Hinter der Linse: Dein Fotokalender
Jeder Tag bietet einen Grund, die Kamera in die Hand zu nehmen. In unserer Artikelserie begleiten wir dich durch das Jahr und nutzen kuriose, emotionale und spannende Aktionstage als Inspiration für deine Fotografie. Wir liefern dir keine trockene Theorie, sondern frische Ideen, technische Kniffe und die nötige Portion Kreativität, um deinen Blick für das Besondere zu schärfen.
Heute haben wir einen Aktionstag, bei dem die Versuchung groß ist, die Kamera einfach liegenzulassen und stattdessen ein Buch in die Hand zu nehmen. Aber warum nicht beides? Bücher sind unglaublich vielseitige Fotomotive. Sie haben Farben und Formen, feine Strukturen und Gebrauchsspuren. Vor allem aber erzählen sie Geschichten – und genau das können wir für unsere Fotografie nutzen.
1. Ein Buch, eine Geschichte
Ein Buch auf einem Tisch ist erst einmal genau das – ein Buch auf einem Tisch. Dein Bild wird interessanter, wenn du etwas über das Buch oder den Menschen erzählst, der es liest. Überlege deshalb vor der Aufnahme: Welche Stimmung möchtest du erzeugen?Zu einem Krimi passen vielleicht hartes Seitenlicht und tiefe Schatten. Ein alter Roman kann neben einer Lesebrille oder auf einem abgenutzten Holztisch liegen. Beim Reisebuch passen Karte, Kompass oder ein Gegenstand aus dem beschriebenen Land ins Bild. Dafür brauchst du keine aufwendige Studiobeleuchtung. Schon seitlich einfallendes Fensterlicht kann die Struktur von Papier und Einband herausarbeiten und deinem Stillleben Tiefe geben.
Wenn du noch etwas tiefer in die Gestaltung einsteigen möchtest, findest du in unseren 10 Tipps für eine bessere Bildkomposition weitere Anregungen und praktische Beispiele.
2. Ganz nah dran: Papier, Schrift und Spuren
Bücher wollen nicht nur gelesen, sondern auch angefasst werden. Aber wie lässt sich diese haptische Seite in einem Foto sichtbar machen? Geh einmal richtig nah heran. Fotografiere die Fasern eines alten Papiers, ausgefranste Seiten, einen geprägten Einband, die Typografie oder die Rundung eines aufgeschlagenen Buches. Mit geringer Schärfentiefe kannst du gezielt eine einzelne Stelle hervorheben und den Rest des Bildes in Unschärfe verschwinden lassen.
Aber Vorsicht: Je näher du an dein Motiv herangehst, desto kleiner wird der scharf abgebildete Bereich. Eine möglichst weit geöffnete Blende ist deshalb nicht automatisch die beste Wahl. Probiere verschiedene Einstellungen aus und kontrolliere, ob tatsächlich das scharf ist, was du zeigen möchtest.
3. Zwischen den Regalen
Wenn dich der Kauf-ein-Buch-Tag inspiriert, dann landest du heute vielleicht ohnehin in einer Buchhandlung. Auch Bibliotheken sind fotografisch spannende Orte. Lange Regalreihen bieten Linien, Wiederholungen und manchmal nahezu perfekte Symmetrien. Probiere auch folgendes: Stelle dich zuerst genau in die Mitte eines Ganges und danach bewusst daneben. Schon eine kleine Veränderung des Standpunkts kann aus demselben Motiv zwei völlig unterschiedliche Bilder machen.
Auch Menschen können solchen Bildern Leben geben: eine Person, die zwischen den Regalen nach einem Buch sucht, eine Hand, die nach einem Buchrücken greift, oder jemand, der in einer Leseecke völlig in einer Geschichte versunken ist.
Aber: Eine Buchhandlung ist kein öffentliches Fotostudio. Frag vorher, ob du fotografieren darfst. Und wenn andere Menschen erkennbar Teil deines Bildes werden, behalte bitte auch deren Persönlichkeitsrechte im Blick.
Inspiration aus unserer Community: Wie unterschiedlich sich Bibliotheken fotografisch in Szene setzen lassen, zeigen unsere Mitglieder in ihren Bildserien aus dem Bibliothekssaal des Klosters Wiblingen, der Stiftsbibliothek St. Gallen und der Stadtbibliothek Stuttgart.
Technik-Tipp: Schärfe bewusst setzen
Bei einer Detailaufnahme kann eine bestimmte Struktur oder ein einzelnes Wort der wichtigste Punkt sein, beim Stillleben vielleicht der Buchtitel oder ein Gegenstand, der für deine Bildgeschichte wichtig ist.Und: Ein Stativ kann bei einem sorgfältig aufgebauten Stillleben sehr hilfreich sein. Nicht unbedingt, weil du die Kamera sonst nicht ruhig halten könntest, sondern weil dein Bildausschnitt gleich bleibt, während du Licht, Buch und Requisiten veränderst.
Challenge für heute: Ein Buch verlässt das Bücherregal
Such dir ein Buch aus, das dir etwas bedeutet, und fotografiere es an einem Ort, der zu seiner Geschichte passt. Der Krimi darf in den düsteren Wald. Das Reisebuch mit nach draußen. Der Gartenratgeber zwischen die Blumen. Okay, bei manchen Büchern wird es vielleicht etwas schwieriger ;-)Es geht nicht darum, ein perfektes Produktfoto des Buchcovers zu machen. Erzähl mit deinem Foto etwas über das Buch.
Und jetzt du!
Fotografie lebt vom Mitmachen. Wir hoffen, diese Tipps inspirieren dich dazu, heute selbst auf Motivsuche zu gehen. Schnapp dir deine Kamera – und diesmal auch ein Buch – und probiere es aus!Hier kannst du dich anmelden.