Ziel dieser Diagramme ist es, ein Objektiv bewerten zu können, bzw. mit anderen vergleichen zu können. Und das leisten diese Diagramme m. E. auch ganz gut.
Genau so ist das. Dabei ermöglicht die geringere Ortsfrequenz, z. B. 10 Lp/ mm eine Aussage über die Darstellung gröberer Strukturen, während die höhere Ortsfrequenz, beispielsweise 30 LP/ mm, Aufschluss über die Fähigkeit des Objektivs gibt, auch feine Detail mit ausreichend Kontrast wiederzugeben.
Allgemein ausgedrückt sollte der Verlauf der niedrigen Ortsfrequenz auf der Y-Achse (Bildmitte bis zum Bildrand) möglichst gleichmäßig und ohne größere Wellen auf einem Niveau nicht unter 90 Prozent verlaufen. In den extremen Außenbereichen des Bildes sind auch Werte zwischen 80 und 90 Prozent noch akzeptabel. Wenn dieser Anspruch erfüllt ist, kann man davon ausgehen, dass das Objektiv brillant abbildet. Bei Ortsfrequenzen von 5 oder 10 Lp/ mm sind stärkere Schwankungen bzw. Ausreißer nach unten recht deutlich im Bild zu erkennen. Hier machen 5 Prozent mehr oder weniger schon etwas aus.
Bei Ortsfrequenzen von 30 oder 40 Lp/ mm ist der Toleranzbereich größer. Hohe Messwerte (über 60 Prozent) lassen hier auf ein Objektiv schließen, dass auch in der Lage ist feine Details gut abzubilden. Diese Linien geben also Aufschluss über das Niveau des Auflösungsvermögens. Ausgeprägtere Wellen im Kurvenverlauf sind hier insb. bei Weitwinkelobjektiven und großen Öffnungen nicht ungewöhnlich und - soweit sie auf einem nicht zu niedrigen Niveau verlaufen - kein Zeichen mangelnder Abbildungsleistung.
Wenn man MTF-Diagramme zum Vergleich verschiedener Objektive heranziehen will, ist es aber wichtig, dass die Diagramme unter identischen Voraussetzungen ermittelt wurden. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
1. Ableitung aus den Konstruktionsdaten
2. Messung bei einer Auswahl von Serienobjektiven
Bei der ersten Methode werden die zu erwartenden MTF-Ergebnisse quasi virtuell aus der optischen Rechnung abgeleitet. Ob ein Serienobjektiv diese Leistung tatsächlich erbringt, hängt vom Fertigungsniveau bzw. einer ausreichenden Berücksichtigung von Fertigungstoleranzen in der MTF-Simulation ab.
Bei der zweiten Methode werden "richtige" Objektive auf einem MTF-Prüfstand durchgemessen. Sinnvoll ist hier, nicht nur ein Objektiv zur Messung heranzuziehen, sondern mehrere Objektive zu messen. Prinzipiell ist diese Methode der ersten überlegen, weil ehrlicher.
Bei Zeiss und Leica kommt die zweite Methode zum Einsatz. Wie es bei Nikon aussieht, weiss ich nicht. Bei Leica vertritt man die Auffassung, dass für eine vernünftige Qualitätsbeurteilung eine Messung bei 5, 10, 20 und 40 Lp/ mm erfolgen sollte. Zeiss ermittelt (für die Datenblätter) Werte bei 10, 20 und 40 Lp/ mm. Grundsätzlich wünschenswert ist, dass die Blende für die simuliert bzw. gemessen wurde, angegeben wird. Sinnvoll ist auch, einmal die Leistung aufgeblendet und ein zweites mal leicht abgeblendet darzustellen. Dann kann man sich ein Bild davon machen, inwieweit sich die Abbildungsleistung durch Abblenden auf der optischen Achse und in den Randzonen steigern lässt.
Um auf die Ursprungsfrage zurückzukommen: Wenn K. Schroiff als "Messlatte" 50 Prozent Kontrastübertragung anlegt, berücksichtigt er damit automatisch auch die Kontrastleistung des Objektivs.