D3 vs. D300, meine Erfahrungen
Ich arbeite seit mehr als 6 Monaten mit der Nikon D3 und habe auch Erfahrungen mit der Nikon D300 (und älteren Modellen wie der Nikon D2X, Nikon D200, Fuji S5, Fuji S3, Fuji S2).
Es wird hier die Bildqualität angesprochen, also möchte ich auch darauf antworten.
1) Die Nikon D300 weist gegenüber den Vorgängermodellen eine deutliche Steigerung in der Bildqualität auf. Sie hat etwa 2 Stufen besseres Rauschverhalten als die D2X und etwa eine Stufe besseres Rauschverhalten als die D200. ISO 400 an der D2X ist je nach Qualitätskriterium (Detailreichtum, dynamischer Bereich, Tonalität, Rauschen) einen Hauch besser als ISO 1600 an der D300. Die angegebenen Stufen sind nur Richtwerte. Die D2X war für mich in der Low-Light-Fotografie die komplette Ernüchterung (ich arbeitete anderthalb Jahre damit), von der Bildqualität einer D300 konnte man damals im Nikon-Lager nur träumen (die Träume gingen aber ohnehin mehr in Richtung Canon 5D...).
Aus der Praxis: Die D200 ist an Konzerten bis ISO 800 noch akzeptabel, bei ISO 1600 leidet die Bildqualität: Der dynamische Bereich fällt in den Keller, die Farben wirken eher blass, die Tonalität ist etwas dürftig und das Rauschen gut sichtbar (aber das kleinere Problem). Die Belichtung muss sitzen, sonst wirds schwierig. Die D300 hat hier wie gesagt etwa eine Stufe Vorteil.
2) Die D3 stellt alle Vorgängermodelle in Sachen Bildqualität komplett in den Schatten. Ich höre immer wieder, von ISO 100 bis 1600 sei die Bildqualität der beiden Kameras vergleichbar. Die Realität sieht leider anders aus: Zwar sehen unbearbeitete ISO 200-Bilder bei beiden Kameras gerade noch vergleichbar aus, bei ISO 400 sind aber schon deutlich Unterschiede in den Schattenpartien sichtbar (Rauschen bei der D300). Ab ISO 400 driften dann die Kamerabilder komplett auseinander. ISO 1600 bei der D300 ist um Längen schlechter als ISO 1600 bei der D3. Für sich alleine sieht das D300-ISO1600-Bild ganz ordentlich aus, aber neben einem D3-ISO1600-Bild verblasst es ordentlich. Die D3 zeigt vor allem bei ISO 1600 unglaubliche Stärken, für mich war dies der Hauptgrund, die Kamera anzuschaffen. Die D300 liefert vergleichsweise nur Brei (vor drei Jahren hätte ich es nicht so formuliert, damals wäre das beachtlich gewesen).
Doch zurück zu den "normalen ISO-Werten": Sobald man ein D300-NEF-Bild im Photoshop oder Nikon Capture leicht verändert, entsteht bereits bei ISO 200 Rauschen. Bei ISO 400 ist dies noch problematischer. Die Nikon D3-Aufnahmen bei ISO 200 und ISO 400 andererseits ertragen unglaublich viel. Belichtungskorrekturen um eine Stufe in beide Richtungen, starke Veränderungen in den Kontrastkurven etc. beeinflussen die Bildqualität weitaus weniger als bei der D300.
Wenn man mal einige Tage Bilder beider Kameras verarbeitet hat, erkennt man im Bildbearbeitungsprogramm durch einen simplen Zug an der Gradationskurve, ob ein D300-Bild oder ein D3-Bild vorliegt - sofern man die gewählte ISO-Zahl kennt. Die Unterschiede sind bei tiefen Empfindlichkeiten also real. Alles andere würde auch überraschen - bei doppelter Pixelgrösse.
Ich möchte damit die D300 nicht schlechtreden. Sie stellt eine echte Alternative zum teuren Vollformat dar und bietet bis ISO 400 eine sehr gute Bildqualität, und wenn es um den Telebereich geht (Flugschauen, Tierfotografie), spart man damit extrem viel Geld. Ein 300er f/4 und ein 70-200er an der D300 muss mindestens durch ein 300er f/2.8 und einen Telekonverter an der D3 erkauft werden. Das geht ins Geld. Für viele ist es schlicht unerschwinglich. Und vom Gewicht haben wir noch gar nicht gesprochen.
Ich sehe den Vorteil vom Vollformat momentan vor allem in der Portrait-Fotografie. Dort ist es schlicht unschlagbar. Schade nur, dass Nikons Festbrennweiten in die Jahre gekommen sind. Die sind zum Teil schlechter als die neuen Zooms. Kommt Zeit, kommt Festbrennweite.
Gruss,
Markus