Komponenten und Merkmale der Bildkritik

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Das ist wahr. Face to face macht einen riesigen Unterschied gegenüber dem geschriebenen Wort.
Ich hatte selbst vor einiger Zeit in der 'fotocommunity' die Formulierung 'Das Foto ist ja ganz nett, aber ...' gewählt, und habe mir damit den Unbill des anderen Fotografen zugezogen, der damit sein Foto abgewertet sah. Im Nachhinein verständlich, obwohl ich es überhaupt nicht negativ gemeint hatte.
 
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Werner, aber das ist genau das Manko, das 70 % aller Menschen betrifft, die eine Kamera in die Hand nehmen.

Ja, vielleicht muss man nur oft genug auf den Auslöser drücken können, damit irgendwann ein halbwegs brauchbares Bild entsteht.

Ich denke, wir haben viele Mitglieder, die ein fotografisches Auge, einen fotografischen Blick haben, vielleicht noch ungeübt und nicht ausgebildet, aber als wichtige Anlage vorhanden.

Was nutzt das aber letztlich, wenn ich nicht weiss, dass ich den Nagel mit dem Hammer in die Wand klopfen muss und nicht umgekehrt?

 
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Bildsprache ist universal, daher halte ich erst mal jeden für "kompetent", zumindest kompetent genug, die Wirkung eines Bildes auf einen selbst als Betrachter beurteilen zu können.
Ob jemand auch ein kompetenter Kritiker/ Bildbesprecher ist steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Aber: kann es nicht auch hilfreich sein, von Zeit zu Zeit auch eine Meinung von jemand zu hören, der in einem ganz anderen fotografischen Thema zu Hause ist?
 
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Ich möchte zwischendurch einmal Danke sagen für die vielen konstruktiven und guten Beiträge, die ich bis heute lesen durfte.

:applaus1:

Ein erstes Fazit für mich ist, dass ich eine ganze Menge daraus lernen und gewinnen konnte und dass auch das Thema Bildbewertung, wie die Fotografie überhaupt, lebt und nicht statisch ist.

Parallel zum Lesen in diesem Thread bin ich schon dabei, meine Erkenntnisse in ein Schema zu bringen, das ich Euch gern nach unserem Irlandtreffen Mitte bis Ende September vorstellen möchte.

Aber ich wollte Euch in Euren Gedanken nicht unterbrechen!
 
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Klassisches Sender-Empfänger-Problem: "Ganz nett" heißt an sich ja so viel wie "ich will es nicht direkt "eher Müll" nennen, aber so richtig gut ist es auch nicht!", auch wenn Du "ganz nett" als "ja, ist ganz hübsch" meintest. Du hast das allerdings direkt selbst mit "aber" abgewertet und daher war die Reaktion nur allzu verständlich.

Überleg mal, wie folgender Ansatz angekommen wäre:

"Mir gefällt das Bild beim spontanen Betrachten, weil... <Argumente>.
Ich sehe Schwächen in folgenden Punkten: <nüchterne Aufzählung>.
Meiner Meinung nach ließe sich das Bild noch besser machen durch folgende Veränderungen: <wasauchimmerdumeinst>."

Ich denke, dass ein Bildautor darauf kaum eingeschnappt reagieren kann. Falls doch, handelt es sich um einen Narzissten, der sich gekränkt fühlt, und dann (s.o.) verkneift man sich besser jeglichen weiteren Kommentar zum Bild.

CB
 
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Ich finde das eine sehr gute Idee und würde mich gerne beteiligen an öffentlichen Bildkritiken.

Wir haben hier im Forum ja beide Bereiche: Bildkritik und anonyme Bildkritik.
Wobei die öffentliche sich tatsächlich "nur" dadurch unterscheidet, dass der Fotograf bekannt ist und mitdiskutieren kann.
Manchmal ist es vielleicht hilfreich, nicht zu wissen, wer der Fotograf ist, um Vorurteilen vorzubeugen.
Andererseits kann es hilfreich sein zu wissen, dass der Fotograf vielleicht Anfänger ist oder sich in einem neuen Bereich versucht. Oder wenn man seine fotografische Entwicklung miterlebt hat.

Face to face sind in einem Forum beide nicht. Das kann man nur im örtlichen Fotoclub oder auch an einem unserer Stammtische bekommen. Wir haben das hier schon hin und wieder gemacht und ich fand es jedesmal sehr interessant, die Meinung anderer im direkten Austausch zu erfahren und zu diskutieren. Ein Landschaftsbild, betrachtet von Akt-, Street-, Produkt-, Architektur-, Haustier-, Urlaubs-Fotografen.

Aber auch hier ist ein gewisses Vertrauensverhältnis hilfreich, dazu ein Mindestmaß an Sachverstand bei den Diskutierenden, damit begründete Argumente überhaupt eine Diskussion zulassen.
 
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Ich hab da noch einen Aspekt, der die Problematik der Kritik und der Feedback-Annahme etwas entschärfen könnte:

Wie wäre es, wenn derjenige, der das Bild beurteilt haben möchte, bereits bei der Einstellung seines Bildes eine Info zu seinem Bild abgibt.
Also z.B.
lange Zeit gewählt, weil ich eine Wischeffekt erreichen wollte;
große Blende gewählt, weil ich wenig Schärfentiefe haben wollte;
ich wollte die Umgegend in das Bild mit einbeziehen, um das Milieu zu verdeutlichen;
usw.

Dadurch wird der Fotograf gezwungen, sich selbst mit seinem Bild auseinanderzusetzen, macht es dadurch den Kritikern einfacher und nebenbei ist der Fotograf wahrscheinlich auch offener (auch für negativere Kritiken) für Feedback

Wäre das ein gangbarer Weg? Was haltet Ihr davon?

Gruß
Wrtlbrmft
 
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Da möchte ich dir gerne wiedersprechen......

Du gehst davon aus, dass jeder seine Talente selber erkennt und umsetzt und wer es noch nicht gemacht hat, der hat vielleicht keine Talente für ein Thema....


Meine Erfahrung ist ganz anders!.......Fotografie gehört zu den Feldern der "brotlosen Kunst"......und das ist auch für die Masse auf jeden Fall richtig......


Daraus kommt es bei vielen auch nicht in den Fokus!......es wird zum Hobby, was ja auch sehr schön ist.....

...Talente schlummern da aber gewaltig!.....es wurde nur noch nie gefördert oder abgerufen!......

Mit einfachen Mitteln lässt sich da eine Tür öffnen, wenn man zu den Talentierten gehört....



Wenn ich mir z.B. den "Analog Wettbewerb" anschaue, da hat sich bei den Teilnehmern die Bildqualität über die 40 Durchgänge gewaltig gesteigert!!......

...klar, bei "Analog" haben viele erstmal einen "Rentnertisch" im Auge....aber es geht um Gestaltung, ein Thema erkennen und umsetzen und das noch mit "relativen" Zeitdruck!.......

...sowas bringt einen weiter!....man sieht zu einem Thema die verschiedenen Ideen und jeder lernt vom Anderen!...


Grüße,
Jan
 
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...

...Talente schlummern da aber gewaltig!.....es wurde nur noch nie gefördert oder abgerufen!......

Mit einfachen Mitteln lässt sich da eine Tür öffnen, wenn man zu den Talentierten gehört....

...



Ja, Jan, entschiedenes ja! Aber …


Wie sagte mir mal OP so schön:
Es reicht nicht, Talent zu haben, man muß es auch formen
und gezielt in eine künstlerische Richtung bringen.


Die Zahl hochbegabter Musiker, die mir im Laufe meines
Lebens begegnet sind, ist Legion – aber was ist aus den
allermeisten geworden … Selbst zeitweise höchstgefeierte
sind heute unter ferner liefen einzuordnen.

Es reicht einfach nicht auf Dauer, Talent zu haben, man
muß auch mit dem ganzen Drum und Dran klarkommen.
Daran sind schon viele gescheitert …


Ich hatte mal einen Bekannten, der war so gut in seinem
Hobby, daß er bei den Oberhausener Kurzfilmtagen für
einen Unterwasserfilm einen Preis gewonnen hat. Aber er
wußte schon sehr gut, warum er bei seinem Beruf blieb.


Es ist ein bißchen wie mit den Hobbyköchen – da gibt es
Genies, die fabrizieren einem Haute Cuisine vom Feinsten.
Aber Gnade Gott, sie sollen das Menü am nächsten Tag in
exakt gleicher Qualität und Konsistenz erneut präsentieren,
nun aber statt für vier für diesmal 20 Personen …



 
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Sven, das Nikonforum ist keine Karderschmiede für zukünftige Berufsfotografen!....

....es geht darum, Bilder zu "verstehen" und zu "sehen".....die Gestaltung, die Umsetzung, das Auge!.....

...und da lernt jeder was dazu!...auch Berufsfotografen!...

Grüße,
Jan
 
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..Du gehst davon aus, dass jeder seine Talente selber erkennt und umsetzt und wer es noch nicht gemacht hat, der hat vielleicht keine Talente für ein Thema..

Jan, eher sehe ich es so, dass in verschiedenen Lebensphasen die Prioritäten variabel sind. Wenn etwas stark genug als Anlage vorhanden ist, wird es sich zum passenden Zeitpunkt durchsetzen.
Um das mehr "persönlich" zu machen: Es gab Zeiten, wo ich, obwohl schon mit dem Fotovirus infiziert, absolut kein Interesse daran hatte, irgendetwas zu dokumentieren. Nachträglich hat es mir zwar oft leid getan, dass dem so war, weil viele Lebensabschnitte in diesem Sinne sehr ergiebig hätten sein können, aber so war es nun mal!
 
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Glaubst du im Ernst, das ich in der Zeit von 30 Jahren Fotografie nicht oft selber "Durchhänger" hatte!!....

...so ist das Leben!.....und das sollte man auch so akzeptieren.....

....um so schöner ist es, wenn das Fieber wieder beginnt!.....

Grüße,
Jan
 
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Ja, schwierige Kiste, das eine zu fördern ohne das andere zu behindern!

Die Angst jemanden in seinem Ausdruck zu behindern, die sehe ich hier nicht....

Wenn jemand bewußt was "Eigenens" macht, dann wird er es auch "deutlich" machen, da bin ich mir 100% sicher!....

....interessanter ist da das Foto, das der Fotograf oder die Fotografin gemacht hat und es auch irgendwie gelungen findet, aber nicht genau weiß, warum!..

...es ist die Zeit der "Übergänge" von unbewußtem Sehen zum bewußten Sehen....und da ist es sehr wichtig, den richtigen Ton zu finden um nicht die "Pflanze" zu zerstören..

Grüße,
Jan
 
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Ich sehe den Nutzen in einer Bilddiskussion vor allem darin, jemanden auf bestimmte Dinge aufmerksam zu machen, die ihm vielleicht selber nicht bewußt waren, oder auf die er gar nicht geachtet hat. Ihm vielleicht das Handwerkszeug zu vermitteln, oder Tips zu geben, wie etwas in Zukunft besser gelingen kann und ihm im Idealfall zum bewußteren Hinsehen zu bringen. Aber es gibt auch Dinge, die sich nicht vermitteln lassen und die man auch nicht so einfach lernen kann. Und dazu gehört in meinen Augen z.B. die Ästhetik, oder die Gestaltungshöhe. Genausowenig sind Kreativität, oder Inspiration ein Dauerzustand, oder Dinge, die man sich durch Training aneignen kann.

Es kann sicher bereichern sich mit anderen auszutauschen, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Darüber hinaus wird das eher kontraproduktiv, denn man kann ein Foto auch totreden. Insbesondere dann wenn jeder seinen 'Senf' dazu abgibt. Es gibt sicher Bilder des Zeitgeschehens, oder Dokumentaraufnahmen, die einer Erklärung bedürfen. Aber ganz prinzipiell ist es kein gutes Zeichen, wenn man sein Foto erklären muß. Genausowenig hilft es dem Ersteller, irgendetwas in die Bilder hinein zu interpretieren, was er vielleicht selber gar nicht beabsichtig, bzw. darin gesehen hat.

Ich denke es ist gut, wenn man nur über die Dinge diskutiert, die sich auch diskutieren lassen und die Elemente, über die man endlos diskutieren kann, außen vor läßt. Gerade bei Fragen des persönlichen Geschmacks fühlt man sich schnell angegriffen.

VG
 
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...
Es reicht nicht, Talent zu haben, man muß es auch formen
und gezielt in eine künstlerische Richtung bringen.
...

Jain
Ich glaube, wir dürfen auch nicht aus den Augen verlieren, dass wir hier nicht aus jedem Anfänger einen großen Künstler oder gar Berufsfotografen formen müssen.

Das Ehrgeiz-Level ist bei jedem anders.
Der eine ist froh, wenn er gesagt bekommt, warum die Palmen im Vordergrund schwarz und die Möwen unscharf sind, wenn er im Urlaub den Sonnenuntergang am Meer fotografiert, der andere freut sich über Tipps für einen besseren Beschnitt und der Dritte möchte gerne fotografieren wie >nickname< und durchschaut nicht, wie der seine Fotos bearbeitet oder nach welchen Gesichtspunkten der Bildaufbau komponiert ist.

Eigentlich sollte jeder auf seinem Level abgeholt und da hingebracht werden, wo er hin will. Nicht mehr und nicht weniger.
Das schwierige dabei ist für den Kommentator, sein eigenes Level erst mal außen vor zu lassen.
 
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Genau daran hab ich gestern herumstudiert.

Eigentlich wäre ein mehrstufiges Verfahren hilfreich.

1. Einstellen und beschreiben was man wollte, was man gemacht hat und mit welchen Mitteln. Dann eine Einschätzung und die (konkrete) Frage.

2. Verständnisfragen und deren Beantwortung.

3. Feedback - Bildkritik

Nur ist so etwas in einem Forum wohl nicht möglich.
 
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Die Angst jemanden in seinem Ausdruck zu behindern, die sehe ich hier nicht....

Hat denn in dem Zusammenhang jemand von "Angst" geredet?

..da ist es sehr wichtig, den richtigen Ton zu finden um nicht die "Pflanze" zu zerstören..

Das war es, was ich meinte mit
Dein Einfühlungsvermögen in solchen Situationen hab ich ja schon ehrlich bewundert! Wollen wir hoffen, dass dieses etwas abfärbt auf jene, die mit dieser Gabe nicht so sehr gesegnet sind!
 
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Ich habe aufgehört Bildkritiken abzugeben.

Warum?

Weil ich zu ehrlich und direkt war.
Manche Leute konnten das nicht vertragen
und deshalb bin ich vom Administrator aus einem anderen Fotoforum entfernt worden.

Ist aber gut so. Ich spare mir dadurch viel Zeit.
 
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