Als Dreingabe zur D7000 gibt es von Nikon 384 Gramm bedrucktes Papier, das Benutzerhandbuch. Darin werden alle Einstellungsmöglichkeiten erklärt. Wozu braucht man also zu seiner Kamera noch ein Buch extra? Das Werk von Heike Jasper mit dem Titel 'Nikon D7000 - Das Kamerahandbuch' ist mit 1264 Gramm beinahe viermal so schwer, da sollte es auch einen entsprechenden Mehrwert bieten.
Vorweg - das tut es. Die zehn Kapitel beginnen mit einem Schnelleinstieg für eilige Benutzer, die sofort loslegen möchten und einer Erklärung aller Bedienungselemente und der wichtigsten Kamerafunktionen. Es schließen sich Kapitel zu Belichtung und dem Scharfstellen an, in denen alle Grundlagen ebenso vermittelt werden wie die verschiedenen Möglichkeiten der Kamera, so dass auch Anfänger damit zurechtkommen sollten.
Kapitel 5 umfasst auf 26 Seiten die Grundlagen von Farbdarstellung und -wahrnehmung ebenso wie den Weißabgleich und die kamerainternen Möglichkeiten der Bildbearbeitung. Das ist ziemlich knapp, gibt es doch alleine zum Thema Farbdarstellung recht umfangreiche Bücher. Trotzdem gelingt es der Autorin, alle für die Praxis wichtigen Aspekte abzuhandeln. Sie stellt das wichtige Thema Weißabgleich anhand einer Bildtafel so plastisch dar, dass es auch der unerfahrene Nutzer verstehen kann.
Besonders umfassend ist das Kapitel 6, in dem es Heike Jasper gelingt, die technischen Grundlagen der Belichtung, der Blitzsteuerung und auch selten genutzte Funktionen wie Stroboskopblitzen und Kurzzeitsynchronisation zu erklären. Hinzu kommt noch eine kleine Übersicht gängiger Blitzgeräte. Ich finde dieses Kapitel deswegen sehr gelungen, weil es dem interessierten Besitzer zeigt, dass es mit einer D7000 auch möglich ist, eine ganze Kirche auszuleuchten - allerdings nicht, indem man den eingebauten Blitz aufklappt...
Es folgen noch eine kurze Einführung in die Fotografie, Zubehör wie Objektive, Stative, Filter und Kleinkram, und das Kapitel 9, in dem die Videomöglichkeiten und die Benutzung des hinteren Displays als Sucher, auch als Live-View bekannt, aufgezeigt werden.
Etwas verschämt wird eine Einführung in die Elektronische Bildbearbeitung (EBV) im letzten Kapitel versteckt. Eigentlich ist die EBV sehr wichtig, wenn man sich ernsthaft mit digitaler Fotografie beschäftigen und alles aus seinen Bildern herausholen möchte. Deswegen könnte es ruhig weiter vorne behandelt werden, etwa als Kapitel 9, noch vor dem Zubehör. Aber sicher ist die Behandlung dieses Themas ganz hinten im Buch auch ein Eingeständnis dafür, dass es in einem Kamerahandbuch nur angeschnitten werden kann. Wer sich vertieft damit auseinandersetzen möchte, benötigt ohnehin eine spezielle Software und die Literatur dazu.
Heike Jaspers Schreibe ist immer angenehm zu lesen, sie bleibt verständlich und gibt für Unerfahrene Erklärungen, die auch dem Fortgeschrittenen nicht unangenehm auffallen. Der Text ist logisch aufgebaut, so wird zum Beispiel der Punkt Rauschen gleich nach dem Thema Empfindlichkeit behandelt und der Leser wird nicht an eine andere Stelle verwiesen.
Auch selten oder noch nie benutzte Funktionen wie zum Beispiel die Mehrfachbelichtung habe ich dank dieses Buches wiederentdeckt. Im Benutzerhandbuch oder dem Kameramenü findet sich das zwar auch, aber es ist eben gut, wenn man an mehreren Stellen darüber stolpern kann.
Bei der Fülle der Informationen und den vielen praktischen und brauchbaren Anleitungen, Hinweisen und Tipps fallen die kleinen Macken kaum ins Gewicht. Einige Bilder sind sehr klein geraten. Zu klein, um das, was gezeigt werden soll, wirklich erkennen zu können. Es gibt da und dort ein paar sprachliche Unebenheiten, einige Sätze, die etwas zu knapp ausgedrückt sind, denn das Buch sollte ja nicht noch dicker werden. Und ich konnte den Begriff 'Blitzbelichtungsspeicher' nicht im Stichwortverzeichnis finden, aber dann und wann möchte das Benutzerhandbuch ja auch einmal zum Zuge kommen.
Insgesamt hat Heike Jasper ein umfangreiches, die Kamerafunktionen erschöpfendes und sorgfältig gemachtes Buch mit vielen guten Erklärungen, Hinweisen und Bildbeispielen abgeliefert. Wenn ich in Zukunft ein Fotobuch benötige, werde ich garantiert nach ihrem Namen suchen. Das Papier, die Abbildungen, Bindung und Einband sind von einwandfreier Qualität, gedruckt wurde das Buch in Deutschland. Damit rechtfertigt sich auch der Preis von knapp 40 Euro.
Insgesamt würde ich diesem Werk wegen der kleinen Unzulänglichkeiten viereinhalb Sterne geben. Bedenke ich aber, was sonst noch für Erzeugnisse auf dem Markt sind, die inhaltlich das Prädikat Machwerk verdienen, ähnlich viel kosten und auch noch im Ausland billig gedruckt wurden, sind fünf Sterne absolut gerechtfertigt.
Übrigens - sind Sie manchmal ein wenig schusselig wie ich und haben an Ihrer D7000 schon einmal die Fn-Taste gesucht? - Dann schlagen Sie in diesem Buch doch mal im Stichwortverzeichnis nach. Es geht aber auch noch einfacher: Sehen Sie sich die Beschriftung an der rechten Vorderseite genau an.
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