Ist Euch das auch schon einmal passiert,
dass Euch der Blick auf ein unerwartet auftauchendes, geradezu perfektes Fotomotiv wie ein Schlag trifft? Und man weiss genau, dass man dieses Bild nie wird aus dem Hirn kriegen können, wenn es nicht gelingt, es zu fotografieren.
Ich sehe im Vorbeifahren diese schöne Aussicht auf die Reisfelder, halte an, stelle das Motorrad ab und gehe ein paar Schritte auf die Böschung zu, um noch besser hinabblicken zu können.
Und es durchzuckt mich wie ein Schlag.
Ich sehe die etwas unterhalb der Strasse stehende Grasschneiderin mit ihrer Last auf dem Kopf. Ohne mich zu bemerken, steht sie exakt an der gestalterisch richtigen Stelle und blickt versonnen in das Tal hinab.
Die absolute Perfektion des Augenblicks.
Fast wie eines dieser für die Plattenkamera durchgestalteten, gestellten Motive aus der Kolonialzeit, nur eben lebendig und authentisch und wie von höherer Stelle für mich inszeniert.
Hektik ... F4 greifen ... falsche Linse drauf ... verdammt ... stoßgebet: bitte mach, dass sie sich nicht bewegt ... andere Scherbe drauf ... F4 wieder in Anschlag ... nicht viel gucken, nicht viel gestalten, nicht viel überlegen, bloss einfach draufhalten und abdrücken ... keine Sekunde zu früh.
Ein einziges Foto war drin,
dann stieg sie die nächste Stufe hinab, war nur noch halb und schliesslich gar nicht mehr zu sehen. Was hätte man mit nur einer Minute mehr Zeit für Bilder von diesem Motiv machen können! Meine Festbrennweiten und die Mittelformatkamera lagen in der Fototasche ... Aber so ist dies das einzige, unperfekte Bild, das ich von diesem für mich nahezu unglaublichen Moment hier zeigen kann.
Habt Ihr ähnliche Erlebnisse, von denen Ihr Bilder zeigen könnt?
Ost-Bali, Indonesien.
F4, 28-105 mm, Kodachrome 200, Scan.
Es grüsst Euch der Klaus