Weil es so schön war, geht es nochmal nach Mosteiros - die Westspitze von Sao Miguel.
Nicht nur, weil der Westblick auf die vorgelagerten kleinen Felsinselchen (u.a. die Ilheu dos Mosteiros) lockt, sondern weil es sich im Restaurante Gazcidla ganz hervorragend und budgetschonend speisen lässt.
Nicht von der Außenfassade und den trinkfreudigen Barfliegen im Erdgeschoß abschrecken lassen!
Mosteiros ist eine Freguesia (Gemeinde) im äußersten Nordwesten direkt am Meer. Der Praia besitzt einen dunklen Sandstrand und Naturschwimmbecken, die jedoch der oft starken Brandung des Atlantik ausgesetzt sind.
Logisch, dass auch diese Erfahrung gemacht werden muss. Was als "dunkler Sandstrand" bezeichnet wird, sind tatsächlich schwarze Steinchen, die nach dem Schwimmen kaum von der Haut zu kriegen sind. Badeschlapfen sind von Vorteil und der Wellengang ist eine Herausforderung. Ist das Ins-Wasser-kommen schon recht schwierig (spitze Felsen, starke Brandung), so ist das Anlanden noch komplizierter (noch mehr spitze Felsen, starke Sogwirkung ins Tiefe).
Erst im Wasser fällt mir auf, dass sonst niemand schwimmen ist. Ein paar Mädels liegen im schwarzen Schotter und machen Selfies.
Vielleicht machen sie auch Fotos von mir? Wenigstens gibt es eine Duschkabine dort.
Wie eingangs erwähnt, war ein Hauptgrund meiner Reisezielwahl der Lost Place "Monte Palace" am Südrand der Caldera.
Kurz vor Tageslichtende schaffen wir es endlich zum Aussichtspunkt Vista do Rei. Es ist nebelig, feucht und still.
Was war noch mal der Grund, warum das Hotel nur eine Saison offen hatte?
Ein französisches Unternehmen baute 1983 das 5-Sterne-Hotel Monte Palace mit mehr als 170 Betten. Mehrere Jahre lang stand es leer, denn die Bauträger aus Frankreich und Belgien waren zwischenzeitlich bankrott. Im Frühjar 1989 wurde es unter staatlicher Leitung schließlich mit großem Getöse eröffnet. Lange hielt es sich jedoch nicht, denn ein Jahr später war es im Konkurs und noch heute ist das seither nicht mehr genutzte und inzwischen marode Gebäude ein Mahnmal für ein schlechtes Tourismuskonzept. Der Standort liegt oft im Nebel und das behagt den meisten sonnenhungrigen Touristen ganz und gar nicht.
Die Distanz vom Hotel zum Badeort Sete Cidades unten am See (7,7 km, 400 Höhenmeter, 2 Stunden Wanderweg) hat sich zusätzlich und überraschend als nicht kompatibel für Familienurlauber erwiesen.
Einmal mehr erfreue ich mich an der HiISO-Fähigkeit meiner Kamera. Das Gebäude ist türen- und fensterlos, die Böden sind übersät mit Schutt, Teppiche schwimmen im Regenwasser, überall tropft es runter. Mit meinem Reisekollegen bin ich völlig allein hier, Knacken und Plätschern begleitet uns akustisch. Die großflächigen Pfützen sind manchmal knöcheltief. Turnschuhe sind kein adäquates Schuhwerk hier.
Hier muss ich bei mehr Licht unbedingt nochmals her.