Ich bin über so einige Aspekte verwundert und möchte mal meine Gedanken dazu beitragen. Da ich ziemlich viel von dem besprochenen Krempel selbst besitze (statt D850 allerdings ne D500) und das Geraffel auch intensiv nutze, dürften meine Erfahrungen nicht allzu daneben liegen.
Die Sache mit der mangelnden Grundschärfe des 14-30mm kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Das ist ein hervorragendes Objektiv. Ich hatte vorher zur D500 ein 2,8er Superweitwinkel-Zoom von Tamron, das war auch ziemlich gut, aber das Nikon ist ne Wucht. Mein 20mm Laowa Shift ist matschiger Mist dagegen, und da ich mit 14mm bei ausreichendem Abstand auch große Gebäude ohne stürzende Linien draufbekomme, nutze ich das Nikon auch gerne für Architektur. Point & Shoot geht halt bei nahezu perfekter Qualität, und das Shift macht für Naja-Erlebnis ziemlich viel Arbeit. Die 6mm Brennweitendifferenz sowie die wesentlich höhere Auflösung des Nikons erlauben mir problemloses Croppen. Mag sein, dass die interne Objektivkorrektur beim 14-30mm viel nachschraubt, aber solange ein derart gutes und harmonisches Ergebnis bei herauskommt, soll es mir recht sein.
Bei den Handgriffen muss ich einfach sagen, dass ich Nikon hier nicht mehr nachvollziehen kann. Die Verarbeitung sowohl des 10ers als auch des 11ers ist richtig gut, da gibt es nix zu meckern. Aber den 11er finde ich etwas zu fett geraten, dafür ist er natürlich viel griffiger. Ich würde ihn aber nur kaufen, wenn man damit wirklich viel und konsequent Hochformat macht. Dann nutzt man die Vorteile. Ansonsten ärgert man sich über das idiotische Batterie-Handling. Beim MB-N10 muss man bei den leicht abfallenden Batteriefachklappen etwas aufpassen, aber ansonsten ist das Ding ok, inkl. der Batteriekontrollleuchten.
Der MB-N11 ist eine einzige Fehlkonstruktion. Ich fand in den frühen DSLR-Zeiten die Griffe zu meiner D80 und der Fuji S5 (also Griff der D200) echt ok. Die waren etwas Plaste, aber funktionell ging das klar. Null Probleme mit den Teilen gehabt. Schade finde ich, dass Nikon nicht mal zum MB-N11 einen dicken Akku anbietet. Man könnte mit bei fummeligen Batteriehalter den Eindruck haben, dass genau sowas angedacht war. Ansonsten immer bedenken: An Z6 / Z7 II gehen auch noch die alten MB-N-10-Griffe, die man gebraucht hinterhergeworfen bekommt!
Merkwürdig erscheinen mir die Kritiken zum Sucher der Z7 II. Nun bin ich ja allgemein immer sehr offen und fair an den Vergleich EVF zu DSLR-Sucher herangegangen. Geprägt durch Gucklöcher in Videokameras war ich vor Jahren schon bei der Sony Alpha 6000 ganz positiv überrascht über die Sucher-Qualität. Die war noch nicht übertrieben gut, aber für das Zeitalter und die Preisklasse war das schon ne Wucht. Heute habe ich den Vergleich zwischen Z fc, Z6 und Z7 II. Bei der Z fc merkt man schon, dass hier der Rotstift angesetzt worden ist.
Der Fortschritt der Z7 II zur Z6 ist sichtbar, fällt aber im Alltag erstaunlich wenig auf. Selbst wenn man beide Kameras parallel benutzt. Am allerwenigsten wäre mir die Farbwiedergaben negativ aufgefallen. Vielleicht, weil ich als gelernter Fernsehtechniker auch die technischen Eigenschaften der Display-Typen kenne und es mir deshalb normal erscheint. Beim Fotografieren stört mich das null. Ich kenne das Verhalten meiner Kameras und weiß, dass die Farben im Zweifel eh final am Rechner festgelegt werden. Ich wüßte auch nicht, inwieweit das mein Fotografierverhalten bei der Motivauswahl beeinflussen sollte.
Ansonsten halten sich DSLR-Sucher und EVF nach Punkten die Waage. Ich habe mal irgendwann gemerkt, dass der EVF bei extremen Lichtbedingungen eindeutig im Vorteil ist, der optische Sucher allerdings im abgedunkelten Fotostudio, wenn die Belichtungseinstellungen schon für Studioblitzen geregelt sind. Bei der DSLR ist das Latte, der EVF ist dann fast blind. Draußen wiederum, wenn die Verschlusszeit lang und die Blende offen ist, gehts elektronische wieder besser.
Schärfe und Kontrast der D850 besser? Habe ich schonmal gehört, damals von einer Fotografin, die aus gesundheitlichen Gründen auf Z7 umgestiegen war. Jedenfalls von jemanden, dessen Urteilsvermögen ich ernst nehme. Ich glaube aber nicht, dass das vom Sensor kommt, kann aber nicht ausschließen, dass es da wegen Spiegellos konstruktive Abweichungen gibt. Das gesamte Verhalten der Z in Sachen Belichtung ist aber völlig anders, als ich es out-of-cam von meiner D500 gewohnt war. Die Kameras sind derart unterschiedlich, das man unabhängig voneinander die Bilder durch den Workflow laufen lassen und erst das Endergebnis vergleichen sollte. Die Sensor-Fähigkeiten aller genannten Modelle, besonders aber der Z7 (II) sind phänomenal, ich kann mir da beim besten Willen keine Einschränkungen vorstellen. Ich vermute eher, dass da auch die Objektive ganz gewaltigen Einfluss haben!
Was ich auch nicht verstehe, sind Probleme in der Bedienung. Die Z6 /7 (II) haben ein reduziertes Schulterdisplay. Da ist m.E. Luft nach oben, wobei ich persönlich es mag, wenn das nicht so überfrachtet ist. Von der Ablesbarkeit wie bei einer D750 oder D7500 ist das Ding aber weit entfernt. Die Menüführung der Kameras ist überall nahezu identisch, wobei sich bemerkbar macht, dass jede neue Kamerageneration noch mehr Menüeinträge hat. Besser wird es dadurch nicht. Ansonsten kommt bei den Z halt das Info-Menü dazu. Das ist eigentlich ganz ok, aber gewöhnungsbedürftig. Wichtig ist allerdings, dass einige AF-Einstellungen, die man hier vornimmt, Priorität haben. Schöner wäre es, wenn z.b. die Umschaltungen auf manuelles Fokussieren sich mit etwaigen Schaltern am Objektiv synchronisieren würde. Soll keiner behaupten, das ließe sich nicht machen.
Das wurde in den folgenden Generationen deutlich besser. Aber spielt die Trägheit mit einem Spiegeltele tatsächlich eine so große Rolle? Durch den MF geht ohnehin alles etwas langsamer zu.