EBV kontra Augenmaß

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Ramoth

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Ich bin gestern im Gespräch mit einigen Bekannten auf eine imho interessante Meinungsverschiedenheit gestoßen :)
Als ich mir meine D40 zugekegt habe, war meine erste Intention (der ich dann auch nachgegangen bin) mich intensiv mit Themen wie Bildgestaltung, Bildausschnitt, Bildwirkung, kreativer Fotografie, Perspektive usw. usf auseinandergesetzt.
Ziel der ganzen Sache war es für mich, möglichst Out of Cam Bilder zu bekommen, die wenn überhaupt dann nur noch kleinerer Optimierung bedürfen, um ansehbar zu sein.
Also gehe ich nun folgendermassen an Bilder, insebsondere bei Shootings, heran:

1. Location und Model anschauen und Bildidee finden
2. Bildidee umsetzen/Model und Location arrangieren
3. Perspektive suchen
4. Durch den Sucher den Bildausschnitt finden
5. Eine handvoll ähnlicher Bilder machen um dann eine Auslese treffen zu können.

Im Rechner schaue ich dann nur noch nach, ob evt. der Weißabgleich angepasst werden muss oder sonstwie optimiert werden kann, wandele die meisten Bilder in s/w um (liegt mir einfach mehr) und versehe die, die ich herumzeigen möchte mit einem Rahmen und neuerdings einem Copyrighthinweis. In absoluten Sonderfällen, wenn mir ein Bildausschnitt besonders gefällt, stelle ich diesen auch mal frei, aber das ist die Ausnahme.

Gestern nun prallte ich mit dieser Einstellung auf einen Bekannten, der nah dran war, mich auszulachen wegen meinem "analogen Gehabe"... in Digi-Zeiten sei das nicht nötig hiess es, er würde einfach draufhalten, bei einem Shooting 800 Bilder in 2 Stunden machen und da wären so oder so ein paar gute dabei... dafür muss er zwar mehrere Tage am Rechner sitzen um zu selektieren und nachzubearbeiten, aber das nimmt er so in Kauf...

Ganz ehrlich, ich kann das so nicht nachvollziehen, klar kann man am Rechner noch einiges an kreativer Arbeit leisten, aber das Bild ensteht doch immer noch on Location mit Auge und Kamera, oder??

Wie haltet Ihr das so?
 
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Hallo,

Ich bin gestern im Gespräch mit einigen Bekannten auf eine imho interessante Meinungsverschiedenheit gestoßen :)
Als ich mir meine D40 zugekegt habe, war meine erste Intention (der ich dann auch nachgegangen bin) mich intensiv mit Themen wie Bildgestaltung, Bildausschnitt, Bildwirkung, kreativer Fotografie, Perspektive usw. usf auseinandergesetzt.
Ziel der ganzen Sache war es für mich, möglichst Out of Cam Bilder zu bekommen, die wenn überhaupt dann nur noch kleinerer Optimierung bedürfen, um ansehbar zu sein.
Also gehe ich nun folgendermassen an Bilder, insebsondere bei Shootings, heran:

1. Location und Model anschauen und Bildidee finden
2. Bildidee umsetzen/Model und Location arrangieren
3. Perspektive suchen
4. Durch den Sucher den Bildausschnitt finden
5. Eine handvoll ähnlicher Bilder machen um dann eine Auslese treffen zu können.

Im Rechner schaue ich dann nur noch nach, ob evt. der Weißabgleich angepasst werden muss oder sonstwie optimiert werden kann, wandele die meisten Bilder in s/w um (liegt mir einfach mehr) und versehe die, die ich herumzeigen möchte mit einem Rahmen und neuerdings einem Copyrighthinweis. In absoluten Sonderfällen, wenn mir ein Bildausschnitt besonders gefällt, stelle ich diesen auch mal frei, aber das ist die Ausnahme.

Gestern nun prallte ich mit dieser Einstellung auf einen Bekannten, der nah dran war, mich auszulachen wegen meinem "analogen Gehabe"... in Digi-Zeiten sei das nicht nötig hiess es, er würde einfach draufhalten, bei einem Shooting 800 Bilder in 2 Stunden machen und da wären so oder so ein paar gute dabei... dafür muss er zwar mehrere Tage am Rechner sitzen um zu selektieren und nachzubearbeiten, aber das nimmt er so in Kauf...

Ganz ehrlich, ich kann das so nicht nachvollziehen, klar kann man am Rechner noch einiges an kreativer Arbeit leisten, aber das Bild ensteht doch immer noch on Location mit Auge und Kamera, oder??

Wie haltet Ihr das so?

von wem sind die Bilder denn die besseren?

Wenn Du mit Deinen Ergebnissen zufrieden bist bzw. Du zwar Verbesserungspotential siehst, dieses aber nicht in Deinem Workflow begründet ist, dann ist es doch OK, oder?

Ich denke mr, daß Du bei 10 Fotografen 10 Antworten bekommen wirst. Du wirst nicht umhin können, Deinen eigenen Weg zu finden.

Ein "besser ist dies oder jenes" gibt es nicht (und wenn, dann nur in Bezug auf etwas, aber auch dabei gibt es fast immer mehr als ein Weg).

Für mich ganz persönlich ist erst das bewußte Gestalten eines Fotos fotografieren. Dazu zählt dann allerdings auch die zum Teil stundenlange Arbeit am PC - das Gestalten hört heute für mich nämlich nicht mit der Aufnahme auf. Erst durch Ausnutzen aller Möglichkeiten komme ich zum für mich bestmöglichen Ziel. Das fängt schon damit an, daß ich nicht für "out of the box" die Kamera konfiguriere, sondern für "beste Vorbereitung auf den anschließenden RAW/EBV" Prozess. Oder mit anderen Worten: meine Bilder "out of the cam" sehen sch* aus - erst die Weiterverarbeitung macht daraus ein (hoffentlich) ansehnliches Bild.

vg, stefan
 
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Versteh mich nicht falsch, ich fotografiere auch grundsätzlich Raw und "entwickle" die Bilder erst im Rechner, das nimmt natürlich Zeit in Anspruch.

Ich denke aber, Bildaufbau, Blickwinkel usw, imho das, was ein Bild aus künstlerischer Sicht ausmacht, lassen sich im Rechner nicht mehr erheblich ändern (beim Bildausschnitt sind die Möglichkeiten natürlich noch da, aber spätestens bei der Perspektive hörts dann doch auf)...

Ob Bilder besser oder schlechter sind liegt immer im Auge des Betrachters... von daher lässt sich darüber nicht wirklich streiten... mir gehts in diesem Thread mehr darum, welche Idee man vom digitalen Fotografieren hat... gestaltet man das Bild mit Auge und Sucher, gibt dem Bild schon mit der Kamera eine "Seele" oder reduziert man die Kamera auf ein technisches Hilfsmittel, das nur Rohmaterial liefert?!?
 
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...aber das Bild ensteht doch immer noch on Location mit Auge und Kamera, oder??

Definitiv! Ich hab noch nie davon gehört, dass irgendjemand es geschafft hätte, nachträglich am Computer zu kompensieren, was er vorher nicht hinbekommen hat - Perspektive, Blickwinkel, Lichteinfall, Modellposen etc.

Gute Photos kann man hinterher meistens sogar noch per EBV verbessern. Schlechte Bilder kann man nur in die Tonne treten. Aber diese Masse-statt-Klasse-Knipser, gab es auch schon zu analogen Zeiten. Wenn man nicht weiss, was man will und wie man es bekommt, hält man halt drauf wie blöde. :hehe:
 
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Ich denke aber, Bildaufbau, Blickwinkel usw, imho das, was ein Bild aus künstlerischer Sicht ausmacht, lassen sich im Rechner nicht mehr erheblich ändern (beim Bildausschnitt sind die Möglichkeiten natürlich noch da, aber spätestens bei der Perspektive hörts dann doch auf)...

Wenn dein Bekannter etwas anderes behauptet hat als das, dürfte er damit der einzige bleiben. Die Möglichkeiten von EBV beschränken sich darauf, vorhandene Bildinformationen zu bearbeiten. Solche nachträglich ins Bild einzufügen, ist meist nicht möglich oder aber Bedarf einem sehr großen Aufwand. Darüber braucht man nicht diskutieren. Da, wo nichts ist, kann auch nichts werden.

Ansonsten sehe ich das genauso wie epikur.
 
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Ich halte die Vorgehensweise Deines Bekannten für völligen Blödsinn. Es ist die reine Knipserei und hat mit Fotografieren nichts zu tun. Ich bin ebenfalls EBV-Allergiker und bin über jedes Bild froh, das ich nicht bearbeiten muss. Da ich ausschließlich in RAW forografiere, habe ich für die wesentlichen Bearbeitungsschritte ein paar Stapelverarbeitungsjobs eingerichtet, sodass sich der Aufwand in Grenzen hält.

Gruß - und weiterhin einen guten Blick
Horst
 
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NAja, als EBV-Allergiker würde ich mich nicht bezeichnen, es muss halt im Verhältnis zueinander stehen, ich betrachte die EBV quasi als Pendant zum Labor für Analogfotografie...
 
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Gestern nun prallte ich mit dieser Einstellung auf einen Bekannten, der nah dran war, mich auszulachen wegen meinem "analogen Gehabe"... in Digi-Zeiten sei das nicht nötig hiess es, er würde einfach draufhalten, bei einem Shooting 800 Bilder in 2 Stunden machen

Du beschreibst hier sehr schön den Unterschied zwischen Fotografieren und Digiknipsen. Leider ist die Unterscheidung zwischen beiden Arten der Belichtung des Sensors nicht von einem gewissen Kamera-Modell abhängig, sondern von diversen Fotografie-Plugins und natürlich von Brain v1.0 :fahne:.

Der Rest wurde bereits von den vorherigen Schreibern beantwortet und trifft auch meine Meinung. Mache einfach so weiter wie bisher, lasse Dich in keinster Weise in Deiner Art des Fotografieren ablenken und wenn Dich Dein Bekannter nochmals anspricht, dann frage ihn einfach:

Digiknipst Du noch oder fotografierst Du schon? :scherz:
 
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bin ja ganz froh, daß sich da alle mehr oder minder einig sind und ich nicht völlig auf dem Holzweg bin...
 
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Hallo,

in der Regel hört das bei den meisten irgentwann von alleine auf, den mehrere hundert Bilder nach guten zu durchforsten frustriert auch den härtesten Knipser irgentwann.
Wenn er dann von 800 Bildern nur 10 wirklich gute hat muss er noch glücklich sein. Meistens hören die Leute irgentwann auf so viel zu knipsen und knipsen dann weniger oder fangen an zu Fotografieren.

Warte mal ab was er in einem Jahr so macht.

Gruss

Patrick
 
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Wie haltet Ihr das so?

Ich halte es so wie Du. Erst schauen und denken.

Ich bin mit Film groß geworden, bekam zur Kommunion eine Knipse geschenkt und "durfte" danach alle meine Filme selbst vom Taschengeld bezahlen. Auf die Tour lernt man schnell, wie man mit wenig Materialeinsatz möglichst weit kommt.
Obwohl es einem die Digitaltechnik ja leicht macht, mit Photonen verschwenderisch umzugehen, ist mir doch meine Lebenszeit zu kostbar, um sie mit der Sichtung von 99% suboptimalen Knipsbildern zu verbringen.

Beste Grüße,
Thomas
 
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... ich betrachte die EBV quasi als Pendant zum Labor für Analogfotografie...
Ich glaube, genau da liegt der Unterschied zur Analog-Fotografie. Im Prinzip hat Ramoth völlig recht, aber er schreibt ja selbst:
Im Rechner schaue ich dann nur noch nach, ob evt. der Weißabgleich angepasst werden muss oder sonstwie optimiert werden kann, wandele die meisten Bilder in s/w um (liegt mir einfach mehr) und versehe die, die ich herumzeigen möchte mit einem Rahmen und neuerdings einem Copyrighthinweis. In absoluten Sonderfällen, wenn mir ein Bildausschnitt besonders gefällt, stelle ich diesen auch mal frei, aber das ist die Ausnahme.
Während man in der Analog-Fotografie einfach seinen Film im Labor abgibt und etwas später fertig abholt, muss man heute bei der Digital-Fotografie die "Labor-" Arbeit selbst machen, und wenn es nur etwas Weißabgleich hier, etwas Belichtungskorrektur dort, und schließlich noch ein wenig freistellen ist (OK, das Freistellen macht man am analogen Bild mit der Schere selbst). Aber jedenfalls die RAW-Konvertierung muss man selbst machen, und die Bearbeitung im Stapel oder gar die bloße Übernahme der Voreinstellungen z.B. von Lightroom bringt nicht immer zufriedenstellende Ergebnisse. Das ändert natürlich nichts daran, dass das wichtigste ein gutes Bild schon bei der Aufnahme ist. Aber in vielen Fällen reicht das eben nicht aus.
Liebe Grüße,
n
 
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Hallo,

Auf die Tour lernt man schnell, wie man mit wenig Materialeinsatz möglichst weit kommt.

wobei man den heute möglichen Lerneffekt durch Ausprobieren nicht außer acht lassen sollte: ich mache heute schon etliche Aufnahmen mehr als früher - aber auch diese sind eben nicht wahllos, sondern Ergebnis eines bewußten Denkprozesses (z.B.: vielleicht ist der Schärfeverlauf, bei kleiner Schärfetiefe, mit Blende 2.8 vielleicht noch besser als mit 1.8).

Ich denke mir, man ist immer besser dran, wenn man seine Arbeitsweise den jeweiligen Bedingungen anpaßt und nicht dogmatisch an einmal erlerntem per se festhält. In diesem Sinne verstehe da so manche "Flügelkämpfe" hier im Forum nicht so ganz...

vg, stefan
 
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Und warum soll ich meine Kamera wie eine Uzzi verwenden, in der Hoffnung, dass sie was trifft.
So lerne ich doch nichts.
Fotografieren ist doch ein Ablauf von mehreren Prozessen, die individuell sind.
Das richtige Motiv, die Einstellungen, das Licht, bis hin zur EBV.
Das macht doch viel mehr Spaß.
Ist ja nichts gegen 2-3 Bildern mit verschiedenen Einstellungen zu sagen.
Aber bei deinem Bekannten hört sich das für mich eher nach einem Schießstand an.
Vielleicht hat er ja auch das falsche Hobby, oder die falsche "Waffe".
 
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Hallo Ramoth! :)
Ich teile Deine Vorgehensweise weitestgehend,-
um so weniger kann ich mir vorstellen,von was,zum Geier,man 800 Fotos machen könnte oder sollte,-
es sei denn,von 800 Personen Portraits!:confused:
Wenn ich 12 Stunden durch eine fremde Stadt laufe,komme ich auf ca 60 Fotos,davon sind ca 40 für mich annehmbar,der Rest Versuche.
Mit freundlichen Grüßen,-kumgang! :)
 
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Talent haben wir ja fast alle hier nicht wirklich, aber manchen fehlt wohl nicht nur das Auge, sondern auch das grundlegende Interesse, was zu lernen und an sich zu arbeiten und sich ständig zu verbessern. Da bleibt dann eben nur das Prinzip Zufall: draufhalten, und hoffen, dass schon irgendwas dabei sein wird.

Maik
 
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Und warum soll ich meine Kamera wie eine Uzzi verwenden, in der Hoffnung, dass sie was trifft.

Weil das die 'Photographen' im Fernsehen auch so machen. Sobald eine (D)SLR im Bild ist wird als nächstes der Sound einer F3 mit MD-4 eingespielt und mindestens 10 Sekunden Dauerfeuer gegeben. Film reicht zwar nur für 6 Sekunden, aber egal. Und wenn man das im Fernsehen sieht, dann kann es doch nicht verkehrt sein, oder? :fahne:

Gruß
Dirk
 
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Genauso, wie den Handarbeiter das gelungene Werk mit Stolz und Zufriedenheit erfüllt, wird auch das optimale, in der Kamera und aufgrund eigenen Könnens hergestellte Foto den Fotografierenden zufrieden machen.
Ein solches Ergebnis vermittelt das Gefühl, einen WERT zu besitzen.
Analog vermutlich noch mehr als digital, da als unveränderbare Grundlage mit dem Negativ oder Dia ein sinnlich erfahrbares, "anfassbares" Medium vorliegt.
Es wird sicher auch Leute geben, die diese Befriedigung aus dem versierten Umgang mit der EBV beziehen, aber die würde ich eher als "Komputerexperten" denn als "Fotografen" sehen.
 
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