Medicus schrieb:Ich finde das Bild für gelungen. Warum? Bevor ich den Text las, glaubte ich eine Strassenszene aus der DDR in Ostberlin vor mir zu haben. Das damals im Alltag und auch in den Köpfen vorherschende Grau des ehemaligen Ostblocks kommt hier super rüber. Bevor ich gefragt werde: Nein, ich war nie in der DDR, aber in Ungarn vor der Revolution und gleich nachher in der damaligen CSR.
Genaus das ist die Kunst der Photographie, durch entsprechende Technik und Darstellung eine Eindruck zu vermitteln. Das kann dieses Bild. In Farbe/Digital wäre es wirklich eine völlig banale sinnlose Aufnahme.
Und v.a. kommt man dann zu scharfen Abzügen ganz ohne Nachschärfen, das wenn man in den weiten des Netzes Bilder betrachtet wohl das schwiergste überhaupt ist.woici schrieb:ich habe mir sagen lassen, dass es auch scharfe negative gibt...
Medicus schrieb:In Farbe/Digital wäre es wirklich eine völlig banale sinnlose Aufnahme.
woici schrieb:wenn der "/" bei dir "und" bedeutet, würde ich dir wahrscheinlich recht geben
wenn "/" aber "oder" bedeutet, ist das schlicht und ergreifend nicht richtig... gerade bei so einer aufnahme mache ich wetten, dass du keinen unterschied zwischen analog und digital siehst...
Ich denke es ist einfacher ein Bild direkt in s/w aufzunehmen und dann ggf. - so man es denn kann (ich kann es nicht) - im Labor in gewisser Weise Einfluss auf den letzten Schliff nehmen zu können als ein Bild in Farbe digital vorliegen zu haben und sich dann überlegen zu müssen, ob sich EBV insoweit lohnt, als dass ein wirkungsvolles s/w-Bild dabei rauskommt.bk.968 schrieb:vielleicht kann es mir jemand erklären, mir will das partout nicht in den schädel:
einen workflow a la
f-cam (ggf d-cam in der ecke) -> sw -> labor(!) -> scanner -> unterlassene ebv -> internet
kann ich nicht nachvollziehen ...
bk.968 schrieb:kann ja jeder halten wie ein dachdecker, nur ich habe lieber perfektes ausgangsmaterial (technisch), das ich dann künstlerisch verunstalten kann, als ein körniges und unscharfes negativ, das dann zwangsweise bleiben muss, was es ist.
woici schrieb:gerade bei so einer aufnahme mache ich wetten, dass du keinen unterschied zwischen analog und digital siehst...
Ich würde es sogar noch krasser formulieren. In manchen Foren (hier noch am relativ seltensten) kommt bei einer Bilddiskussion spätestens im dritten Beitrag der unvermeidliche "ich hab das mal eben nach SW gewandelt ..." mit einem - erraten - Graubild. Meist in Kombination mit dem gleichfalls unvermeidlichen "ich habe da noch einen etwas anderen Beschnitt ...". Als ob man in Zeiten, da jeder den Bereich von 12mm bis 400mm lückenlos mit 3 Zooms rumträgt, den Ausschnitt nicht bei der Aufnahme bestimmen könnte. Nebenbei bemerkt hat mich das schon vor 20 Jahren erheitert, wenn am Diaprojektor diskutiert wurde, ob und wo man da eventuell noch was abkleben sollte.Klaus Brechbilder schrieb:eine leider öfter gestellte frage die mir stets würgreiz beschert "kann ich mit einer umwandlung in sw aus diesem bild noch etwas heraus holen ?"
tengris schrieb:Als ob man in Zeiten, da jeder den Bereich von 12mm bis 400mm lückenlos mit 3 Zooms rumträgt, den Ausschnitt nicht bei der Aufnahme bestimmen könnte.
dongil schrieb:Es ist zum Teil diese "Beliebigkeit" der digitalen Fotografie, die mich nach kurzer Faszination als "Möglichkeit" zunehmend störte.
24_TD schrieb:Als digitaler "Lichtschreiber" lege ich mich nicht mehr fest. RAW, Blende rauf, runter. Ratzfatz nachschärfen. Sattmachen. Alles geht - hin und her, vor und auch wieder zurück.
Ja klar, der Film hat einen weiten Belichtungsspielraum (wenn ich in irgendeines unserer Digitalforen reinschneie und sowas von mir gebe, dann bekomme ich doch Haue, wo man doch mit RAW weit mehr als 12 Blenden usw...) Und was das Abziehen in sehr weiten Grenzen angeht - nun, da ist die Frage was hinterher auch noch mit vernünftigem Aufwand beherrschbar ist.volkerm schrieb:Das liest sich so bombastisch und ist doch so falsch.
Schon alles vergessen, was in der DuKa passiert? Mit S/W Filmen habe ich noch mehr Belichtungsspielraum als digital und durch die Auswahl der Papiergradation kann ich das Bild in sehr weiten Grenzen nach Bedarf abziehen. Ausschnitte? Na klar, auch das. Das ist doch analog kein bisschen anders.
volkerm schrieb:Schon alles vergessen, was in der DuKa passiert?
volkerm schrieb:Mit S/W Filmen habe ich noch mehr Belichtungsspielraum als digital und durch die Auswahl der Papiergradation kann ich das Bild in sehr weiten Grenzen nach Bedarf abziehen.
Ha, ich sage zwar auch immer man soll sich festlegen und nicht rumeiern, aber so schön wie Dir hier ist mir diese Aussage noch nicht gelungen.Klaus Brechbilder schrieb:wenn ich einen 400asa silberfilm in die kamera stecke und ihn nach 800 asa belichte ist mein körniges negativ ein perfektes ausgangsmaterial. nur muß ich vorher wissen was ich will und wie ich es erreiche und ich muß 'nen hintern in der hose haben mich festzulegen.
Das ist es eben, wenn einer selbst noch nicht weiss was er will, dann kann man eigentlich auch nicht helfen. Für mich klingen solche Fragen immer nach absoluter Hilflosigkeit der eigenen Bilder gegenüber. Sobald ich so eine Frage stellen muss, sollte ich das Bild eigentlich löschen.Klaus Brechbilder schrieb:eine leider öfter gestellte frage die mir stets würgreiz beschert "kann ich mit einer umwandlung in sw aus diesem bild noch etwas heraus holen ?"
Darum mache ich mir ja jetzt überhaupt keine Sorgen. Wenn ich in der Dunkelkammer einen Lithabzug herstelle, dann kannst Du sicherlich in Photoshop ein ähnliches und vielleicht auch besseres Bild erstellen. Nur habe ich hinterher einen Lithabzug in der Hand und Du etwas, was bestenfalls so aussieht wie ein Lithabzug. Für den unbedarften Betrachter macht das keinen Unterschied. Aber für mich. Und das ist ein ausreichender Grund für mich eben weiterhin Lithabzüge herzustellen.bk.968 schrieb:... auch das bild derer, die sich um die exklusivität fürchten, die unwiederbringlich verloren geht.
Nun, da bin ich jetzt aber echt gespannt. Mein Antrieb noch immer in die Dunkelkammer zu gehen ist eigentlich hauptsächlich, dass mir die Arbeit dort wesentlich mehr Spass bereitet als vomr Rechner sitzend EBV zu betreiben. Mal sehen wie digital das übertreffen will. Tztztzbk.968 schrieb:... es ist eine frage von sehr wenig zeit, bis digital die stagnierende s/w-technologie in allen belangen übertrifft.
Wodurch geht Dir das verloren? Das hat doch mit digital und analog überhaupt nichts zu tun.bk.968 schrieb:das einzige was ich bedaure ist einmal mehr die langsamkeit, die entschleunigung, die verloren geht.
Tim, das ist meines Erachtens großer Quatsch. Auf Film zu fotografieren kann genauso beliebig sein. Jeder der eine Kamera benutzt kann die Fotos mit dem Sucher gestalten. Dass ein Filmnutzer Bilder bewuster gestaltet, das halte ich für eine, in der Analogfraktion, gern gepflegte urban legend.24_TD schrieb:... Ich kritisiere die Beliebigkeit des RAW, die Beliebigkeit des Auslösens. Klick, klick, klick - 3.500 Dateien in drei Tagen. Analog lege ich mich beim Auslösen fest und zwar beim Blick durch den Sucher und nicht an der Mattscheibe oder am LCD Display. Das Ergebnis sind Fotos, bei denen man die Handschrift des Fotografen erkennen kann.
rstobbe schrieb:Jeder der eine Kamera benutzt kann die Fotos mit dem Sucher gestalten.
bk.968 schrieb:und wieviele hatten überhaupt eine duka?
fotografie bekommt neue möglichkeiten, es ist eine option, die die traditionalisten nutzen könnten, nicht müssen.
das romantisch verklärte bild, das präsentiert wird, ist das derer, die die alte technik beherrschen. auch das bild derer, die sich um die exklusivität fürchten, die unwiederbringlich verloren geht. zum teil das bild derer, die ihren wissensvorsprung mit kunst oder meisterhaftem handwerk verwechseln, also die bearbeitung vor das auge stellen.
tapfer sein, s/w ist nische. es wird nie wieder das geld geben, das notwendig wäre um mit der rasanten digital-entwicklung schritt zu halten. es ist eine frage von sehr wenig zeit, bis digital die stagnierende s/w-technologie in allen belangen übertrifft. dino-schiksal eben, ein paar werden übrig bleiben und das ist auch gut so (es gibt ja auch noch füllfederhalter). das einzige was ich bedaure ist einmal mehr die langsamkeit, die entschleunigung, die verloren geht.
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