Alaska! - 2: Im Valley Of Ten Thousand Smokes

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assiliisoq

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Hallo zusammen!

Hier kommt der 2. Teil meiner Alaska-Trilogie.
Nachdem ich einige Tage bei den Bären vom Brooks River fotografiert habe, brauche ich ein wenig Bewegung.
Ich packe in meinen Rucksack was man so zum Leben braucht.
Täglich fährt ein kleiner Shuttle Bus mit Tages-Touristen die einzigen 37 miles Schotterstraße in diesem Teil der Welt vom Camp am Fluss zum Valley Of Ten Thousand Smokes rauf.
Ich fahre mit.

Das Valley of Ten Thousand Smokes entstand, als sich hier vor gut 100 Jahren, genauer am 6. Juni 1912, der mächtigste Vulkanausbruch des 20. Jhs. ereignete.

So hat das Valley wohl vor dem Vulkanausbruch ausgesehen:

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Im Hintergrund kann man gerade so erkennen, wo heute die Aschewüste beginnt.

Der Ranger, der den Bus fährt, lässt mich ein Stück vor dem Overlook raus, wo ein kleiner Trail hinunter ins Tal führt.
Durch Blumen, die größer sind als ich, bahne ich mir den Weg.

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Kurz darauf erreiche ich den Windy Creek, den ersten von einigen Flüssen, die ich in den kommenden Tagen furten muss.
Hier treffe ich unverhofft auf Bekannte, die ich im Brooks Camp kennen gelernt habe. Sie kommen gerade von einem Ausflug ins Valley zurück. Wir tauschen Erfahrungen, Neuigkeiten und Schokolade aus, machen ein paar Fotos und verabreden, dass ich bei ihnen statt im Hostel wohne, wenn ich nach Anchorage zurückkomme. Alaska!

Zum Fotografieren tauschen wir die Kameras aus. So haben sie ein Bild von mir mit meiner Kamera gemacht und umgekehrt.

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Nachdem ich das Flüsschen gequert habe und wieder trockenen Fußes in meinen Schuhen stecke, erreiche ich endlich die ersten Ausläufer des Vulkantales.

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Der Boden besteht aus Vulkanasche und Bimsstein.
Das Grüne ist die Buttress Range, der ich heute lange folgen werde.
Das Weiße ist der Mount Mageik, zu dem ich in den nächsten Tagen noch wandern werde.
Einen genauen Plan, was ich machen will oder wohin ich wandern will, habe ich nicht. Aber ein paar Ideen.
Einen Weg gibt es nun nicht mehr. Das gefällt mir.

Nach einer Weile erreiche ich den Canyon des River Lethe.
Lethe ist in der griechischen Mythologie einer der Flüsse des Hades, der Unterwelt.
Das passt doppelt gut.
Einmal, weil er sich diesen Canyon innerhalb von nur 100 Jahren in die Tiefe gegraben hat.
Zum anderen, weil man diesen Fluss irgendwo durchqueren muss. Wenn man nicht gut aufpasst landet man mit ihm in der Unterwelt, was durchaus schon ein paarmal hier passiert ist. Man hört schlimme Geschichten.

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Leider fehlt hier jeder Maßstab. Der Canyon ist sicher 60 Meter tief, der Lethe unten wohl 10 Meter breit.

Als der Novarupta 1912 ausbrach, schleuderte er in einer gewaltigen Explosion 60 Stunden lang 15 km³ Magma in den Himmel. Der Knall war so heftig, dass er die Menschen im 1000 km entfernten Juneau erschreckt hat.

Auf der nahe gelegenen Insel Kodiak war es wegen des Ascheregens für 3 Tage stockfinster. Blitze zuckten durch die tiefschwarze Finsternis und Donner schien das Ende der Welt anzukündigen.
Es gelangte so viel Asche in die Atmosphäre, dass sie sich bis nach Europa um 2,8 °C abkühlte.

Pyroklastische Ströme bedecken den Talboden und reichen 21 km weit in das Tal des Ukak River hinein. Die Asche füllt das Tal mit einer Mächtigkeit von bis zu 200 m auf!!!
Dass dabei nicht mehr als eine Handvoll Menschen gestorben sind, liegt alleine daran, dass diese Gegend so dünn besiedelt ist. (Anchorage gab es damals noch gar nicht.)
Nach dem Ausbruch war die Umgebung auf Jahrzehnte unbewohnbar.
Ein Grund hierfür war das Verschwinden des Wassers. Die Ascheschicht legte sich über Seen, Meeresarme und Flüsse. Der Wasserdampf der Flüsse dieses Tales suchte sich undichte Stellen in der Staubschicht und entwich hier.
Als 1918 Robert Griggs seine erste Expedition nach dem Vulkanausbruch in dieses Gebiet führte und über den Katmai Pass kam, staunte er, dass aus dem Talboden tausende Rauchsäulen aufstiegen. So kam das Tal zu seinem Namen. Erst später stellte man fest, dass das Wasserdampf ist und keine vulkanischen Dämpfe. Der Boden war immer noch heiß.

Diese Bilder versuche ich mir vorzustellen, während ich weiter wandere. Man erkennt noch die Fumarolen im Boden, Dampf gibt es aber keinen mehr.

So komme ich zum 6 Mile Camp.

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Dieser Platz ist ein Magnet für Wanderer, wie eine Oase in der Wüste. Denn hier gibt es Frischwasser. Ein kostbares Gut!
Hier treffe ich daher auch die einzigen Menschen im ganzen Tal.
Es ist noch früh, die Tage sind lang, ich habe Lust noch weiterzulaufen, obwohl ich schon 6 Meilen durch diese Asche hinter mir habe und eine ziemlich dunkle Wolkenfront über die Berge rollt.
Ich fülle meine Wasserbehälter auf und nach dem üblichen Austausch unter Hikern mache ich mich wieder auf den Weg.

Es wird spannend, ich muss den Lethe durchqueren. Die Leute am 6 Mile haben das nicht gemacht. Sie wissen also nichts über geeignete Stellen und die aktuellen Bedingungen. Die Lethe-Querung gilt als der Knackpunkt bei Wanderungen hier im Valley. Nach starkem Regen oder bei Schneeschmelze ist er unpassierbar.
Ich folge dem Canyon bis zu einer Stelle, wo er sich öffnet und man an die Flussufer kommt. Ich laufe auf und ab. Das gefällt mir hier nicht.
Ich ziehe weiter in der Hoffnung, dass ich eine andere Furt finde.

Die hier sieht machbar aus, auch wenn man in dem milchigen Wasser nicht viel sehen kann.
Fotoapparat und alles andere wasserdicht verpacken und rein ins Gletscherwasser.

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Es war viel einfacher als erwartet.
Allerdings beginnt es nun zu regnen. Erst ein leichtes Nieseln, dann eine Art Powerniesel. Gerade soviel, dass ich ständig schwanke zwischen "schwitzen in der Regenjacke" oder "einfach nass werden". Kalt ist es nicht.
Und so weit sieht es auch nicht mehr aus. Also einfach durch.
Ich will auf den Staubhügel ganz rechts im Bild. Hier soll es irgendwo eine offene Holzkiste geben, die von Vulkanologen als Unterkunft benutzt wird.

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Ich wandere, latsche, schleppe mich noch ein paar Stunden durch losen Sand. Ich habe es immer gehasst durch Sand zu stiefeln. Aber ich will in dieses Valley.
Kein Anhaltspunkt um die Entfernungen zu schätzen. Es ist weiter als es aussieht.
Zu fotografieren gibt es nichts.
Am Ende kommt auch noch Nebel auf. Ich gebe alle meine Reserven, um vor ihm die Hütte zu finden, denn ich weiß, dass sie schwer zu finden ist, wenn man noch nie dort war. Zur Not habe ich mein Zelt dabei.

Der Nebel ist schneller als ich. Glücklicherweise finde ich fast verwehte alte Spuren, erst von Bären, dann von Menschen, die den Berg hinauf führen. Da oben muss die Kiste sein.
Mittlerweile regnet es ziemlich und ein ordentlicher Wind bläst. Ich will nur noch ankommen.

Und dann - geschafft!
In einem Nebelloch sehe ich sie vor mir auftauchen! Heureka!

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Kennt ihr das Gefühl, wenn so eine schiefe, undichte Kiste euch vorkommt wie ein Palast?
Ich liebe das!
Und würde diese löchrige Kiste gegen kein *****-Hotel der Welt tauschen wollen.

Ich schaue mich ein wenig um, ziehe mir eine warme, trockene Schicht über, koche mir ein heißes Abendessen und bin glücklich.
Draußen stürmt es mittlerweile ziemlich und es tropft durchs Dach. Aber mein Schlafplatz ist trocken und mein Schlafsack warm und ich schlafe hervorragend.
 
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Hallo Sylvia,

Tolle Bilder :up::up:und wieder ein lebendiger, toll geschriebener Bericht.:up::up:
Die Landschaft ist sehr beeindruckend.

Ich freue mich auf mehr und bin gerne mit dabei:)
 
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Am nächsten Morgen schaue ich aus dem Fenster und springe aus meinem Schlafsack!
Sonne! Und was für eine Aussicht!
Schnell koche ich Wasser für Porridge und Tee und schaue auf die Karte.
Ich habe riesiges Glück, denn die letzten Vulkanologen, die vor einer Weile hier waren, haben den letzten Schnee rund um die Hütte geschmolzen und in Kanister gefüllt. So kann ich noch eine Nacht hier bleiben, ohne mir um Wasser Sorgen machen zu müssen.
Ich beschließe, nur mit Tagesgepäck über den Baked Mountain zum Novarupta zu wandern.

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Ich arbeite mich die steilen Flanken durch die losen Bimssteine hinauf.
Dabei kann ich hinunter auf im Sommer ausgetrocknete Wasserläufe sehen. Sie haben eine Art Doppel-Delta. Aus mehreren Rinnsalen laufen sie zusammen und versickern dann wieder in vielen Armen, bevor sie den nächsten größeren Bach erreichen.
Der halb verhangene Berg ist der Mt. Griggs (2317m), benannt nach dem ersten Erforscher dieses Tales nach dem Vulkanausbruch. Er ist, wie die meisten Berge hier, ein aktiver Vulkan. Ich befinde mich mitten im Ring Of Fire.

Direkt auf den Hauptgipfel des Baked Mountain komme ich nicht, er besteht aus extrem bröseligem Gestein.
So quere ich den Hang darunter und gelange so zum Südgipfel.

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Zwischen dem bunten vulkanischen Bimsgestein finde ich viele Platten, die versteinerte Muscheln oder deren Abdrücke enthalten.
Immer wieder faszinierend: Meeresboden auf einem Berggipfel.

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Nach Süden hin kann ich nun den Novarupta sehen!
Als der Novarupta ausbrach, öffnete sich eine Caldera mit 2 km Durchmesser.
Das ist das große Oval rechts von dem braunen Hügel "The Turtle".
Am rechten Rand der Caldera bildete sich ein neuer Lavadom, der schwarze Kreis im Bild. Er ist zur Zeit ca. 65 m hoch und 380 m lang. Er qualmt oben aus vielen Ritzen und riecht eindeutig nach aktivem Vulkan ;)
Hier war das Loch, aus dem all diese Asche und Bims herausgeflogen ist!

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Er teilte sich eine Magmakammer mit dem dahinter liegenden Mt. Katmai. Als die Magmakammer sich leerte, stürzte der gesamte Gipfelaufbau des Katmai in sich zusammen und in die Kammer. Das hinterließ einen riesigen Krater, viel größer als der des Novarupta, weshalb man erst annahm, der Katmai sei ausgebrochen. In seiner Caldera bildete sich ein 3 x 4 km großer grüner Kratersee. Zu dem wäre ich zu gerne hinaufgestiegen, doch er ist rundum vergletschert. Mehrere Leute, mit denen ich darüber sprach, erzählten, dass sie mit Eisausrüstung den Kraterrand erst nach mehreren Versuchen oder noch gar nicht erreicht hätten. So habe ich ohne Gletscherequipment meine Pläne verschoben. Ich lernte dann aber Woody und Lisa kennen, die mit wenig Ausrüstung oben waren. Sie hatten Glück mit dem Wetter und meinten, dann sei es technisch nicht schwierig. Ich muss da nochmal hin!

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Lavadom von Süden mit dem Baked Mountain.

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Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sich die Vegetation solche scheinbar toten Gebiete zurückerobert.

Arktischer Mohn

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In einer feuchten Schmelzwasser-Senke finden sich grüne Pioniere ein.

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Auch über den Gletschern liegt oft eine dicke Ascheschicht. Häufig kann man kaum sagen, wo ein Gletscher beginnt oder endet.
Geforscht wird hier auch über die Entstehung neuer Gletscher. Dieses Phänomen gibt es nicht so häufig auf der Welt.

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Schmelzwasser gräbt mehrere Meter tiefe, steilwandige Gullies in die Asche. Quer zu so einem Rinnenfeld zu laufen ist eine echte Herausforderung.

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Ich laufe lieber über die Kuppen und Pässe statt unten lang durch die Rinnen.

Nach einem herrlichen Tag des neugierigen Herumstreifens mit vielen interessanten Entdeckungen und Erfahrungen komme ich wieder in mein Base Camp zurück.

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Diesmal ist der Mt. Griggs fast wolkenfrei.
Was für ein herrlicher Ausblick aus dem Outhouse!

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Die tiefstehende Sonne scheint in meine Hütte. Ich koche Abendessen und stöbere in herumliegendem Kartenmaterial und dem Gästebuch.

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Beim Essen genieße ich einen epischen Sonnenuntergang, der Feuerball rollt genau den Berghang hinunter!

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Moin,

schöne Fortsetzung des ersten Teils Deines Berichtes Deiner Alaska-Reise!

Es ist auch gelungen , den Charakter dieser Landschaft mit Deinen Bildern wiederzugeben!

Unabhängig davon meinen Respekt zu Deiner sportlichen Leistung deines Trips.

Wolfgang :)
 
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Moin,

schöne Fortsetzung des ersten Teils Deines Berichtes Deiner Alaska-Reise!

Es ist auch gelungen , den Charakter dieser Landschaft mit Deinen Bildern wiederzugeben!

Unabhängig davon meinen Respekt zu Deiner sportlichen Leistung deines Trips.

Wolfgang :)


Meinem Namensvetter möchte ich mich gerne uneingeschränkt anschließen!
Ich freue mich schon auf den dritten und leider (!) letzten Teil Deiner Bilder.

Freundliche Grüße zum Sonntag

auch Wolfgang
 
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Wieder wird mir ein herrlicher Morgen geschenkt!
Ich frühstücke dick eingepackt in der Sonne. Es ist noch ganz schön frisch.
Dann packe ich meinen Hausstand in den Rucksack und breche auf, nachdem ich mich bei den windschiefen Wohnkisten für die hervorragende Unterkunft bedankt habe.

Hinter mir strahlt der Mt. Mageik mit seinen drei vergletscherten Vulkanschloten in der schon zu hoch stehenden Sonne, rechts von ihm der Mt. Martin. Die Wolke an seinem Gipfel macht er selbst. Er qualmte die ganzen Tage mal mehr, mal weniger kräftig.


Blick durch das VTTS nach Norden. Im Westen die grüne Buttress Range, im Osten Mt. Griggs und im Norden begrenzt durch das Mt. Katolinat-Massiv.
Aus dieser Richtung kam die Griggs-Expedition. Stellt euch das Tal mal mit abertausenden dampfernder Erdlöcher vor! Man musste sehr vorsichtig gehen, um nicht in ein überdecktes Ventil zu treten. Noch heute muss man vor allem östlich des oberen River Lethe auf Stellen mit dünner Erdkruste achten.

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Ein sehr großer Vogel fliegt über den Baked Mountain.

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Noch einmal ein Blick hinüber zu dem gerade in der Sonne liegenden Lavadom des Novarupta.

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Ich laufe am Fuße der Gletscher des Mt. Mageik entlang. Mein Ziel sind zwei Schmelzwasser-Seen, die Mageik Lakes. An dem östlichen möchte ich zelten.

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Nach vielen Umwegen um Schluchten herum finde ich in einem Tal den ersten Mageik Lake.
Was für ein herrlicher See! Er schimmert jade-grün inmitten dieser grau-braunen Wüstenlandschaft!
Sofort suche ich mir einen Platz für mein Zelt.
Ein kräftiger, kalter Wind fällt von den Gletschern herunter. Ich habe keine Sandheringe bei mir, aber hier liegen viele dicke Steine herum, mit denen ich meine Erdnägel beschweren kann.
Ich muss lachen, als ich merke, dass diese dicken Bimssteine dazu doch nicht so geeignet sind. :hehe:
Am Ende finde ich aber genug "richtige" Steine, die mir nützlich sind.

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Ich richte mich ein, bringe Küche und Bad weit weg vom Zelt unter und mache mich mit leichtem Gepäck auf den Weg zum zweiten Mageik Lake.

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Dazu nehme ich nicht den kürzesten Weg. Nach einigen Stunden Herumstreifens, einigen Bachquerungen, vielen Karibu-Spuren, wenigen Bärenspuren, einigen Elch(Moose)-Spuren, aber ohne Tiersichtungen, gelange ich zum Oberlauf des Lethe-Rivers, dem ich bis zum Mageik Lake folge.
Dieser ist nicht ganz so grün, etwas gletschermilchiger, aber auch ganz großartig gelegen. Viele Wasserfälle speisen ihn.
Ich verbringe einige Zeit hier, fotografiere (leider kann nicht den ganzen Tag Morgen- und Abendlicht scheinen), erkunde seine Ufer und spiele am Strand.

Das könnte mal ein Titelbild für ein Fotobuch werden - der Titel ist schon eingraviert :)

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Schließlich will ich einen Rückweg suchen.
Da ich hierher sehr weite Umwege gelaufen bin, um tiefe Canyons zu umgehen, versuche ich es zurück am Fuße des Mageik entlang.
Und finde dabei gleich hinter dem See eine Landschaft, mit der ich nicht gerechnet hatte.
Ich fühle mich in die großen Nationalparks der Südweststaaten versetzt. Monument Valley, Grand Canyon, ...
Nur ist das hier kein Sandstein, sondern Vulkanasche, das Ganze ist in nur 100 Jahren entstanden.
Und es gibt vergletscherte Vulkane als Kulisse!

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Unten fließt Little Colorado

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Was für ein großartiger Spielplatz!
Noch viele, viele Stunden könnte ich hier verbringen.
Aber das ist ja erst der Anfang des Rückweges. Ich weiß nicht, was mich noch erwartet, also reiße ich mich los und mache mich auf dem Weg.

Nach weiteren Bachquerungen, die ich alle nach einiger Suche nach geeigneten Stellen mit Rock hopping überwinden kann, und der Entdeckung eines Flusses, den es weiter unten im Tal nicht mehr gibt (er muss irgendwo unterirdisch weiterfließen, noch so ein Hades-Fluss), komme ich schließlich wieder an meinem Zelt-See an.
Allerdings weit oberhalb auf einer Moräne.
Mein Zelt ist zu winzig um es links am Ausgang des Sees auf der flachen Sandbank zu entdecken.

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Auch dieses war wieder ein großartiger Tag mit Sonne und vielen spannenden Entdeckungen!


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Am nächsten Morgen lasse ich mein Zelt hier stehen.
Ich möchte über den Katmai Pass auf die Südseite der Vulkan-Kette schauen.
In einer meiner Karten sind dort unten in einem Tal hot springs eingezeichnet.

Als kleines Warming Up Abenteuer entdecke ich gleich hinter meinem Zelt einen Canyon, durch den früh morgens nur wenig Wasser fließt.
(Abends führen Schmelzwasserläufe häufig mehr Wasser.)
Ob ich durch diese Schlucht aus meinem See-Kessel herauskomme? Ich versuche es.

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Es klappt! Ich liebe diese Mini-Expeditionen.
Ich finde einen Weg, zwischen Gletscher-Schrund und Vulkanasche zum Katmai Pass hinaufzusteigen.
Hier oben ist eine riesige Ebene, die den Spuren nach die Karibus als Treffpunkt dient. Leider kann ich kein einziges Tier entdecken.

Keiner der Ranger im Brooks Camp und auch sonst niemand, mit dem ich vorher über dieses Tal gesprochen hatte, konnte mir sagen, was hinter diesem Pass kommt.
So weit verirrt sich wohl kaum mal jemand hier herein.

Einem breiten, ausgetrockneten Flussbett folge ich jenseits des Passes nach Süden hinab.
Einige riesige Boulder liegen verstreut herum.

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Was meine Karte nicht zeigt sind die riesigen Lava-Ströme des Trident, der 1953-74 wiederholt ausgebrochen ist. Er qualmt aus allen Ritzen, aber nicht doll.

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Einige der Lava-Ströme engen das Bett des Mageik Creek arg ein. Hier müsste ich entweder über diesen Lavaberg steigen
oder immer wieder durch den Fluss queren um dorthin zu gelangen, wo ich die heißen Quellen vermute.

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Ich folge einem kleinen Bach ...

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... und stehe nach Umrunden einer Moräne plötzlich in einem kleinen Paradies!

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Eine blühende, grüne Oase mitten in der Vulkan-Wüste, in der Mitte ein sprudelnder, klarer Gletscherbach!
Ich bin überwältigt, begeistert!

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Einen großen Teil des Nachmittages verbringe ich hier und und fühle mich wie Alice im Wunderland.
Schließlich mache mich auf den Rückweg und versuche mal wieder ein Selfie.

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Wieder zurück bei meinem Schneckenhaus wird es Zeit, endlich einen Sockenschuss zu bekommen :)
Mt. Mageik ist eine würdige Kulisse.

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Und so geht wieder ein wundervoller Tag zu Ende.

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Respekt, Respekt vor Deiner Leistung, liebe Sylvia!

Wunderbare Bilder (das mit dem großen Vogel über dem Baked Mountain finde ich hammermäßig) die Du uns da wieder zeigst, verbunden mit vielen Infos über ein, mir bislang unbekanntes Valley.

Deinen Mut zu solchen Expeditionen kann man nur demütig bewundern!

Gruß
Molly
 
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Angesichts dieses Berichtes habe ich überlegt, ob ich eventuell mit der Schilderung einer Abenteuerreise durch die Lüneburger Heide gegenhalten kann, sozusagen Abenteuer für das kleine Budget. Aber das scheitert schon daran, dass die hierzulande anstelle von Bären vorkommenden Heidschnucken keine Lachse fangen - nicht mal Stichlinge :frown1: .... und der Wilseder Berg spuckt auch keine Lava, höchstens Touristensströme.

Gut, eine Fahrt mit dem ERIXX von Buchholz nach Hannover kann durchaus zum Abenteuer ausarten - neue Täler werden dabei aber auch nicht entdeckt, höchstens Abgründe, teilweise durchaus menschlicher Natur.

Kurz und sehr gut: Deine Bilder sind in Verbindung mit Deinen Schilderungen für mich kaum zu übertreffen. Habe ich die letzten Bilder gesehen, freue ich mich auf die Nächsten.

Vielleicht solltest Du irgendwann einmal Deine Reisen zu einem gut bebilderten Buch zusammenfassen, ich wäre Dein erster Kunde.

Danke!

Wolfgang
 
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Ist das nicht eine großartige Kulisse beim Frühstück?!

Es war bis dahin immer ordentlich windig, wenn ich am Zelt war.
Nun ist es windstill und der See spiegelt so schön.
Ich komme aus dem Zelt, sehe das glatte Wasser,
schnappe mir sofort die Kamera und renne auf den Hügel hinter mir.
Renne hin und her und suche nach dem Bild, bevor der Wind wieder einsetzt.
Ich finde jedoch keinen Punkt, wo ich den gespiegelten Berg und das Zelt auf ein Bild bekomme.
Das Zelt steht zu nah am Abhang.

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Spontan beschließe ich, dass ich dann eben das Zelt so stellen muss, dass es ins Bild passt.
Doch nun kommt etwas Wind auf. Damit ist die Spiegelung dahin. Keine Eile mehr.
Ich frühstücke also erst einmal.

Während ich anschließend meine Sachen packe, lässt der Wind wieder nach. Ich beeile mich und stelle das Zelt näher ans Wasser.
Sause wieder den Hügel rauf und versuche es noch einmal.

Ganz windstill wird es nicht mehr, aber so gefällt es mir auch.

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Was für ein wundervoller Platz! Was für ein Glück ich mit dem Wetter habe!

Leider muss ich mich heute auf den Rückweg begeben.
Morgen früh holt mich der Bus wieder ab und bringt mich zurück ins Bärencamp.

Nachdem ich beide Arme des Upper River Lethe durchquert habe, folge ich dem Canyon nach Norden.
Mich begeistern die vielen buntgestreiften "Felsen".
Dieser hier ist geschätzt 4 m hoch.

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Dort, wo die Buttress Range an den Lethe Canyon stößt, fließt ein kleiner Creek in den Fluss hinunter.
Ich folge ihm und freue mich, dass keine hohen Felsstufen mich abhalten.
So gelange ich tatsächlich bis unten an den Fluss, in den Canyon hinein.

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Ich erreiche den Windy Creek, durchquere ihn und stelle an seinem Ufer mein Zelt auf.
Unterwegs habe ich so viele Beeren gefuttert, dass ich fast kein Abendessen mehr brauche.
Den Abend nutze ich, um mich im Fluss mal wieder so richtig zu waschen :)

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Ich mag deine Erlebnisse in Wort und Bild gleichermassen, Sylvia. Das Bild mit dem "Himmelvogel" und dem Pflänzchen im Vordergrund finde nur genial ... :):up::up::up:
 
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WOW! Ich bin begeistert. Ein ganz "anderes", für mich bisher völlig unbekanntes Alaska, in das du uns da entführst.

Keiner der Ranger im Brooks Camp und auch sonst niemand, mit dem ich vorher über dieses Tal gesprochen hatte, konnte mir sagen, was hinter diesem Pass kommt.
So weit verirrt sich wohl kaum mal jemand hier herein.

Glückwunsch zu deinem Forscherdrang. Es sind nicht vielleicht einzelne Landstriche auf diesem Planeten nach/von dir benannt worden?:)
 
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Heute muss ich endgültig zusammenpacken.
Um 11 kommt der Bus. Wenn keine Touris mitkommen, fährt er gleich wieder runter.

Durch dichte Blumen und Büsche steige ich den Hang hoch.

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Ein Blick zurück - ich verabschiede mich vom Mount Mageik,
unter dessen Gletschern ich nun fast eine Woche lang eine so phantastische Zeit hatte.

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Ich habe Glück, es sind noch Tagesgäste mit im Bus. Daher fährt der Bus erst nachmittags zurück und ich habe Zeit, die wirklich lohnende Ausstellung im Visitor Centre anzusehen und einen breiten Pfad hinunter in den Canyon zu laufen, wo der River Lethe mit dem Knife Creek sich zum Ukak River vereinigt.

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Es fällt mir schwer zu schätzen, wie hoch die Wände sind. Aber 50-60 m sind sie sicher. Es steht auch nichts und niemand dort herum, der als Maßstab geeignet wäre. Das ist bei Solo-Touren manchmal etwas ungünstig. Und ich denke nicht immer daran, mich selbst als Selfie zu inszenieren.

Zum Abschluss noch ein Bild, das einen ganz guten Überblick über einen großen Teil des Valley Of Ten Thousand Smokes gibt.
Leider bewölkt es sich gerade, die Kontraste und bunten Farben kommen nicht so recht durch.

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Herzlichen Dank euch allen für´s Reinschauen, für Thanks & Thumbs und besonders freue ich mich immer über eure Kommentare!

Viele Grüße,
Sylvia


Sobald ich Kocher und sämtliche Reißverschlüsse vom Lava-Staub befreit und die Kamera gereinigt habe, geht es über Anchorage weiter in die Wrangell - St. Elias Mountains.
Ob das so toll wird, wie diese Tour durch das Vulkantal?

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Auch der 2. Teil - wunderschöne Bilder und eine traumhafte Reise. Einfach beneidenswert!!!

Danke schön fürs Dabei gewesen sein zu dürfen, Sylvia :4you:

Und dakommt noch die Vorfreude aud den 3. Abschnitt Deiner Abenteuer...:)
 
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Hi Sylvia
Kann mich den Lobpreisungen mal wieder nur anschliessen :).
Du zeigst hier eine Erlebnistiefe der anderen Art.Finde deine Tourenplanung und die Entdeckungen neuer Landschaften vom feinsten.
 
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Teil 1 war ja schon sehr hohes Niveau, aber mit deinen Vulkan-Geschichten schaffst du es auch Bärenerlebnisse zu überbieten. Klasse! :up:

Und besten Dank fürs zeigen! :)
 
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