Es ist schon ein Unterschied, ob man die Kamera es machen lässt oder man selber bei ständiger Kontrolle ein Fine-Tuning vornimmt.
Ich bin auf Grund von Beobachtungen an mir selber schon zur Erkenntnis gekommen, dass das Gefühl des Verlusts an Kontrolle einen sehr großen Anteil daran hat, sich für ausschließlich RAW zu entscheiden. War bei mir so und ich beobachte, dass das bei anderen auch so ist. Es ist sehr oft sinnvoll bis notwendig, die RAW-Daten zu haben, aber wie alles andere auch
kann die RAW-Only-Position neurotische Züge haben oder gar eine ideologische Position sein, die dann auch noch sehr fundamentalistisch vertreten wird.
Wenn man aber bei ständiger Kontrolle ein Fine-Tuning vornimmt und dabei kaum ein besseres Ergebnis hat, dann ist der Arbeitsaufwand meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. Eigenartig ist ja,
dass Profis wie Bob Krist da signifikant pragmatischer sind bei exzellenten Ergebnissen, ca. 80% seiner Bilder sind JPEGs aus der Kamera. Von denen, die so penetrant dogmatisch die RAW-Only-Position vertreten und Leuten, die nur JPEGs schießen, die fotografische Kompetenz von Maulwürfen zusprechen, müssen hingegen noch zeigen, bessere Bilder zu machen,
weil sie ausschließlich RAW schießen, sofern ihre Bilder überhaupt besser sind. In der Regel finde ich die Aufnahmen dieser Dogmatiker nicht besonders aufregend.
Natürlich wird man bei sauberer Belichtung mit der JPG-Engine in 90% der Fälle ein sehr ähnliches bis gleiches Ergebnis hinbekommen, wie man das mit einer Aufnahme in Raw hinbekommt, aber was ist mit den restlichen 5%?
Warum soll es sinnvoll sein, für dasselbe Ergebnis einen relativ hohen Aufwand zu treiben? Was spricht denn bitte dagegen, die Kamera so einzustellen, dass sie JPEGs produziert
und dabei die RAW-Daten nicht wegwirft? Warum eigentlich immer dieses dogmatische Entweder-Oder, dieses irrationale Denken in falschen Alternativen, welches letztendlich nur einschränkt? Warum nicht
alle Möglichkeiten nützen und jeweils die beste auswählen?