Hallo zusammen,
heute morgen kam der freundliche Postbote und hat mir ein Päckchen vorbeigebracht. Da ich ein paar Tage krankgeschrieben bin, den Mund möglichst halten soll, aber sonst fit bin, hatte ich heute Zeit mich ausgiebig mit dem Inhalt des Päckchens zu beschäftigen.
Dem Novoflex Classicball 5. Eigentlich sollte es ja der große RSS Kugelkopf werden, aber das ist eine andere, ziemlich lange Geschichte.
Da wollte ich die neue große Stativ-Kopf Kombination gegen meine ältere, durchaus bewährte Manfrotto Kombi antreten lassen. Damit man auch kleine Unterschiede sehen kann, habe ich mich beim Objektiv für das Nikkor AF-S 4/300mm mit Burzynski Schelle entschieden.
A) Gitzo Stud. Ref. 415 und Novoflex Classicball 5.
B) Manfrotto 055ProB und Manfrotto Kugelkopf 488RC2
Zunächst ein paar Worte zum Handling. Die Gitzo-Novoflex Kombination ist deutlich schwerer. Das Gitzo Stativ aus der Serie 4 ist stabil, vom Handling her merkt man ihm seine Jahre aber an. Neuere Gitzos haben an den Beinen eine Verdrehsicherung, die Auf- und Abbau entspannter gestaltet. Steht das Stativ aber einmal, dann steht es wirklich gut. Die Höhe ohne Mittelsäule (die sich wie bei den neueren Systematic Stativen durch eine Platte ersetzen lässt) wurde ausgebaut.
Über die Friktion am Classicball scheiden sich in den Foren die Geister. Ich finde die Lösung bis jetzt praktisch, allerdings kenne ich die Lösungen von Arca, Markins und Co auch nur vom kurzen Ausprobieren. Für meine kurzen Objektive wird es so sein, dass man sich für das entsprechende Objektiv einfach nur die passende Nummer merken muss, auf diese dann einstellt und schon passt es. Wie das bei Schwenk bei größeren Teleoptiken ist, werde ich ausprobieren, sobald sich eine Gelegenheit dafür bietet.
Bei 300mm ist mir bisher nicht aufgefallen, dass sich die eingestellte Position des Novoflex Kugelkopfes noch einmal verändert. Bei vielen anderen einfacheren Kugelköpfen inkl. meines Manfrottos ist das ein echtes Problem. Gerade im Nah und Makrobereich bringt das einen manchmal an den Rand der Verzweiflung. Aber wie gesagt, hier scheint es zu passen. Die Verarbeitung des Kugelkopfes macht einen sehr wertigen Eindruck.
Die zweite Kombination ist sicherlich vielen bekannt. Das Manfrotto ohne Mittelsäule und der Manfrotto Kugelkopf, der keine Friktion hat. Für den Vergleich wurde ein Beinsegment des Stativs etwas eingefahren, damit die Höhe dem des Gitzo Statives in etwa entspricht. Die Klemmung der Beine beim Manfrotto und damit dessen Auf- und Abbau geht deutlich schneller als beim Gitzo. Aber darin sehe ich auch eine der Probleme. Die Beine haben für meinen Geschmack etwas zu viel Spiel in der Führung und verwinden sich leichter, wenn man z.B. oben an der Platte unterhalb des Kugelkopfes dreht.
Nun zum persönlichen Testaufbau. Von meiner Terrasse aus habe ich einen Schornstein fotografiert, der etwa 10 Meter entfernt steht. Alle Aufnahmen wurden mit Fernauslösenkabel gemacht. Je eine Aufnahme mit Mup, eine mit der Spiegelvorauslösung im Menü und eine ohne Spiegelvorauslösung.
Die hier gezeigten Bilder sind bei Blende 6 und 1/20sek entstanden. Es handelt sich um Varianten ohne jegliche Spiegelvorauslösung, weil ich ja gerade sehen wollte, ob der größere Kopf/das größere Stativ mehr Reserven bringen. An einem windstillen Tag würde man mit Spiegelvorauslösung nicht mehr viel Unterschiede sehen, das habe ich heute auch feststellen können.
Hier nun ein Screenshot aus Capture mit zwei 100 % Ausschnitten. Beim Betrachten war ich zunächst fast etwas enttäuscht. Erst wirkte das untere Bild knackiger auf mich, dann habe ich aber festgestellt, woran das liegt. Der Eindruck ähnelt dem eines überschärften Bildes mit Doppelkonturen. Und genau diese Doppelkonturen sieht man im unteren Bild überall. An der Oberkante des Schornsteins oder an kleinen weißen Spitzern und Punkten im Bild lässt sich dies gut erkennen.
Das obere Bild ist zwar auch nicht knackig scharf, diese Konturen findet man bei ihm aber nicht, wodurch sich diese Bild besser für eine anspruchsvolle Nachbearbeitung eignen würde.
Ist hingegen im Menü der Kamera die Spiegelvorauslösung aktiviert, dann nähern sich die Ergebnisse beider Kombination (bei Windstille) an, bei Mup habe ich dann keinen Unterschied mehr sehen können.
Mein Fazit: Gute Stative und Köpfe bieten ein mehr an Reserven, das man nicht immer zwingend braucht bzw. bemerkt. Für einen Fotografen, der fast immer mit Mup arbeiten kann (z.B. bei Landschaftsfotografie) bieten sich vom besseren Handling des größeren Kopfs abgesehen kaum Vorteile, wenn er sich auf Brennweiten bis 200/300mm beschränkt. Dann sieht es allemal besser aus.
Werden die Bedingungen schlechter (Wind, leichte Bewegungen eines Tieres) und man möchte oder kann nicht mit Mup arbeiten, dann wird der Unterschied größer - allerdings auch bedingt durch das besser stehende Gitzo, das ich schon seit ein paar Wochen habe und auch bei schlechtem Wetter einsetzen konnte. Hier ist das Manfrotto vor allen Dingen dann unterlegen, wenn man alle Beinsegmente auszieht.
Hätte man zum Beipsiel die Doppelkonturen, wie sie im unteren Bild zu finden sind, auf einem Tierbild mit viel Fell oder Gefieder, dann wäre dieses Bild vermutlich unbrauchbar.
Es lohnt sich in ein gutes Stativ und einen entsprechenden Kopf zu investieren, weil damit die Zahl der fotografischen Situationen, in denen man nicht optimal gewappnet ist und Kompromisse eingehen muss, verringert werden kann.
heute morgen kam der freundliche Postbote und hat mir ein Päckchen vorbeigebracht. Da ich ein paar Tage krankgeschrieben bin, den Mund möglichst halten soll, aber sonst fit bin, hatte ich heute Zeit mich ausgiebig mit dem Inhalt des Päckchens zu beschäftigen.
Dem Novoflex Classicball 5. Eigentlich sollte es ja der große RSS Kugelkopf werden, aber das ist eine andere, ziemlich lange Geschichte.
Da wollte ich die neue große Stativ-Kopf Kombination gegen meine ältere, durchaus bewährte Manfrotto Kombi antreten lassen. Damit man auch kleine Unterschiede sehen kann, habe ich mich beim Objektiv für das Nikkor AF-S 4/300mm mit Burzynski Schelle entschieden.
A) Gitzo Stud. Ref. 415 und Novoflex Classicball 5.
B) Manfrotto 055ProB und Manfrotto Kugelkopf 488RC2
Zunächst ein paar Worte zum Handling. Die Gitzo-Novoflex Kombination ist deutlich schwerer. Das Gitzo Stativ aus der Serie 4 ist stabil, vom Handling her merkt man ihm seine Jahre aber an. Neuere Gitzos haben an den Beinen eine Verdrehsicherung, die Auf- und Abbau entspannter gestaltet. Steht das Stativ aber einmal, dann steht es wirklich gut. Die Höhe ohne Mittelsäule (die sich wie bei den neueren Systematic Stativen durch eine Platte ersetzen lässt) wurde ausgebaut.
Über die Friktion am Classicball scheiden sich in den Foren die Geister. Ich finde die Lösung bis jetzt praktisch, allerdings kenne ich die Lösungen von Arca, Markins und Co auch nur vom kurzen Ausprobieren. Für meine kurzen Objektive wird es so sein, dass man sich für das entsprechende Objektiv einfach nur die passende Nummer merken muss, auf diese dann einstellt und schon passt es. Wie das bei Schwenk bei größeren Teleoptiken ist, werde ich ausprobieren, sobald sich eine Gelegenheit dafür bietet.
Bei 300mm ist mir bisher nicht aufgefallen, dass sich die eingestellte Position des Novoflex Kugelkopfes noch einmal verändert. Bei vielen anderen einfacheren Kugelköpfen inkl. meines Manfrottos ist das ein echtes Problem. Gerade im Nah und Makrobereich bringt das einen manchmal an den Rand der Verzweiflung. Aber wie gesagt, hier scheint es zu passen. Die Verarbeitung des Kugelkopfes macht einen sehr wertigen Eindruck.
Die zweite Kombination ist sicherlich vielen bekannt. Das Manfrotto ohne Mittelsäule und der Manfrotto Kugelkopf, der keine Friktion hat. Für den Vergleich wurde ein Beinsegment des Stativs etwas eingefahren, damit die Höhe dem des Gitzo Statives in etwa entspricht. Die Klemmung der Beine beim Manfrotto und damit dessen Auf- und Abbau geht deutlich schneller als beim Gitzo. Aber darin sehe ich auch eine der Probleme. Die Beine haben für meinen Geschmack etwas zu viel Spiel in der Führung und verwinden sich leichter, wenn man z.B. oben an der Platte unterhalb des Kugelkopfes dreht.
Nun zum persönlichen Testaufbau. Von meiner Terrasse aus habe ich einen Schornstein fotografiert, der etwa 10 Meter entfernt steht. Alle Aufnahmen wurden mit Fernauslösenkabel gemacht. Je eine Aufnahme mit Mup, eine mit der Spiegelvorauslösung im Menü und eine ohne Spiegelvorauslösung.
Die hier gezeigten Bilder sind bei Blende 6 und 1/20sek entstanden. Es handelt sich um Varianten ohne jegliche Spiegelvorauslösung, weil ich ja gerade sehen wollte, ob der größere Kopf/das größere Stativ mehr Reserven bringen. An einem windstillen Tag würde man mit Spiegelvorauslösung nicht mehr viel Unterschiede sehen, das habe ich heute auch feststellen können.
Hier nun ein Screenshot aus Capture mit zwei 100 % Ausschnitten. Beim Betrachten war ich zunächst fast etwas enttäuscht. Erst wirkte das untere Bild knackiger auf mich, dann habe ich aber festgestellt, woran das liegt. Der Eindruck ähnelt dem eines überschärften Bildes mit Doppelkonturen. Und genau diese Doppelkonturen sieht man im unteren Bild überall. An der Oberkante des Schornsteins oder an kleinen weißen Spitzern und Punkten im Bild lässt sich dies gut erkennen.
Das obere Bild ist zwar auch nicht knackig scharf, diese Konturen findet man bei ihm aber nicht, wodurch sich diese Bild besser für eine anspruchsvolle Nachbearbeitung eignen würde.
Ist hingegen im Menü der Kamera die Spiegelvorauslösung aktiviert, dann nähern sich die Ergebnisse beider Kombination (bei Windstille) an, bei Mup habe ich dann keinen Unterschied mehr sehen können.
Mein Fazit: Gute Stative und Köpfe bieten ein mehr an Reserven, das man nicht immer zwingend braucht bzw. bemerkt. Für einen Fotografen, der fast immer mit Mup arbeiten kann (z.B. bei Landschaftsfotografie) bieten sich vom besseren Handling des größeren Kopfs abgesehen kaum Vorteile, wenn er sich auf Brennweiten bis 200/300mm beschränkt. Dann sieht es allemal besser aus.
Werden die Bedingungen schlechter (Wind, leichte Bewegungen eines Tieres) und man möchte oder kann nicht mit Mup arbeiten, dann wird der Unterschied größer - allerdings auch bedingt durch das besser stehende Gitzo, das ich schon seit ein paar Wochen habe und auch bei schlechtem Wetter einsetzen konnte. Hier ist das Manfrotto vor allen Dingen dann unterlegen, wenn man alle Beinsegmente auszieht.
Hätte man zum Beipsiel die Doppelkonturen, wie sie im unteren Bild zu finden sind, auf einem Tierbild mit viel Fell oder Gefieder, dann wäre dieses Bild vermutlich unbrauchbar.
Es lohnt sich in ein gutes Stativ und einen entsprechenden Kopf zu investieren, weil damit die Zahl der fotografischen Situationen, in denen man nicht optimal gewappnet ist und Kompromisse eingehen muss, verringert werden kann.
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