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Nach den bunten Fotos vom Herbst folgt nun wieder eine entfärbte Sequenz, aufgenommen nach Weihnachten.
Offenbar hat RWE den noch verbliebenen Bewohnern zuliebe auf Weihnachten Rücksicht genommen. Mir sind weder Container- noch Baggeransammlungen im Ort aufgefallen und keine nur teilweise abgerissenen Häuser. Die säuberlich nach Material getrennten Abrisshaufen von ehemaligen Gebäuden waren entfernt, auch die Kellergrube des Krankenhauses war endlich ordentlich eingeebnet und auf den für den öffentlichen Verkehr noch befahrbaren Hauptstraßen lagen keine Schlammklumpen.
Ein Rundgang über legale Wege durch den Ort ist inzwischen schwierig. Viele Straßen sind durch Zäune verbarrikadiert, so dass man selbst als Fußgänger nicht mehr durch kommt. Von solchen Sandbarrieren habe ich mich allerdings nicht abhalten lassen.
Diese Straße war mal beidseitig bebaut, aber ich kann mich nicht mehr erinnern, welche Häuser dort gestanden haben. Wenn immer mehr Straßenzüge komplett verschwinden, fällt die Orientierung schwer. Für die Doku über Keyenberg werde ich wesentlich systematischer vorgehen müssen.
Typisch für Immerath waren Fußwege von Straße zu Straße zwischen Gärten hindurch. Auch diese Pfade sind (mehr oder weniger) versperrt oder eine Absperrung ist überflüssig geworden. Die Vegetation nutzt Chancen, die sich ihr bieten, schnell.
Die mobile Haltestelle gegenüber der Friedhofsmauer wirkt ziemlich einsam und verloren. Aber so kann der Busfahrer wenigstens schon von weitem erkennen, ob dort jemand zusteigen möchte.
Wieder habe ich Lars Zimmer angetroffen, der sich vor seinem Haus zu schaffen machte. Und wieder habe ich es bei einem „Hallo“ belassen und mich nicht getraut, ihm Fragen zu stellen.
Immerath hat eine Umsiedelungsquote von ca. 55 % erreicht, d. h. in Immerath-Neu wohnen ca. 55 % der Bewohner von Immerath-Alt. Viele haben also die Gelegenheit genutzt, z. B. vom ländlichen zum städtischen Wohnen zu wechseln, näher an die Arbeitsstelle oder in die Nähe ihrer Kinder zu ziehen oder sich von unbeliebten Nachbarn zu trennen.
Auch an den Resten vom wenige Kilometer entfernten Borschemich bin ich noch vorbeigefahren. Es sah aus, als stünden die Braunkohlebagger schon in der ehemaligen Dorffläche.
Hinter den Baggern wird fleißig am Neuaufbau der A44 zwischen Jackerath und Holz gearbeitet. Die muss fertig sein, bevor das Teilstück der A61 zwischen Jackerath und Wanlo abgerissen werden kann, das jetzt noch schützend vor Immerath liegt. Bevor die alte A44 seinerzeit dem Tagebau aus dem Weg geräumt werden musste, wurde das o. g. spitzwinklig verlaufende Teilstück der A61 noch auf sechs Spuren ausgebaut, um den vorübergehenden Ausfall der A44 kompensieren zu können - alles zu finanziellen Lasten der RWE.
Trotz alledem … den Blick ins „Loch“ finde ich immer wieder faszinierend.
Gruß,
Angelika