Kommen wir doch mal wieder zum Belichter zurück.
Was mich "stört" sind ein paar Aussagen im verlinkten Artikel. Der Hersteller verspricht:
- "Damit will JOBO die aufwendige Herstellung analoger Schwarz-Weiß-Abzüge vereinfachen und deren Kosten senken."
- "Ein traditionell angefertigter Handabzug im Format 40 × 50 Zentimeter beansprucht nach Angaben von JOBO etwa ein bis zwei Stunden Arbeitszeit.
- "Der JOBO Silver Printer soll diesen Aufwand deutlich reduzieren."
- "Die automatisierte Belichtung ermöglicht es Fotolaboren, mehrere Silberhalogenid-Prints innerhalb einer Stunde herzustellen."
Beim Gerät handelt es sich um einen Belichter. Fertig das war es auch schon. Es wird nicht mehr per Negativ und Vergrösserer belichtet, sondern über dieses Gerät. An sich schön geredet. Jedoch sieht die Realität meiner Meinung nach etwas anders aus.
Der grösste Zeitaufwand liegt im Entwickeln, Fixieren, Tonen und Waschen, nicht im Belichten. Ausserdem muss Chemie angesetzt werden, Prints zum Trocknen vorbereitet werden, Material gewaschen werden. Hier hilft der Belichter absolut nicht beim "Sparen".
Eine Belichtung vom Negativ dauert bei mir normalerweise unter einer Minute. Probestreifen, ja, das dauert. Nach einer guten Stunde sind die Parameter für einen fast perfekten Abzug normalerweise bekannt. Wenn die Belichtung aber erst mal sitzt, kann ich weitere 10 Kopien in 15 Minuten ausbelichten. Das Problem ist aber die zeitaufwendige Entwicklung. Bei kleinen Formaten kann man eventuell 2 oder 3 Bilder parallel verarbeiten. Bei 50x60 definitiv nicht.
Wenn digitale Dateien vorliegen, gut, dann kann man auf Fotopapier belichten anstatt zu drucken. Wer das braucht soll es machen. Wenn Negative vorhanden sind, dann ist das Gerät an sich sinnlos. Scan, Verarbeitung, etc erhöhen dann nur den Kosten- und Arbeitsaufwand.
Sei noch gesagt, dass ich Artikel von Jobo an sich schätze; deren Firmenpolitik und Schöngerede der letzten 20 Jahre jedoch mittlerweile verabscheue.
Ja, natürlich, was sonst.
Ich bilde mir diese Meinung aber als ehemaliger Schichtleiter eines Fachlabors
mit guten Kenntnissen in Digital-Inkjetverfahren.
Ich habe solche Handabzüge für Künstler gemacht, die danach im State Russian,
Victoria&Albert und anderen Museen ausgestellt wurden.
Eine gewisse Grundkompetenz kann man mir wohl zuschreiben.
Erinnert sich noch jemand an Andrucke auf Iris-Printern?
ich habe durchaus große Sympathien für Jobo - aber ich denke nicht daß das
gegenüber Inkjet mit pigmentierten Tinten qualitative Vorteile bietet.
Da ist der Weg das Ziel - wie gesagt, Folklore.
YMMV.
Da Kai Sander langjährige Erfahrung, sowohl theoretisch wie auch praktisch besitzt traue ich ihm in diesem, neun Projekt die volle Kompetenz zu.
Nicht zu vergessen, es ist das dritte Gerät mit dieser Technik dieser er hier präsentiert.
Bei Polycolor kann man so hergestellte Abzüge schon lange bestellen.
Wenn Du andere Erfahrung hast, ist es gut. Kai Sander und seine Kunden haben anscheinend andere gemacht, auch gut.
Ich akzeptiere beide.
Im Zweifel bedient es einen Modemarkt und ganz grundsätzlich ist es erst einmal eine
kaufmännische Entscheidung.
Stellt man dem einen Canon Image Prograf 1100 und gutes Ilford-Papier gegenüber,
hat man eine Grundinvestition von 1100 Euro plus laufenden Kosten von knapp über
10 Euro pro Print in DIN A2. Größer kann Sander mit dem Ding auch nicht.
Sander nimmt für 40x50cm 70 Euro inclusive Märchensteuer. Verbrauchsmaterial
abgerechnet ist man nach 20 Prints billiger als Sander, spart danach 50 Euro pro Blatt.
Nur am Rande: zwischen Canson und Hahnemühle sehe ich keine sichtbaren Unterschiede.
Ilford hatte ich noch nicht als Druckerpapier.
Ja, die Ergebnisse sind schon sehr gut.
Trotzdem, in den Ausstellungen die auf Baryta entwickelt worden sind finde ich Bilder, aus der Nähe betrachtet, viel homogener.
Aber das ist nur meine Meinung.