...
Um mal auf ein anderes, dem Vernehmen nach Dir
wohlvertrautes Themenfeld zu wechseln:
Als ich vor vielen Jahren begann, mich mit Weinen
zu beschäftigen, da war ich völlig ahnungslos und
hatte genau ein einziges Bewertungskriterium (für
mich): "Schmeckt, schmeckt nicht …"
Ein bißchen arg dürftig, oder? Also erschloß ich mir
systematisch die Welt des Weins und sammelte
Erfahrungen ("Teuer angetrunken"). Heute kann ich
blind Rebsorten, Stilistiken und Anbaugebiete mit
einiger Sicherheit benennen, was die Qualität und
Relevanz meines Urteils unzweifelhaft steigert.
Statt des rein subjektiven "Schmeckt mir nicht …",
das hermetisch und anderen nicht zugänglich ist,
kann ich heute für andere nachprüfbar feststellen:
"Schmeckt nicht, weil … Tannine nicht sauber
eingebunden, zu holzbetont usw. …"
Erst solche objektiven Kriterien ermöglichen eine
Diskussion, die dem Thema gerecht wird. Jedoch
bedarf es dazu (auch) einer gemeinsamen Sprache
und Erfahrung. Wenn ich Dir die Nase eines Weines
als "der Duft frischer Eukalyptuszweige" beschreibe,
dann wird es Dir nur dienlich sein, wenn Du bereits
einmal diesen Duft gerochen, also erfahren hast.
Fehlt Dir diese Erfahrung und finde ich keine andere
Beschreibung, die Deiner Erfahrungswelt entspricht
(was in diesem Fall nahezu unmöglich sein dürfte),
dann werden wir uns zumindest über diesen Aspekt
des Weines nicht sachgerecht austauschen können.
Nun, mit Bild-Kritik ist es ganz genauso …
Mit der hier gern gepflegten Plümchen- und Hunde-
Fotografie habe ich nun wahrlich nichts am Hut,
aber ich bin sehr wohl in der Lage, gestalterische
Qualität zu erkennen, zu analysieren und in Worte
zu fassen. Unabhängig von meinen Vorlieben …
Dies halte ich übrigens für einen wichtigen Aspekt
guter Kritik: Man muß sich die Fähigkeit bewahren,
Neuem und Unbekannten gegenüber offen zu sein,
empathisch seinem Sujet begegnen und dabei die
eigenen Vorlieben und auch Vor-Urteile möglichst
weit nach hinten stellen, am besten: ausblenden.
Da wir aber Menschen sind, deren Tagesform ja
durchaus schwankend ist, gelingt dies mal besser,
mal schlechter – was man deshalb tunlichst vorab,
also vor dem Verfassen einer Kritik berücksichtigen
sollte.
Hatte ich nicht etwas über Sam´s Katze geschrieben?
Und eines ist mir im Laufe der Jahre immer
klarer geworden – Erfahrung, Du darfst es gern
auch Weltwissen nennen, ist unabdingbar für
jedes qualifizierte Urteil.
vielleicht hilft ein Fragenkatalog ja eher dem Bildersteller als dem Kritiker
Fundierte Kritik erfordert Erfahrung. Punkt.
Im Falle der Bildkritik bedeutet dies Seh-Erfahrung.
Und die sammelt man am besten in Museen jeder
Art und Epoche anhand von Bildern jedlichen Stils.
Wobei es bei Beurteilungen von Fotos durchaus
nützlich ist, auch und gerade die Geschichte der
Fotografie èn detail verinnerlicht zu haben.
Denn auch wenn Kritik naturgemäß stets subjektiv
ist, stützt sich gute immer auf objektive Kriterien
bzw. Vergleichsmaßstäbe.
Wer dazu auch noch über die theoretischen bzw.
kunst- / fotohistorischen Komponenten verfügt
und – nicht zu vergessen, aber äußerst wichtig –
auch über das sprachliche Handwerkzeug verfügt,
dem dürfte es nicht schwerfallen, zu dem Objekt
seiner Kritik sich angemessen zu äußern.
Als Intermezzo erinnere ich an Georg Kreisler:
Als erfahrener Kritiker erlaube ich mir darüber
hinaus den Hinweis, daß die Wahl der Maßstäbe
von elementarer Bedeutung ist:
So ist die Leistung eines Schulorchesters anders
zu beurteilen als die eines Profi-Orchesters.
Anders gesagt:
Ein Foto von z.B. [MENTION=62181]Telewatt[/MENTION] (Jan) darf, ja muß
ich anders, durchaus strenger bewerten als jenes
eines blutigen Anfängers.
Aber eines ist auch klar:
Fairness und klare Kriterien verdienen beide
uneingeschränkt und gleichermaßen.
...Alle Bilder beurteile ich mit dem selben Maß!
...
Kann ich mir nicht vorstellen, Jan
Wenn Dir Deine Mutter/Schwägerin/Kumpel etc. Urlaubsbilder zeigen, dann wirst Du die doch sicher nicht nach formalen und technischen Gesichtspunkten beurteilen, oder? So geht es zumindest mir.
Und genau das sind die Leute, die überwiegend hier ihre Fotos zeigen.
Die Fragen auch nicht nach einer nach einer Bildkritik, sondern wollen Ihre Erlebnisse teilen ...
Da kommt schon öfter mal die Frage "was sagst Du als Profi denn zu dem oder dem Bild..."
...
Für mich ist die Frage auch nicht eine ernsthafte Aufforderung zu einer ausführlichen Bildkritik. Da geht es eher darum ein paar Höflichkeiten auszutauschen, als nach dem Wunsch die Wahrheit zu hören. Wenn dich im vorbeigehen eine flüchtige Bekanntschaft nach Deinem befinden fragt, schüttest Du ihr auch nicht gleich Dein Herz aus...
VG
Wenn wir uns aber hier auf's Forum beziehen und explizit um Postings in der Bildkritik, dann sollte es relativ egal sein wie erfahren das Mitglied ist.
VG
Aber der Anspruch, an dem ich mich messen möchte, ist das "perfekte Bild". Daß ich da nicht bin, es vielleicht auch nie erreiche, damit kann ich gut und muß ich leben.
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