kommentar
AW: Die «Weisse Wüste» - Tag 4

Es ist traumhaft schön und zusammen mit der absoluten Stille irgendwie unwirklich ... wie in einer anderen Welt.
Das kann ich schon beim Betrachten der atemberaubenden Bilder nachvollziehen........danke, fürs Zeigen.:up::up::up:
 
Kommentar
Die «Weisse Wüste» Tag 5

Zu den Pilzfelsen (6. Oktober 2010)

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Camp inmitten der Weissen Wüste

Ausnahmsweise und zum einzigen Mal werden wir heute am gleichen Platz nochmals die Nacht verbringen. Wenn man den prächtigen Sonnenaufgang sowie den Lagerplatz inmitten der weissen Fels-Skulpturen in Betracht zieht, ist das durchaus eine gute Wahl.

Das scheinen die Füchse, welche uns gestern abend besucht haben auch zu wissen, denn sie statten uns heute Morgen nochmals einen Besuch ab. Sie posieren geduldig und lassen sich durch die knipsenden und schreienden Spinner nicht gross irritieren. Es sind übrigens keine der bekannten Fenneks (Wüstenfüchse, Vulpes zerda), wie häufig angenommen wird, sondern Sandfüchse (Vulpes ruepellii). Die Fenneks gibt es hier auch, aber sie sind kleiner, heller und haben grössere Ohren.

Ausser diesen Sandfüchsen und einigen Käfern (Skarabäen, Grillen) sowie einige Vögel (Raben, Falken, Bachstelzen) haben wir keine Tiere beobachtet - also keine Sahara-Skorpione (sehr giftig) in den Schuhen und keine Hornvipern (auch sehr giftig) im Schlafsack. Menschen (insbesondere Fotografen) scheinen nicht auf deren Speiseplan zu stehen.

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Skulpturen im Morgenlicht

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Guten Morgen, neuer Tag

Eine ausgiebige Fototour durch die weisse, wellenförmige und mit Sand durchsetzte Landschaft eröffnet einen weiteren ereignisreichen Tag. Wir müssen immer sehr acht geben, dass wir den Kolleginnen und Kollegen nicht ins Bild laufen. Wir achten sorgsam darauf, möglichst keine Spuren im Sand zu hinterlassen, welche ein Bild wertlos machen können, sondern gehen immer auf dem weissen Kreideuntergrund. Manchmal muss eine grössere Brücke auch im Sprung überbrückt werden. Hoffentlich schaut uns niemand zu!

Die Skulpturen sind von einer endlosen Vielfalt; kaum zu glauben, dass es allein die Natur war, welche diese Formen im Laufe der Jahrtausende gebildet hat. Manche sehen aus, als ob ein Bildhauer am Werk war. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt - mal sieht es aus wie ein Gesicht, ein Fischkopf, ein Pilz oder wie ein ausserirdisches Wesen.

Auch diese Skulpturen sind aus Seekreide. Seekreide hat sich im Laufe von Jahrmillionen am Grund kalkhaltiger Seen und Meere gebildet. Die jüngeren und weicheren Formen und Schichten würden wohl eine längere Regenzeit nicht überstehen sondern einfach langsam verschwinden.

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Drei Liter Wasser pro Person

Zurück im Camp erhalten wir die freudige Mitteilung, dass wir duschen können! Aha. Und tatsächlich: Die Beduinen haben hinter einem der Fahrzeuge eine Duschkabine montiert. Eine richtige Duschbrause wird mit einem Putzeimer mit Aquariumpumpe verbunden. Toll - fehlt nur noch der Wasseranschluss an die ägyptische Wasserversorgung. Jeder erhält zwei PET-Flaschen mit insgesamt drei Liter an der Sonne erwärmtes Wasser. Drei Liter? Ja, das reicht vollkommen. Die erste Flasche zum Anfeuchten und Einseifen, dann gründliches Haarewaschen und mit der zweiten Flasche nachspülen. Fertig, wie neugeboren.


Felsenhöhlen

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Felsenhöhlen im Gegenlicht

Am Nachmittag führt uns Dionys in eine ganz andere Gegend. Steile Felsen mit senkrechten Wänden. Schroffe, spitz aufragende Gebirgsformationen und dazwischen breite Täler (Wadis) aus Sand und Fels. Die Felstürme haben Ähnlichkeit mit den Dolomiten - nicht zu unrecht, denn auch die Dolomiten sind auf ähnliche Art am Grund eines urzeitlichen Meeres entstanden und bestehen ebenfalls mehrheitlich aus Kalkstein.

In mehreren diese Felsen hat es Felshöhlen, welche wir erkunden wollen. Ohne Abdrücke im Sand zu hinterlassen steigen wir in diese glutheissen Backöfen (ca. 50° C) ein und versuchen mit Weitwinkelobjektiven direkt in die Sonne zu fotografieren, so dass der ganze Höhlenrand sichtbar und die Sonne einen schönen Stern bildet. Dazu müssen wir uns auf den Boden legen und bei kleinster Blende arbeiten.

Die Resultate können sich dank dieser schweisstreibenden Aktion durchaus sehen lassen ... und die Duschaktion vom Vormittag ist damit auch wieder kompensiert.


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Pilzfelsen


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Pilz mit Huhn

Die wohl berühmteste Skulptur der Weissen Wüste steht zum Glück relativ nahe der grossen Wüstenstrasse, so dass die allabendlich hereinfallenden Tagestouristen nicht tief in die Weisse Wüste eindringen müssen. Ein riesiger Pilz und daneben ein kleines Huhn auf einem grossen weissen Sockel.

Wir treffen gerade noch rechtzeitig als erste ein und können unsere Bilder machen. Wenig später schon kommen die ersten Autos mit Fahrer und Touristen (vornehmlich fernöstlicher Herkunft) angerauscht und füllen den Parkplatz. Unter grossem Geschrei besteigen die Touristen den Sockel und lichten sich gegenseitig ab wie die Verrückten und verschwinden nach wenigen Minuten wieder. Unglaublich - wir sind uns das nach wenigen Tagen in der Stille der Wüste schon fast nicht mehr gewohnt.

Den weiteren Abend verbringen wir wieder in aller Stille inmitten der Kugelfelsen im Skulpturenpark und machen noch viele stimmige Bilder in der blauen Stunde und kehren zufrieden zum Camp zurück.

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Die «Weisse Wüste» Tag 6

Im Westen der Weissen Wüste (7. Oktober 2010)

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Schnecke im Gegenlicht

Am frühen Morgen geht es nochmals hinaus in die weisse Wüstenlandschaft zum morgendlichen Fotoshooting. Die Schnecke im Sonnenaufgang hat es uns besonders angetan und ermöglicht uns eine Anzahl sehr stimmungsvoller Bilder. Auch hier gilt der Grundsatz: «Zur rechten Zeit am rechten Ort» - oder wie ein bekannter Fotograf einmal gesagt hat: «Dort sein und Blende 8».

Dann geht es aber zügig weiter mit unseren Fahrzeugen Richtung Westteil der Weissen Wüste. Unterwegs natürlich einige Foto-Stopps bei lohnenden Motiven. Bald ist es dann Mittag und unsere Beduinen errichten das Mittags-Camp. Wer glaubt, dass die Mittagspause bloss ein kurzer Halt mit einigen vertrockneten Sandwiches darstellt, täuscht sich gewaltig.

Mittagspause

Ahmed und seine Helfer finden immer einen Platz mit genügend Schatten hinter irgend einem Felsen. Dort wird die Küche eingerichtet, Teppiche ausgebreitet und der Esstisch (30 cm hoch) aufgestellt. Dann wird aufgetischt: Meist eine frisch (!) zubereitete Gemüsesuppe (gewürzt mit Zimt und Zitronensaft), verschiedene Salate mit Gurken, Tomaten, Auberginen, scharfen Zwiebeln, manchmal auch Thonsalat und natürlich Fladenbrot mit Fetakäse. Alles wird vorbildlich serviert wie im besten Hotel. Die hygienischen Verhältnisse sind einwandfrei, alles kann bedenkenlos genossen werden. Mineralwasser steht in beliebiger Menge zur Verfügung - manchmal auch (trinkwarme) Cola.

Dann werden die Matratzen abgeladen, die Schuhe ausgezogen und dann für eine oder auch zwei Stunden Siesta gehalten. Der Schlaf tut richtig gut, sind wir doch schon ca. acht Stunden auf den Beinen. Zum Fotografieren ist es zu heiss (ca. 40° C) und das Mittagslicht mit den kurzen Schatten bringt auch nicht viel.

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Im Westteil der Weissen Wüste

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Westteil der Weissen Wüste

Nach der Siesta verlassen wir das Zentrum der Weissen Wüste Richtung Westen. Dabei überqueren wir zum ersten Mal unserer Reise die asphaltierte Wüstenstrasse zwischen Bahariya und Farafra. Die Landschaft wechselt abrupt. Archaische Landschaften (sogar mit einigen Büschen und Palmen) eröffnen sich dem staunenden Reisenden. Im Hintergrund werden Inselberge als Vorläufer des Oasenabhangs zur Oase Farafra (ca. 20 km entfernt) sichtbar.

Tausende von Kugelbergen in allen Grössenstehen stehen wild verteilt herum. Wir wandern durch die imposante felsige Wüste und suchen unsere Motive - nicht leicht, bei dieser Vielfalt.

Wir klettern auf einen der hohen Zeugenberge (Bedeutung weiter unten) um das ganze Abendlicht-Spektakel zu geniessen und auf den Sensor zu brennen. Das flach einfallende Licht verleiht der ganzen Szenerie viel Struktur und Tiefe sowie sehr viel Wärme. Wir fotografieren bis zum letzten Licht mit Belichtungszeiten von mehreren Sekunden. Hier wird wieder einmal der Beweis erbracht, dass gute Landschafts-Fotografie ohne gutes Stativ unmöglich ist. Insbesondere die langen Brennweiten, welche zur Verdichtung der landschaftlichen Perspektive eingesetzt werden, erfordern eine stabile «Unterlage».

Den Weg zurück zum Lager finden wir nur noch mit aufgesetzter Stirnlampe. Auch das ist so ein Utensil, welches für die Fotografie am frühen Morgen und am späten Abend unerlässlich zu sein scheint.

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Zeugenberge

Ein Zeugenberg ist ein Einzelberg, der durch Erosionsvorgänge von den umliegenden, in der Regel geschichteten Gesteinen abgetrennt wird. Im tropischen Klima werden solche Geländeformen als Inselberg bezeichnet.
Ein Zeugenberg entsteht durch fortschreitende Erosion, bei der sich Flüsse und Bäche immer weiter in höher liegende Gesteinsschichten einschneiden. Wenn sich die Seitenarme dieser Wasserläufe weiter oben wieder vereinigen, beginnt die Isolierung des Berges. Auch flächenhafte Erosion (Denudation) durch auf den Boden aufschlagende Regentropfen oder durch auf der Oberfläche abfließendes Wasser oder Winderosion fördern diese Prozesse. Grundlage für diese Art der Erosion bildet oftmals eine tektonische Mulde und die aus ihr hervorgehende Reliefumkehr.
Handelt es sich bei den betroffenen Gesteinen um Sedimentschichten mit deutlich unterschiedlicher Erosionsbeständigkeit, dann bilden die härteren Schichten in der Regel steilere Hänge (Stufenbildner), die weicheren entsprechend flachere (Hangbildner). Bei Wechsellagerung von harten und weichen Gesteinen entstehen so die typischen Schichtstufen. Oftmals weisen Zeugenberge eine flache, aber steilwandige Kappe aus harten Gesteinen auf (Oberhang), die die unterlagernden Gesteine vor weitere Erosion schützt (Unterhang).
So lange der Oberhang noch mit der Hauptstufe verbunden ist, spricht man von einem Ausleger, einem Sporn, einem Vorsprung oder einer „Berghalbinsel“. Die umliegenden Täler werden als Stufenrandbuchten, Stufenrandtäler oder Stirnseitentäler bezeichnet. Erst nach einer deutlichen Trennung von der Hauptstufe redet man von einem Zeugenberg. Der Unterhang kann aber noch lange mit der zurückweichenden Hauptstufe verbunden bleiben.
Die isolierten Berge „bezeugen“ somit die frühere Ausdehnung bestimmter Schichten bis weit in das Vorland hinaus, daher der Name. Bei der Stufenrückverlegung bzw. Stufenzersetzung kann sich eine ganze Zeugenberg-Landschaft ausbilden.
Quelle: «Wikipedia-Zeugenberg»; License: CC BY-SA 3.0
 
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Eine beeindruckende Reportage, Hans Jörg, bei der ich jeden Beitrag sehr genieße.
 
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Vielen Dank für die zahlreichen Daumen. Der 7. Tag ist auch gleich soweit.

Hans Jörg
 
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Eine fantastische Reisereportage mit atemberaubenden Bildern, begleitet von vielen interessanten Informationen - ein klarer Fall für unsere Highlights :up:
 
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Die «Weisse Wüste» - Tag 7

Das grosse Wadi (8. Oktober 2010)

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Grosses Wadi

Im Morgengrauen steigen wir nochmals auf einen der Zeugenberge um den Beginn des neuen Tages zu erleben. Das Licht hat heute morgen eine ganz andere Farbe als am Abend zuvor, etwas kälter und härter in den Schatten. Das grosse Wadi liegt uns zu Füssen, übersät mit Kugel- und Zeugenbergen.

Kaum zu glauben, dass hier vor Jahrtausenden riesige Ströme durchgezogen sind und alles grün und fruchtbar war. Wir haben viele Nachweise gefunden, die das bestätigen. Muscheln, Haifischzähne aber auch versteinerte Holzstücke liegen hier in grosser Zahl herum. Spuren früherer menschlicher Besiedelung findet man ebenfalls (Faustkeile, Tonscherben usw.)

Auch einzelne Pflanzen in Form von dürren Büschen kommen hier vor. Geht man ganz nah hin erblickt man einzelne grüne Blättchen und zwischen den Büschen Spuren von kleinen Lebewesen (Skarabäen, Grillen, Echsen). Allerdings empfiehlt es sich, nicht einfach in die Büsche zu greifen, ab und zu liegt möglicherweise auch ein Sahara-Skorpion oder eine Hornviper auf der Lauer ... Spuren davon haben wir ebenfalls gesehen, aber (leider) keine Originale.

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Unsere guten Seelen beim Musizieren (freie Improvisation)

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Rechts im Bild Ahmed unser Koch (nie ohne seine Sonnenbrille)

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Zum letzten Camp

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Das letzte Camp

Und weiter geht die Reise in Richtung des letzten Camps, ohne allerdings noch mehrere Foto-Stopps einzuschalten um lohnenswerte Motive einzufangen. Dionys kennt jeden Stein, jeden Hügel und vor allem alle guten Motive in dieser Gegend, da wird überhaupt nichts dem Zufall überlassen. Auch die besten Tageszeiten für die Aufnahme eines bestimmten Motivs werden in die Planung einbezogen.

Die Lage des Camps ist die schönste der ganzen Reise. Mitten auf einer riesigen Sanddüne umgeben von zauberhaften Gebirgszügen, welche es natürlich im Abendlicht zu erkunden gilt.

Wie sieht eigentlich ein Camp aus? Die Wagen werden zu einer Wagenburg zusammengestellt und mit einem farbigen Paravan zum Schutz vor dem Wind ausgekleidet. Teppiche am Boden machen die gute Stube heimelig. Ein Tisch für die ganze Gruppe, etwa 30 cm hoch, auf der einen Seite, Platz für die Küche auf der anderen Seite. Für jeden steht ein Campingstuhl zur Verfügung, wer will kann natürlich nach Beduinenart auf dem Boden sitzen.

Ahmed und sein Küchengehilfe sitzen am Boden vor einem altertümlichen aber sehr leistungsfähigen zweiflammigen Gasrechaud. Alles wird vor Ort immer frisch zubereitet. Auf einem Holzbrett wird manchmal zu viert Gemüse geschnetzelt und in den Pfannen gekocht. Es gibt meistens eine feine Gemüsesuppe und dann Reis, Kartoffeln oder Teigwaren mit verschiedenen Gemüsen und Saucen und selbstverständlich immer gutes Vollkorn-Fladenbrot. Alles sehr schmackhaft, gesund und hygienisch einwandfrei zubereitet. Ich glaube, ich habe noch nie eine ganze Woche so gesund gelebt. Und vor allem habe ich gelernt, dass es eine ganze Woche auch ohne Kühlschrank geht ... wenn man kein Bier dabei hat.

Bald geht's jedoch in die Schlafsäcke um am Morgen nochmals früh aus den Federn zu steigen und den letzten Sonnenaufgang dieser traumhaften Reise zu geniessen.

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Die «Weisse Wüste» - Abschied

Der letzte Tag in der Wüste (9. Oktober 2010)

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Abschied von der Wüste

Wer nun glaubt, der letzte Tag in der Wüste werde ein bisschen lockerer angegangen, sieht sich frühmorgens eines besseren belehrt. Volles Programm: 04:30 Uhr «Guete Moorge ... Guete Mooorge» - raus aus dem Schlafsack - Frühstück, und schon kraxeln wir auf den gegenüberliegenden Berg, um zum letzten Mal den Sonnenaufgang einzufangen. Dieser präsentiert sich heute von seiner besten Seite. Das ganze Gebirge wird in ein warmes orangerotes Licht getaucht - genau die richtige melancholische Stimmung zum Abschied.

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Rückfahrt nach Kairo

Zurück bei unseren stets zuverlässigen Toyota Land Cruisers packen wir schnell alles zusammen. Unsere Beduinen haben in der Zwischenzeit das Camp abgebrochen und sind bereits reisefertig. Zuerst in rassiger Fahrt einige Kilometer durch die Wüste und dann etwa 80 km auf der asphaltierten Piste zurück in die Oase Bahariya auf die Farm unseres Chefbeduinen. Dort werden wir mit einem feinen Mittagessen zum letzten Mal so richtig verwöhnt. Der Abschied von den Beduinen fällt sehr herzlich und auch ein bisschen wehmütig aus, haben wir doch ihre bescheidene und ruhige Art in den letzten Tagen richtig schätzen gelernt.

Der Reisebus für die Rückfahrt nach Kairo ist in der Zwischenzeit auch angekommen. Also umladen und los geht's über die 400 langweiligsten Kilometer meines Lebens zurück in die sogenannte Zivilisation - aber im Hotel wartet ja eine (hoffentlich) warme Dusche. Ein letztes gemeinsames Nachtessen und ein paar der so lange vermissten Biere auf der Hotelterasse über dem nächtlichen, aber immer lauten und lebendigen Kairo. Morgen geht's nach Hause.

Abschied (10. Oktober 2010)

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Heimkehr

Eine unvergessliche Woche geht zu Ende. Früh Morgens baue ich zum letzten Mal mein Stativ auf und sammle im Morgenlicht einige Eindrücke von der Silhouette dieser einmaligen Stadt. Mein Kopf ist immer noch voll von all den Eindrücken der vergangenen Tage in der Wüste.

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Ich bedanke mich bei Dionys Moser für die Organisation der Reise und die fachkundige Führung, Ahmed und seinen drei Beduinen, welche uns ausserordentlich gut betreut und versorgt haben sowie meinen Mitreisenden für das stets kollegiale Verhalten auf der ganzen Reise in die Weisse Wüste. See you soon!

So, das war's. Ich hoffe, die Reise hat Euch Spass gemacht.

Liebe Grüsse, Hans Jörg
 
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Hans Jörg, vielen Dank für die schönen Bilder und vielen Informationen aus der weißen Wüste.
Das frühe Aufstehen hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Ich bin gerne virtuell mitgefahren.
:applause::applause::applause::applause::applause:
 
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Ja, das war wirklich eine wundervolle Reise auch für mich ... :)

Herzlichen Dank! :up::up::up:
 
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