Auf dem
Plaza de Armas steht dieses Indianer-Denkmal zur Erinnerung an die abgeschlachteten Mapuche, die wie üblich bei der Besatzung durch die spanischen Konquistatores im 16. Jahrhundert ermordet wurden. Am 11. September 1541 gelang es sogar fast die Spanier wieder in die Flucht zu schlagen.
Ich nehme an einer Free Walking Tour teil, bei der vom Guide Franco sehr verständlich und ausführlich über die weniger gute und auch schlechte Vergangenheit der Stadt informiert.
Selbst bei Zwischenfragen und detailierten Informationen glänzt er mit Fachwissen auf dieser vierstündigen Wanderung. Franco ist jeden Dollar Trinkgeld wert!
Eine weltweite Besonderheit sind die
Café con piernas (zu deutsch: Kaffee mit Beinen) in Santiago.
Das Erfolgsrezept der Stehcafés ist simpel und auf den ersten Blick erkennbar: Der Kaffee wird an einer Bar von mehr oder weniger bekleideten Frauen ausgeschenkt.
Der Boden hinter der Bar ist erhöht, so dass sich der Po der Servierinnen fast auf Augenhöhe der Gäste befindet.
Der Grad der Entblößung variiert, die Spannbreite reicht von hautengen Minis bis hin zu den knappsten Bikinis.
Beim Anliefern des Getränks müssen sie sich dann natürlich auch vorbeugen, was offenherzige Aus- und Einblicke zulässt.
Im Grunde ist es trotzdem nur eine Kaffeehausart mit Preisen unterhalb von Starbucks & Co.
Das Personal hat einfach nur weniger an und forciert das (ausschließlich spanische) Gespräch.
Die Idee dazu hatte angeblich eine Kaffeehausbesitzerin vor Jahrzehnten, um ihre Gäste vom üblichen, grauslichen Kaffee in Chile abzulenken und trotzdem zur Konsumation zu bewegen. Die Bedingungen für diese Cafes sind auch interessant: Sie sind nur im Geschäftsviertel gestattet und haben zu Bürozeiten von Montag bis Freitag geöffnet. Es gibt keinen Alkohol, natürlich Rauchverbot (das schaffen sowieso alle Länder außer Österreich!) und Berührung der Angestellten ist verboten. Fotografieren ebenso. Ein Verrutschen der erbärmlichen Stoffstreifen ist wegen Ankleben mit Tapes nicht möglich.
Beim Betreten des Lokals zahlt man an der Kassa für das Getränk - es gibt nicht nur schlechten Kaffee, sondern auch künstlichen Saft aus der Flasche - und wird dann von einem Animiermädchen mit dem Judaskuss bedacht. Das ist das Zeichen für ihre Kolleginnen, dass der Kunde und sein Trinkgeld nun tabu wurde. Mit anderen Servierdamen ins Gespräch zu kommen ist dann unmöglich, selbst wenn diese noch so interessante Argumente im Körbchen vorweisen. Lokalwechsel oder nächstes Getränk hilft in solchen Problemfällen.
In meinen fünf Tagen in Santiago haben die Regenfälle leider stetig zugenommen und so musste auch die geplante Tour zum Aconcagua wegen verschneiter Passstraße ersatzlos abgesagt werden.
Sehr schade, ich hatte mich auf den höchsten Berg Amerikas (6959 m) gefreut und konnte ihn nur vom Flugzeug aus sehen. Dafür aber auf Gipfelhöhe wegen der Einflugschneise.
Wegen Dauerregen, abgesagter Tour und Kriminalitätswarnung bleibt einem bei zuviel Tagesfreizeit also gar nix Anderes übrig, als ein Café con piernas nach dem anderen abzuklappern. Dabei konnte ich dann erfahren, dass die strengen Verhaltensregeln manchmal auch recht liberal ausgelegt werden. Es gibt Cafes, wo das Personal als Freelancer auftritt und ihnen der Umfang an Serviceleistungen beim Klienten freigestellt ist. Das kam dann doch überraschend, hat den Kaffee auch nicht besser gemacht und hätte man schon daran erkennen können, dass die Getränkepreise für 'La Niña' extra angeführt sind.
Und hier kam es dann auch zum einzigen körperlichen Übergriff (oder Untergriff) auf dieser Reise ... durch eine Bedientete.
Der physischen Attacke konnte ich mich jedoch rasch durch Einstellen der Geldzufuhr entziehen.
Stellenweise wünschte ich etwas Spanisch zu können, englisch konnte keine dieser Chicas. Trotzdem könnte ich noch Geschichten erzählen....
Auch hier ist 'Austria' gänzlich unbekannt. Mich als Pablo Gonzales aus Brasilien vorzustellen hat die Sache deutlich vereinfacht.