"...ein gewisses Sehnen..."

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Eine kurze morgendliche Runde mit den Hunden machte ich trotzdem. Trotz Fieber. Es zieht mich hinaus, solange ich gehen kann. Halt ein gewisses Sehnen....

Ich habe mit Mozart vereinbart, dass wir zusammen noch bis Ende März weitermachen. Nicht wegen ihm. Wegen mir. Auch wenn der Frühling nun voll ausgebrochen ist, ist es Zeit, Anderem zu begegnen.


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Mit den letzten Bildern werde ich mich noch intensiv mit der Zauberflöte beschäftigen. Nicht heute.

Die Zauberflöte, ein Vermächtnis, dass so schnell ihm keiner nach macht. Eine pointierte Zusammenfassung von Mozarts Leben, eine intime, wenn auch verdeckte Offenlegung von Mozarts Geist, Seele und Herz ...


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...und was hat das alles mit Fotografie zu tun? Mozart und seine Musik lädt mich ein. Es ist, als ob eingeladen werden nur die Erdbeeren auf der Torte zu sehen, den Rest aber nicht.

Ein schönes Bild von Coquine. Kopf scharf, Hintergrund unscharf ...


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Das Buch habe ich fertiggelesen. Und ich konnte mir die Tränen ob Mozarts unehrenhaften irdischen Abgang nicht unterdrücken.

Weder von Kirche noch König noch sonstigem Adel geschätzt, erhielt er nicht einmal die letzten heiligen Sakramente. Nach Mozarts Tod ist nichts mehr auffindbar. Nichts ist mehr bezeugt, niemand an seiner Beerdigung, also ob er ein Niemand gewesen wäre ...

Mozart lebte wohl zwischen Wahrheit und Wirklichkeit. Und niemand konnte ihn fassen. Er sich selbst am wenigsten. Aber Mozart hat mich eingeladen mit diesem Zustand fotografisch zu arbeiten. Als ich mir die Passage von seinem Tod in den Sinn kam, sah ich das ....


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Aber starten wir mit der Zauberflöte. Mit jenem Werk, dass mich seit ich mich erinnern kann, begleitet.

Und da wäre wieder Coquine. Mozart lädt mich ein, fotografisch nicht mehr zu sehen, sondern wahrzunehmen. Er macht es vorsichtig und lässt mich schon in der Ouvertüre zur Zauberflöte zumindest scheinbar im Glauben wiegen, dass mir einfache und eingängige Opernkost serviert werden wird ....

Mozart, der Meister der Andeutung. Und ich mag das. Andeutungen, auch fotografisch ...


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Um keinen Preis der Welt würde ich dieses LP-Set hergeben. Die Zauberflöte. Vorwärts und rückwärts gehört, mit dirigiert und gesungen.

Mozart spielt in der Zauberflöte mit Himmel und Hölle, mit Liebe und Tod und Schmerz und Sehnsucht. Und dies alles auf der offensichtlichen Anspielung der Gesetzte und Gesinnung der Freimauererloge.

Das ist die eine Seite. Und all das ist aktenkundig. Mozart hat aber die Musik dazu geschrieben. Und da Mozart wenn überhaupt nur durch seine Musik zu verstehen ist, dann wären da noch einige andere Aspekte zu berücksichtigen.


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Er lässt jede Figur in der Zauberflöte sicher einmal harmonisch daherkommen. Und wenn man meint, dass dies jetzt nur der Gute ist, dann wird man mit genauem hinhören eines besseren belehrt. Jene musikalischen Anspielungen, wenn es das Libretto nicht zulässt, macht Mozart schon mit der Musik....

Ein Titel im Booklet der Zauberflöte: "Zauberspuk und philosophische Oper". Eine Frage oder ein Statement? Und wohl keines dieser Attribute wird diesem Werk gerecht.

Ich verstand nichts von all dem als Kind. Ich las es dann irgendwann, aber verstanden habe ich es nicht. Ich sang Papagenos Eingangslied mit "Ein Vogelfänger bin ich ja", fand das Tamino schon ein rechtes Weichei war, sich vor einer Schlange zu fürchten, lief er doch am Ende durch Feuer und Wasser...


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Mozarts Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung werden durch alle Hauptpersonen in diesem Werk widerspiegelt. Jede und jeder auf seine Art und Weise. Und jeder und jede gefangen in seiner und ihrer Rolle. So wie Mozart selbst. Wahrheit und Wirklichkeit ist nicht dasselbe. Das wusste Mozart.

In diesem paar Wochen, seit ich mich Mozart widme denke ich viel über Fotografie nach. Über meine Fotografie.

Sie ist nicht Wahrheit und nicht Wirklichkeit. Sie ist. Ein flüchtiges Festhalten eines Moments, dessen Ursprung einer Idee, einer Intension, einem Gefühl entspringt. Ein Rufen von Aussen, dass auf im Inneren etwas auslöst, oder umgekehrt....


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So brachte mich auch dieses Projekt mehr zu meinem "fotografischen Innern" als zu meinem "fotografischen Äussern". Vielleicht war es Zufall oder auch nicht, aber während des ganzen Projektes habe ich mich "fotografisch" nicht sehr weit bewegt.

Mozart hat die Zauberflöte in seinem letzten Lebensjahr komponiert. Nur wenige Wochen vor seinem Tode wurde sie uraufgeführt. Dass sie einer der meist aufgeführten Opern über all die Jahrhunderte werden würde, wusste Mozart nicht. Aber erhofft hat er sich einen solchen Erfolg schon immer ...


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Die Zauberflöte
Ich habe sie mit 12 Jahren (vor 45 Jahren) das erste Mal im Duisburger Theater gesehen. Das Ereignis bleibt eindrücklich. Das Kind, das in die Erwachsenenwelt eingeführt wurde, an einmaliger Musik teilhaben durfte.

Auch wenn ich es damals noch nicht ganz verstanden habe, aber die Musik blieb und wird immer bleiben.
 
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Auch wenn ich es damals noch nicht ganz verstanden habe, aber die Musik blieb und wird immer bleiben.

...Danke für den Beitrag, Christel. Mir erging es fast genau so. Nur dass ich erst mit über 20 Jahren erstmals die Zauberflöte live gesehen habe. Mittlerweile aber habe ich schon jeden Ton gekannt ...:)


Die Zauberflöte lässt mich immer und immer wieder stehen. Irgendwo. Ich fühle mich nicht abgeholt, sie verwirrt mich, sie kommt einfach daher und mischt auf. Nicht nur, dass ich mich heute Frage, wer wohl dieser Mensch hinter dieser Musik ist. Ich fühle mich reflektiert. Reflektiert. Dem Libretto folgend ist man geneigt, die Zauberflöte als schönes Märchen für Kinder und Erwachsene zu empfinden. Nicht so aber bei der Musik.

Ich empfinde dieses Bild nicht schön. Auch das Original heute Morgen nicht. Aber es stimmt, es widerspricht dem, was die Zauberflöte auslösen kann ...


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Aber es liegt an mir, wiederum Gegensteuer zu geben. Ich nehme mich den "Drei Knaben" an, welche die Reisenden und ihre Begleiter auf ihrem beschwerlichen Weg assistieren.
Gestandene Menschen ersaufen im Liebeselend und gehen Macht und Trug auf den Leim...Nur die Kinder behalten den Überblick. Tröstend und zärtlich und verständnisvoll. Und Mozart unterlegt dies mit solch schönen Tönen, dass sie göttlich wirken ....


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Und so entstanden dann auch die farbigen Aufnahmen von Rosen heute Morgen. Leicht pointiert mit einem Portraitfilter.
Die Kinder leiten die Erwachsenen. Ein schöner Gedanke. Vielleicht nutzte Mozart noch die Gunst der Stunde, um eines seiner Geheimnisse musikalisch umzusetzen. Vielleicht jene Fähigkeit, wahrzunehmen, was auch immer es ist. Aber vielleicht ist es ja auch Mozarts Sehnsucht geliebt zu werden. Einmal mehr. Und was liebt man mehr als seine Kinder...


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Farbigkeit. Ja, Farbigkeit. Ich sah, wie ich es schon erwähnt habe, meine erste Zauberflöte erst spät. Und so hatte ich das Cover der LP's, die Zeichnung, ein paar s/w Bilder. Mehr nicht.

Als Kind macht man sich ohnehin selbst Farben. Ich habe mir die Pamina wunderschön vorgestellt, das Aussehen von Papageno war mir ziemlich egal. Er hatte für mich so das "kumpelhafte", das genügte mir.

Und ja, ich habe mir das Ganze ganz farbig vorgestellt ...


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Papagena tat mir immer leid, weil sie sich so lange verstecken musste. Ich habe das nie ganz eingesehen, dass die Liebe so schwere und lange Wege gehen muss...

Aber bunt und fröhlich habe ich mir sie vorgestellt, ein "Lausemädchen"... :) Und ich habe mich dann irgendwann vermutlich einmal für sie entschieden. Pamina mag ja wohl ehrenhafter und charakterlich sattelfester sein, aber mit Papagena kann man Pferde stehlen ...


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Es ist dieser ganz grosse Gewinn dieser Mozartreise für mich. Ich meinte mich mit dem Aussen zu beschäftigen, mich einer Person, der Musik und dem Leben von Mozart zu widmen.
Das ist das Eine. Das andere ist die Auseinandersetzung mit mir selbst. Mit mir und meiner Fotografie. Warum berührt mich jenes, warum jenes nicht. Und die Auseinandersetzung mit der Zauberflöte hat doch eine Erkenntnis gebracht. Vielleicht nehme ich sie hier vorweg, aber sie brennt mir auf der Zunge.

Fotografie ist das sichtbare Resultat vom Dialog zweier Motive.

Und spielt die Musik noch mit, dann wäre es ein Dialog zwischen drei Motiven. Das eine Motiv bin ich, das andere jenes, das ich zu fotografieren beabsichtige. Das dritte wäre dann eben noch die Musik, die Töne.

Mit diesem Gedanken schliesse ich für heute. Der Schlusschor des 1. Aktes schliesst mit dem wunderbaren Chorsatz:

"Wenn Tugend und Gerechtigkeit
Den großen Pfad mit Ruhm bestreut:
Dann ist die Erd' ein Himmelreich,
Und Sterbliche den Göttern gleich."


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