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Fr.: Blümchentag – auf San Miguel ist die häufigste verwilderte Zierpflanze sicherlich die Hortensie. Als „Straßenbegleitgrün“ und Grundstücksbegrenzung gibt es kilometerlange heckenartige Büsche. Bei uns im Garten hat der Strauch letzten Sommer aufgegeben, zu wenig Wasser… Was aber hier kein Problem ist, es regnet genug und zu heiß ist es auch nicht, bloß 20-25°C aktuell.
Hortensien Büsche allenthalben. Foto AK
Und Morgen gehts nach Pico...
Sa.: Wir fliegen nach Pico. Zweieinhalb Stunden Verspätung beim Flug, die DeHaviland Dash 8 (kennen wir von Air Greenland) hat technische Probleme, wir müssen warten. Der Flugverkehr auf San Miguel ist heute ziemlich durcheinander: wir wechseln bis zum Abflug dreimal das Gate…
Der Pico ist ein Schicht- oder Stratovulkan auf der gleichnamigen Azoren-Insel Pico. Mit einer Höhe von 2351 m ist er der höchste Berg Portugals und des Mittelatlantischen Rückens. Auf der Spitze befindet sich ein Vulkankrater von 500 m Durchmesser und 30 Meter Tiefe und in ihm der Piquinho (Pico Pequeno), ein kleiner Vulkankegel, der sich 70 m erhebt und den eigentlichen Gipfel bildet. Man sieht ihn genau über dem Wolkenband. Aus dem zerkratzten Fenster der Dash hat man einen guten Blick auf seine imposante Höhe:
So.: Wir erkunden die Nordküste: alte Dörfer mit schwarzen Lavahäusern und etwas Wein- und Obstbau für den Eigenbedarf, wie es scheint. Gegenüber im Dunst liegt die Insel Sao Jorge. Sehr viel schwarze oder braune Lava hier. Pico ist erst 300.000 Jahre alt, seit sie aus dem Ozean aufragt, und somit die jüngste unter den Azoreninseln. Sie wird wegen der vielen Lava auch die „Schwarze“ genannt. Die tolle Vegetation würde auch die „Grüne“ rechtfertigen. Es erinnert deutlich an Island, wie die Vegetation die Lavaflüsse erobert hat. Heute Nacht hat es mehrmals heftig geregnet, den Hortensien im Garten hat das sehr gut getan...
Ein Lavastrom endet im Wasser, dort sind die Blöcke rundgewaschen. Foto AK Nikon 300mm
Mo.: Wir fahren entlang der Küste bis nach Madalena, wo wir bei Pico Sports Morgen die Waltour mit dem kleinen Katamaran gebucht haben. Zurück geht es über die Passstraße nördlich am total wolkenverhangenen Pico vorbei. Wir erkunden schonmal die Gegend, damit wir wissen, wo gute Fotopunkte sind, wenn die Wolken mal aufreißen sollten. Vom Westhang des Pico haben wir einen klaren Blick auf die Insel Faial. Es gibt da noch einen Lavatunnel, der in einer großen Lavablase endet, ist aber alles zugewachsen…
Die Nachbarinsel Faial (Ausschnitt aus einem Vierer Panorama, was ich zu Hause zusammensetzen muß). Unten liegt Madalena, Morgen starten wir von dort unsere Waltour. Die Büsche im VG sind Reste der ursprünglich Macchie: bis zu 6m hohe Baumheide, die hier den Rindviechern weichen mußten... Foto AK, Nikon 200mm
Di.: Wir fahren um 7:00 los, nach Madalena, wo wir bei Pico Sports die Waltour mit dem kleinen Katamaran gebucht haben. Von wegen Katamaran, die Reefcat ist ein normales Boot mit einem Rumpf und einer hohen Brücke. Beim heutigen Wellengang und dem ewigen starken Rollen, wundert mich überhaupt einige Fotos erfolgreich geschossen zu haben, eingekeilt zwischen Sitz und Bordwand. Bei solchen Bedingungen gilt ja: eine Hand immer für den Mann. Nun kann man mit Tele einhändig nicht vernünftig zielen und auslösen ?!? Anyway, drei brauchbare Flukenbilder hab ich hinbekommen und auch ein paar Fleckendelfine mit den 70-200… Nicht emfehlenswert!
Besser als nix allemal, Tour und Boot sind nicht zu empfehlen: Bootsführer nimmt auf Fotografen keinerlei Rücksicht. Foto AK
Hier das beste Foto vom Fleckendelfin mit 145mm, sie sind extrem schnell, meist hab ich nur noch die Schwanzfluke erwischt…
Nikon mit 4/70-200 VR @ 145mm Foto AK
Abschließend zu den vier Waltouren kann man folgendes aus meiner persönlichen Sicht sagen: Die besten Fotos haben wir von Futurismos Zodiac aus gemacht, aber Renate hatte drei Tage ziemlich "Rücken", das beste Boot für Fotografen war Futurismos Catamaran Cetus: der Kapitän hatte alles im Blick, auch das Fotolicht, die Besatzung kenntnisreich und hilfsbereit. Leider hatten wir an dem Tag nur einen männlichen Pottwahl, der dann auch abtauchte, nachdem seine Muskeln wieder voll mit Sauerstoff geladen waren, Pech. Die beiden anderen Boote wollten nur Geld machen, leider...
Mi.: Totalausfall, habe mich auf dem Walboot schwer erkältet. Halsentzündung: Stimme weg, schlapp. Hänge dick eingepackt auf der Terrasse rum und gucke in den Sonnenuntergang...
Nach Sonnenuntergang, kurriere mich mit Speiseeis und kalten, alkoholfreien Drinks... AK
Do.: Walmuseum in Sao Roque, eine ehemalige komplette Walfabrik. Walfang von 1860 – 1987, nach dem Verbot 1984 wurde auch hier der Walfang allmählich gestoppt. Höhepunkt 1896-1949, bis 1949 wurden etwa 12.000 überwiegend Pottwale von kleinen Ruderbooten aus mit Handharpunen erlegt. Sie wurden vom Flenskanal im Hafen gleich mittels Stahlseil in die Fabrik gezogen und der Speck zu Walöl verarbeitet. Die Köpfe wurden abgetrennt, um an der „Walrat“ zu gelangen, eine wachsartige Substanz der Melone des Pottwals (Physeter macrocephalus), die im Prinzip eine überdimensionierte Melone der Delfine darstellt. Dieses weiße, weiche, schwammige Gewebe befindet sich über den Kieferknochen und ist mit Spermaceti/Walrat gesättigt. Da verschiedene Bestandteile unterschiedlich im Organ verteilt sind, dient es als eine Art „akustische Linse“ für die Echoortung. Wale sehen schlecht, machen sich aber damit ein akustisches Bild von ihrer Umgebung. Bei Tauchtiefen von max. ca. 1.000m gibt es sowie so kein Licht mehr. Nachdem der Walfang eingestellt war wurde er kurz darauf von Walbeobachtungen abgelöst: Boote und Personal waren ja bereits vorhanden. Heute studieren viele junge Leute Meeresbiologie an der Azorenuniversität in Ponta Delgada und bevölkern nach ihrem Bachelor oder gar Master die Walboote als Guides.
Die renovierte Walfabrik dient heute als eindrucksvolles Museum. Foto AK
Fr.: Besuch des Weinmuseums in Madalena und der jüngsten Lavaabflusses bei Santa Lucia aus dem 18.JH. Der Wein wird hier, ähnlich wie auf den Kanaren hinter niedrigen Lavasteinmauern angebaut, um den Wind abzuhalten. Bei Halbrunden Mauern ist jeweils nur ein Weinstock vorhanden, aber es werden auch Mauern im Quarrée gebaut, die dann mehrere Weinstöcke umgrenzen. Ein mühsames Geschäft: alles Handarbeit.
Wenig Liter für viel Arbeit, aus den Resten wird Schnapps gebrannt. Foto AK
Der Pico hat im Laufe der Zeit eine Reihe von Ausbrüchen gehabt, 1720 war sein derzeit letzter. Die dünnflüssige Stricklava hat das Meer erreicht und dort Klippen aufgeschichtet.
Die Bilder enden hier (AK)
Sa.+So.: Rückreise. Sa. Von Pico nach Sao Miguel Übernachtung im Hotel und dann So. mit LH nach FFM und mit dem Auto nach Hause. Ganz schöner Aufwand da wieder wegzukommen… War aber schön.
Nikon mit 4/70-200 VR @ 145mm Foto AK
Abschließend zu den vier Waltouren kann man folgendes aus meiner persönlichen Sicht sagen: Die besten Fotos haben wir von Futurismos Zodiac aus gemacht, aber Renate hatte drei Tage ziemlich "Rücken", das beste Boot für Fotografen war Futurismos Catamaran Cetus: der Kapitän hatte alles im Blick, auch das Fotolicht, die Besatzung kenntnisreich und hilfsbereit. Leider hatten wir an dem Tag nur einen männlichen Pottwahl, der dann auch abtauchte, nachdem seine Muskeln wieder voll mit Sauerstoff geladen waren, Pech. Die beiden anderen Boote wollten nur Geld machen, leider...