Moin
long time no see. Da ich mich selbststaendig gemacht habe mit der Fotografiererei, bin ich meine eigene IT, Personalabteilung, Marketing, Verkauf und versuche nebenher auch noch zu fotografieren.
Fuer Foren ist da im Moment keine Zeit mehr. Da mich aber immer wieder mal emails erreichen mit 'lebst du noch', 'fotografierst du noch' und 'schreib doch mal wieder einen Bericht', dachte ich, ich schreib mal wieder einen.
Hier also ein Bericht, einmal von Januar bis Juli, mit alles!
Ich arbeite mittlerweile an einer Studie zum Verhalten von Woelfen mit, hoert sich toll an, ist aber ziemlicher nerdkram. Der ganze Januar wurde mit Wolf suchen und gucken und dokumentieren verbracht. Die Woelfe hab ich mittlerweile in allen Lebenslagen bereits fotografiert und hier gezeigt, daher keine Aufnahmen.
Vom 1.-16. Februar war ich wieder in Jasper auf Wolfsuche. Erstaunlicherweise ohne Rippenbruch oder sonstige unnuetze Besuche im Krankenhaus! Dafuer ging auch so die Post ab, drei Tage hintereinander unter -40C, ansonsten immer unter -30C . In der ersten Nacht ist gleich die Stromversorgung zusammengebrochen, der Profi reist jedoch mit billigem Reisewecker und ist trotzdem frueh draussen.
-40C muss man sich so vorstellen:
Da das Auto ja doch einiges wiegt, liegen die Reifen eben nicht rund auf dem Boden auf. Ueber Nacht gefriert das Gummi dann. Wenn man dann einsteigt, blinkt und piept erstmal alles was an Warnsignalen im Auto ist, wenn man die Karre anmacht. Nach zwei Tagen war dann klar, Auto erstmal ne Runde brummen lassen, wieder anmachen, 60% weniger Lampen an, kein Piepen, der Rest geht mit der Zeit aus. Die ersten Kilometer faehrt man dann rumpelnd wie mit einem Clownsauto im Zirkus auf halb eckigen sssssst-bopp-bopp-sssssst-bopp-bopp. Wenn man nicht aufpasst, friert man sofort an allem fest. Dose Cola trinken, zack, Zunge am Nippel fest, abreissen, aua. In Gedanken zu viel atmen, aus versehen an den Reisverschluss kommen, zack, fest, abreissen, aua.
Waehrend die Skifahrer alle im Ort blieben und rumgememmt haben, sind die tollkuehnen Maenner (mein Freund John hat wieder workshop gemacht, ich ihm zusaetzliche Tiere gefunden) mit ihren fotografierenden Kisten natuerlich trotzdem raus. Am ersten Tag hab ich vom Biologen erfahren, dass Dank des steigenden Verkehrs durch den Park 30% der Population plattgefahren wurde. War erstmal kein gutes Omen.
Trotzdem gab es an fast jedem Tag Woelfe zu sehen, insgesamt hab ich an 11 von 16 Tagen zwischen einem und sieben Tieren verschiedenster Familien gesehen.
Am Haeufigsten diesen schwarzen Rueden, dem kurz vor der Paarungszeit erst alle Welpen und dann die Partnerin totgefahren wurden. Daher ist er von Familie zu Familie gelaufen um entweder ein Weibchen wegzulocken oder Anschluss zu finden. Hat wohl nicht geklappt. Diese Aufnahme hab ich einen Tag nachdem er 70km zurueckgelegt hat gemacht, an dem Abend lief er direkt durch den Ort auf der Hauptstrasse, waehrend ich im Haus an eben dieser Strasse sass und gehofft hab, den schwarzen Wolf noch auf weissem Schnee zu bekommen. Nie aufgeben!
Jetzt wird es wild.
Neben diesem hab ich noch zwei weitere Familien wiedergefunden, von denen ich Aufnahmen im letzten Jahr gezeigt hab. Eine bestand zu dem Zeitpunkt aus vier Mitglieder, von denen ich drei jeden Tag gesehen hab. Ich hab jeden Tag mit dem Biologen gesprochen, der immer sagte, da muessen aber vier sein. Waren aber nur drei. Die Aufloesung kam dann drei Tage spaeter. Ein zweijaehriges Weibchen war fuer ein paar Tage alleine unterwegs.
An einem Morgen hab ich einen ziemlich angeschlagenen Weisswedelhirsch auf dem Eis gesehen, zwei Kojoten versuchten ihn immer runterzureissen, er war aber noch zu stark. Ich wollte natuerlich unbedingt den Moment erwischen, in dem einer der Kojoten final zuschlaegt und lag leicht festgefroren unter einer Fichte. Da wurden die Kojoten ziemlich nervoes und schauten auf die andere Flussseite, ich wusste aber noch nicht warum. Sicherheitshalber informierte ich den Biologen, denn es stellte sich blanke Panik bei den beiden ein, was nur eins heissen konnte.
Zwei Minuten spaeter kam eben dieses Weibchen nichtsahnend aufs Eis und wollte in suedlicher Richtung zur ihrer Familie zurueck.
Aus heiterem Himmel fingen dann die Kojoten an zu jaulen und zu bellen und lockten bzw. jagten den Wolf davon.
Hier ist sie 'auf der Flucht'.
Der Biologe war mittlerweile auch da und ganz aufgeregt, ich hatte den vermissten vierten Wolf der Familie gefunden. Da er einen Sender am Hals hat, konnte wir rausfinden, wo sie war und was sie gemacht hat. Das Piepen des Halsband kann man im Video hoeren, hab ich auch noch gemacht. Irgendwann hatte Madame Wolf naemlich die Schnauze voll vom Gekeife der kleineren Kojoten, blieb stehen und hat ihnen die Meinung gegeigt.
Das schrille Geklaeffe sind die Kojoten, das Heulen vom Wolf ziemlich offensichtlich, denke ich.
Die Kojoten haben dann den Hirsch platt gemacht und die Woelfin ist mit ihrer Familie vereint weitergezogen. Happy End fuer alle ausser eben dem Hirsch.
Jasper hat aber nicht nur Woelfe zu bieten, sondern auch im Winter jede Menge anderer toller sachen. Eine davon hab ich an einem freien Tag gefunden, eine Sperbereule. Absolute faszinierende Tiere. Nach einer Stunde beobachten war dann ein Verhaltensmuster klar. Das Tier flog immer zwischen fuenf Baeumen hin und her, schwebte dann im Flug und stuerzte sich herab. Wenn es erfolgreich war, flog es eine Strecke in die Baeume zum fressen und kam dann wieder auf dieser Strecke raus.
Fuer mein Wunschbild musste ich also nichts weiter machen, als bei -30C anderthalb Stunde in der Kaelte stehen, Kopf am Sucher und hoffen, dass es klappt. Es klappte, war da einer gluecklich
Und wenn man dann denkt, es geht nichts mehr, dann kommen da auch noch drei Fischotter um die Ecke. Dreieinhalb Stunden heller Wahnsinn. Die Tiere habe die ganze Zeit gefischt, gefressen, im Schnee getobt und sind dabei unheimlich viel am fiepen, schnaufen und sonstige Geraeusche am machen. Absolut effiziente Jaeger, aber zwischendurch immer wieder Zeit zum spielen und schmusen mit den anderen Familienmitgliedern.
long time no see. Da ich mich selbststaendig gemacht habe mit der Fotografiererei, bin ich meine eigene IT, Personalabteilung, Marketing, Verkauf und versuche nebenher auch noch zu fotografieren.
Fuer Foren ist da im Moment keine Zeit mehr. Da mich aber immer wieder mal emails erreichen mit 'lebst du noch', 'fotografierst du noch' und 'schreib doch mal wieder einen Bericht', dachte ich, ich schreib mal wieder einen.
Hier also ein Bericht, einmal von Januar bis Juli, mit alles!
Ich arbeite mittlerweile an einer Studie zum Verhalten von Woelfen mit, hoert sich toll an, ist aber ziemlicher nerdkram. Der ganze Januar wurde mit Wolf suchen und gucken und dokumentieren verbracht. Die Woelfe hab ich mittlerweile in allen Lebenslagen bereits fotografiert und hier gezeigt, daher keine Aufnahmen.
Vom 1.-16. Februar war ich wieder in Jasper auf Wolfsuche. Erstaunlicherweise ohne Rippenbruch oder sonstige unnuetze Besuche im Krankenhaus! Dafuer ging auch so die Post ab, drei Tage hintereinander unter -40C, ansonsten immer unter -30C . In der ersten Nacht ist gleich die Stromversorgung zusammengebrochen, der Profi reist jedoch mit billigem Reisewecker und ist trotzdem frueh draussen.

-40C muss man sich so vorstellen:
Da das Auto ja doch einiges wiegt, liegen die Reifen eben nicht rund auf dem Boden auf. Ueber Nacht gefriert das Gummi dann. Wenn man dann einsteigt, blinkt und piept erstmal alles was an Warnsignalen im Auto ist, wenn man die Karre anmacht. Nach zwei Tagen war dann klar, Auto erstmal ne Runde brummen lassen, wieder anmachen, 60% weniger Lampen an, kein Piepen, der Rest geht mit der Zeit aus. Die ersten Kilometer faehrt man dann rumpelnd wie mit einem Clownsauto im Zirkus auf halb eckigen sssssst-bopp-bopp-sssssst-bopp-bopp. Wenn man nicht aufpasst, friert man sofort an allem fest. Dose Cola trinken, zack, Zunge am Nippel fest, abreissen, aua. In Gedanken zu viel atmen, aus versehen an den Reisverschluss kommen, zack, fest, abreissen, aua.
Waehrend die Skifahrer alle im Ort blieben und rumgememmt haben, sind die tollkuehnen Maenner (mein Freund John hat wieder workshop gemacht, ich ihm zusaetzliche Tiere gefunden) mit ihren fotografierenden Kisten natuerlich trotzdem raus. Am ersten Tag hab ich vom Biologen erfahren, dass Dank des steigenden Verkehrs durch den Park 30% der Population plattgefahren wurde. War erstmal kein gutes Omen.
Trotzdem gab es an fast jedem Tag Woelfe zu sehen, insgesamt hab ich an 11 von 16 Tagen zwischen einem und sieben Tieren verschiedenster Familien gesehen.
Am Haeufigsten diesen schwarzen Rueden, dem kurz vor der Paarungszeit erst alle Welpen und dann die Partnerin totgefahren wurden. Daher ist er von Familie zu Familie gelaufen um entweder ein Weibchen wegzulocken oder Anschluss zu finden. Hat wohl nicht geklappt. Diese Aufnahme hab ich einen Tag nachdem er 70km zurueckgelegt hat gemacht, an dem Abend lief er direkt durch den Ort auf der Hauptstrasse, waehrend ich im Haus an eben dieser Strasse sass und gehofft hab, den schwarzen Wolf noch auf weissem Schnee zu bekommen. Nie aufgeben!
Jetzt wird es wild.
Neben diesem hab ich noch zwei weitere Familien wiedergefunden, von denen ich Aufnahmen im letzten Jahr gezeigt hab. Eine bestand zu dem Zeitpunkt aus vier Mitglieder, von denen ich drei jeden Tag gesehen hab. Ich hab jeden Tag mit dem Biologen gesprochen, der immer sagte, da muessen aber vier sein. Waren aber nur drei. Die Aufloesung kam dann drei Tage spaeter. Ein zweijaehriges Weibchen war fuer ein paar Tage alleine unterwegs.
An einem Morgen hab ich einen ziemlich angeschlagenen Weisswedelhirsch auf dem Eis gesehen, zwei Kojoten versuchten ihn immer runterzureissen, er war aber noch zu stark. Ich wollte natuerlich unbedingt den Moment erwischen, in dem einer der Kojoten final zuschlaegt und lag leicht festgefroren unter einer Fichte. Da wurden die Kojoten ziemlich nervoes und schauten auf die andere Flussseite, ich wusste aber noch nicht warum. Sicherheitshalber informierte ich den Biologen, denn es stellte sich blanke Panik bei den beiden ein, was nur eins heissen konnte.
Zwei Minuten spaeter kam eben dieses Weibchen nichtsahnend aufs Eis und wollte in suedlicher Richtung zur ihrer Familie zurueck.
Aus heiterem Himmel fingen dann die Kojoten an zu jaulen und zu bellen und lockten bzw. jagten den Wolf davon.
Hier ist sie 'auf der Flucht'.
Der Biologe war mittlerweile auch da und ganz aufgeregt, ich hatte den vermissten vierten Wolf der Familie gefunden. Da er einen Sender am Hals hat, konnte wir rausfinden, wo sie war und was sie gemacht hat. Das Piepen des Halsband kann man im Video hoeren, hab ich auch noch gemacht. Irgendwann hatte Madame Wolf naemlich die Schnauze voll vom Gekeife der kleineren Kojoten, blieb stehen und hat ihnen die Meinung gegeigt.
Das schrille Geklaeffe sind die Kojoten, das Heulen vom Wolf ziemlich offensichtlich, denke ich.
Die Kojoten haben dann den Hirsch platt gemacht und die Woelfin ist mit ihrer Familie vereint weitergezogen. Happy End fuer alle ausser eben dem Hirsch.
Jasper hat aber nicht nur Woelfe zu bieten, sondern auch im Winter jede Menge anderer toller sachen. Eine davon hab ich an einem freien Tag gefunden, eine Sperbereule. Absolute faszinierende Tiere. Nach einer Stunde beobachten war dann ein Verhaltensmuster klar. Das Tier flog immer zwischen fuenf Baeumen hin und her, schwebte dann im Flug und stuerzte sich herab. Wenn es erfolgreich war, flog es eine Strecke in die Baeume zum fressen und kam dann wieder auf dieser Strecke raus.
Fuer mein Wunschbild musste ich also nichts weiter machen, als bei -30C anderthalb Stunde in der Kaelte stehen, Kopf am Sucher und hoffen, dass es klappt. Es klappte, war da einer gluecklich
Und wenn man dann denkt, es geht nichts mehr, dann kommen da auch noch drei Fischotter um die Ecke. Dreieinhalb Stunden heller Wahnsinn. Die Tiere habe die ganze Zeit gefischt, gefressen, im Schnee getobt und sind dabei unheimlich viel am fiepen, schnaufen und sonstige Geraeusche am machen. Absolut effiziente Jaeger, aber zwischendurch immer wieder Zeit zum spielen und schmusen mit den anderen Familienmitgliedern.