Am nächsten Tag widmen wir uns der viel befahrenen Hauptstrecke von Yazd nach Teheran.
Von wegen viel befahren. Die Strecke wird bereits für das zweite Gleise vorbereitet.
Wegen den Bauarbeiten sind am ganzen Vormittag nur zwei Züge unterwegs.
Zwei GT26CW mit 7074 und 7012 einer privaten Eisenbahngesellschaft transportieren einen schweren Eisenerzzug zum Stahlwerk nach Isfahan.
#27
und noch ein Nachschuss von der gleichen Position
#28
Mangels Züge schauen wir uns eine alte Karawanserei in der Nähe der Bahnstrecke an.
Früher war es ein Rasthof für Karawanen.
Die Mauern boten in der Nacht Schutz vor Banditen.
Mensch und Tier wurden hier für die nächste Tagesetappe versorgt.
Heute rasten hier nur noch Blechkamele.
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#30
Wir besuchen in Ardekan ein historisches Taghdiri Haus eines reichen Händlers.
Das Anwesen ist von schäbigen Lehmwänden umgeben.
Von außen soll man nicht auf den Reichtum im Inneren schließen.
Der Innenhof mit einem kleinen "Pool" ist von Gebäuden umgeben, die je nach Jahreszeit genutzt werden.
#31
Fenster und Türen sind dabei immer in ungerader Anzahl ausgeführt,
damit die guten Geister, die immer zentral fliegen, durch offene Fenster und Türen einschweben können und nicht gegen einen Mittelpfeiler prallen.
#32
Nachmittags nehmen wir einen Schnelltriebwagen nach Ghom.
Der Triebwagen 101 ist vom Typ DH4-1 "Paradise" und wurde 2004 von Siemens in Österreich gebaut.
Damit sausen wir mit paradiesischen 160 km/h durch die Wüste bis nach Mohammadieh in der Nähe von Ghom,
während unser Bus mit unserem Gepäck weniger paradiesisch über die Autobahn brettert.
#33
s585_Mohammadieh 101 DH4-1_1459
Der Bus soll uns dann nach zum Bahnhof von Ghom bringen, um den Nachtzug nach Süden zu erreichen.
Der Bus kommt nicht.
An einen neuen Checkpoint in Ghom hat unser Bus keine Genehmigung und darf nicht passieren.
Unser Busfahrer kennt ein paar Schleichwege und erreicht dann doch unseren kleinen Bahnhof.
Dann geht es Richtung Ghom.
Unser Bus hat immer noch keine Genehmigung.
Außerdem hat der Busfahrer die Lenkzeiten überschritten.
Jetzt sind wir am Busbahnhof von Ghom gestrandet.
Wir chartern einen Stadtbus, der uns durch die Stadt zum Bahnhof bringen soll.
Als der Ersatzbus endlich eintrifft, ist es so spät, dass wir unseren Zug nicht mehr erreichen können.
Was nun?
Die Iranische Lösung sieht wie folgt aus:
Der nächste Reisebus wird angehalten.
Die Reisenden - eine große Gruppe sehr betagter Damen - wird zum Aussteigen aufgefordert.
Der Gepäckraum - voll mit Rollstühlen und Rollatoren - wird in Windeseile geräumt.
Dir alten Damen dürfen jetzt die Reise im unbequemen Stadtbus fortsetzen.
Wir entern den Bus.
Unser Zug muss bis Arak, der nächsten großen Stadt, eingeholt werden.
Der Busfahrer lässt die Zügel locker und die Pferdchen laufen.
Der Motor dröhnt.
Die Fanfare posaunt in unglaublicher Lautstärke.
Kreisverkehre, Stoppschilder und rote Ampeln werden weggehupt.
Ich bin taub, als wir den Bahnhof von Arak erreichen.
Die Abfahrtszeit des Zuges ist zwar auch schon längst vorbei,
aber der Zug hat auf uns gewartet ...
Mein Schlafwagenabteil ist genau übern Drehgestell.
Ich spüre jeden Schienenstoß im Kreuz
Bei jeder Weiche gib es einen schweren Schlag.
An Schlaf ist nicht zu denken, während der Zug nach Süden rumpelt.