Das gerettete Viertel: Sjøgata, Mosjøen

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schauinsland

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Sjøgata (Seestraße)

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Die meisten Nordlandfahrer, die auf der Europastraße E6 Richtung Polarkreis fahren, lassen die kleine norwegische Stadt Mosjøen, an der Mündung des Vefsna-Flusses in den Vefsn-Fjord gut 70 km Luftlinie südlich des Polarkreises gelegen, buchstäblich links liegen. Doch lohnt der Abstecher durchaus für den Reisenden, dem Norwegen mehr bedeutet als großartige Landschaften. Zumal es keines wirklichen Umweges bedarf, denn Mosjøen liegt direkt neben der E6.

Der interessierte Reisende wird überaus freundlich empfangen. Die Dame an der Rezeption gab uns bereitwillig Auskunft über den Ort und seine Geschichte, händigte uns ein deutschsprachiges Infoblatt aus, empfahl verschiedene Restaurants mit Hinweis auf ihre preislichen und kulinarischen Ausrichtungen und sogar einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz im Ort für die Nacht auf einem Schotterparkplatz, der in keinem Reiseführer und keiner App erwähnt ist.


Sjøgata, Fjordseite

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Aber wieso "gerettetes Viertel"? Dazu mehr im nächsten Beitrag.​
 
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Heute ist die Sjøgata ein lebendes Viertel, aber sicher nur ein kleines Abbild seiner großen Zeit.


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Im Jahr 1866 brach nämlich, so sagt es die Beschreibung, in Mosjøen
"die pure Goldgräberstimmung aus. Zu diesem Zeitpunkt wurde ein großes Sägewerk ('Engelsbruktet') errichtet, und damit wurde Mosjøen zum Treffpunkt für englische Holzbaronem Waldarbeiter aus Odalen, sämische Flößer, schwedische Bergbauern, die Tauschhandel betrieben, und Schneider mit Impulsen aus London und Paris. Inzwischen sind die englischen Holzbarone veschwunden, doch mit ihren Bootsanlegern, Lagerhäusern, Bootshäusern, Geschäftshäusern und Privathäusern - und den Wirtschaftsgebäuden, Schuppen und Anbauten, die sich an diese Häuser 'anklammern' - bildet die Sjøgata heute einen lebendigen und malerischen Teil des Mosjøer Stadtzentrums."


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Dies war allerdings lange bedroht. Nach dem 2. Weltkrieg war die Sjøgata verfallen.
Ob dies allein auf das "Verschwinden" der Holzbarone, das Herausfallen der baulichen Standards aus der Zeit oder auch auf die deutsche Besatzung - Mosjoen war ein wichtiger deutsche Marine- und Truppenstützpunkt - zurückzuführen ist, wird nicht berichtet.

Das endgültige Aus der Sjøgata - ihr vollständiger Abriss - drohte im Jahr 1970. Das mag mit dem neuen wirtschaftlichen Aufschwung zu tun haben, der nicht an dem Holzhandel - wie diesem hier - hing,


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sondern an der Ansiedlung der Aluminiumhütte im Jahre 1958, die heute zum Alcoa-Konzern und zu den großen europäischen Aluminiumhütten gehört.


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Die Stadt brauchte Neubauflächen für Gewerbe und Wohnen und große Parkplätze im Stadtzentrum Der im Jahr 1970 von der Gemeinde Vefsn aufgelegte Bebauungsplan sah deshalb den vollständigen Abriss der Sjøgata vor.


Am Marktplatz

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Dagegen richtete sich Bürgerprotest, und das Europäische Denkmalschutzjahr 1975 brachte mit nationaler und internationaler Aufmerksamkeit die endgültige Wende und die nötigen finanziellen Mittel zur Rettung der Seestraße.


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Ich lade euch ein, meinem Spaziergang zu folgen.


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Wer bis zum Ende folgt, wird mit einem Schmakerl aus der Technikgeschichte belohnt werden.
:)


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Das recht flache, kiesige Fjordufer lässt erahnen, weshalb der Standort den gestiegenen Anforderungen der Dampfschiffahrt im 20. Jahrhundert schon bald nicht mehr genügte.

Gezeiten

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Zwischen diesen beiden Aufnahmen liegt eine Zeitspanne von ca. 2h20'.

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Ich bin gerne dabei. Wir wollen demnächst dort rauf. Über die RV 17 Richtung Lofoten. Vielleicht...

Danke fürs mitnehmen.

Gruss, Martin

Gerne nehme ich dich mit.:)

Eine tolle Reise habt ihr vor! Wenn die Zeit reicht, solltet ihr die Lofoten nicht auslassen. Bereits die empfehlenswerte Überfahrt Skutvik-Skrova-Svolvaer ist ein überwältigendes Reiseerlebnis.

Obwohl die RV17 zu den Traumstraßen Europas gehört, sind wir diese - wegen der vielen Fähren viel Zeit in Anspruch nehmende - Strecke nicht gefahren. Wegen eines Krankheitsfalls in der Familie verzögerte sich unser Aufbruch nach Norwegen um 3 Tage, und lange fuhr die Sorge mit, den Urlaub vorzeitig abbrechen zu müssen. Deswegen hatten wir unser ursprüngliches Ziel, auch ein paar Tage auf den Lofoten zu verbringen, zurückgestellt und uns erst dazu entschieden, als wir den Polarkreis überquert hatten und abends in Rognan am Saltdalsfjord sitzend die Karte studierten. Dem fielen andere Überlegungen, wie die Rückfahrt über die RV17 und der Besuch von Alesund, zum Opfer. Aber nach der großartigen Reise und fünf Tagen auf den Lofoten waren unsere Köpfe so voll von Bildern, Emotionen und Erlebnissen, dass wir ohnehin die Rückfahrt durch ruhige schwedische Landschaften vorzogen.;)
 
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Im Land der Mitternachtssonne geht die Sonne im Mittsommer nicht unter. Die Nächte bleiben hell. Das beginnt schon weit südlich des Polarkreises und ist umso intensiver, je weiter man nach Norden reist. Auf den Lofoten etwa kann man Ende Juni/Anfang Juli auch mitten in der Nacht auf die Berge steigen.

Am Saltdalsfjord, 30. Juni, 1 Uhr nachts

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Im Winter muss man sich das umgekehrt vostellen, tagsüber wird es nicht hell. Kein Wunder, dass in Mosjøen selbst auf dem schmalsten Absatz, in der engsten Traufgasse, Bänke und Stühle stehen, um den Hunger nach Licht und Luft zu stillen.


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Selbst ein Künstler hat sich dieses Themas mit einem Riesenstuhl bemächtigt.

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Die Aufnahmen im vorigen Post zeigen, dass manch wiederhergestelltem Haus mit modernen Werkstoffen (Betonfundamente und -sockel) zur Standsicherheit verholfen wurde.
Darin sehe ich nichts Schlimmes; ist doch gleiches bei vielen alten Speicherhäusern an der Nidelva im Trondheim zu beobachten.
Einige Häuser wurden in der ursprünglichen Bauweise restauriert, wie die kleine

Ola Oktober-brygga von 1861

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Nun ja, die Wellblechdächer dürften davon auszunehmen sein.
Dieses und andere Häuser sind nach früheren Bewohnern benannt. Einige, so auch die dem Vefsn-Museum gehörende Ola Oktober-brygga, werden heute über die Kulturwerkstatt als Gästehäuser vermietet
(http://www.kulturverkstedet.net/ipub/pages/overnatting.php)
Ursprünglich war das Haus zum Aufbewahren von Fischereigerät und Booten mit einem Übernachtungsraum errichtet.


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Die Luke mit dem Ladebalken

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An Booten soll es nicht mangeln.

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Der rechte Winkel und das Lot gehören - ähnlich wie bei vielen alten Fachwerkhäusern - nicht zu den Kernmerkmalen dier Holzarchitektur. Holz als Werkstoff hält viele Dehnungen, Zerrungen und Biegungen aus.
Der schiefe Schein trügt nicht, er sollte nicht dem Fotografen zugeschrieben werden.;)

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Wie Rucksäcke tragen manche Häuser ihre angebauten Schuppen.


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