Eine Nikon D500 aus privatem Kauf zu restaurieren versucht.

Beuteltier

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Hallo Leute,

ich bekam eine D500 zugesandt, die laut Käufer beim ersten Ausprobieren keine Funktion mit der Taste im AF/M-Umschalter zur AF-Modus-Wahl ermöglichte.
Als die bei mir eintraf und ich sie durchcheckte, ging auch die Umschaltung auf LiveView nicht mehr, und im Individualmenü waren einige Optionen ausgegraut.

So nahm ich an, dass da nur das TOGO PCB (die digitale Hauptplatine) am Sterben ist und habe diese durch eine fast neue ersetzt.
Daraufhin ging zwar wieder LiveView und die ausgegrauten Menü-Optionen waren wieder verfügbar, die AF-Modus-Wahl funktionierte aber immer noch nicht.

So habe ich die Kamera fast vollständig zerlegt:




Dabei musste ich erkennen, dass der Vorbesitzer selbst oder ein begnadeter Bastler die Kamera schon mal komplett zerlegt und dabei die Frontplatte um das Bajonett demontiert hatte, und dabei das Flexkabel zum Knackfrosch-Schalter unter dem AF-Modus-Wähltaster zerrissen hat.
Das wurde dann zwar mit hauchdünnem Draht geflickt (Chapeau!), die Lötung riss aber nach einiger Zeit, weil das Kabel über den in Gummilagern montierten Stangen-AF-Motor läuft, der bei jedem Fokussiervorgang sich etwas bewegt.





Meine Stunden langen Versuche, neue 0,15 mm dünnen Kupfer-Lack-Drähte an die 0,125 mm "breiten" Leiterbahnen des Flexkabels anzulöten, scheiterten immer wieder, weil diese Leiterbahnen auch noch äußerst dünn sind und bei jedem Lötvorgang abbrachen oder vom Lötzinn "gefressen" wurden.

Eine der beiden Leitungen konnte ich an einer Z-Diode auf der Unterseite des Flexkabels auffinden und dort einen CuL-Draht anlöten:




Die andere Leitung fand ich nach langer Suche neben dem Flexkabelstecker auf der Trägerplatine an einer Durchkontaktierung:




Den CuL-Draht habe ich dann parallel zum Flexkabel geführt und mit der Befestigung der anderen CuL-Drähte vom Knackfrosch verlötet:



Jetzt muss ich nur noch die Lötstellen mit Lack gegen Oxidation und Drahtbruch umhüllen und die D500 wieder zusammen bauen.

Uff!
 
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Hut ab vor deinem Mut zu zeitwertgerechten Lösungen, ich hoffe dein Kunde hatte für die Kamera keinen normalen Marktpreis gezahlt.

Was ich von deiner Reparatur denken soll, da bin ich unsicher ... als Käufer gebrauchter Kameras wünscht man sich natürlich eine Reparatur in den normalen Werkszustand. Warum dieser improvisierte Bastelweg, hätte es hier kein Ersatzteil für Flexkabel + Knacktaster gegeben?
 
G
Gianty kommentierte
Er hätte sie auch so an den Verkäufer senden können, sofern sie nicht als "defekt" oder mit Abgabe der Mängel verkauft wurde.
 
Beuteltier kommentierte
Klar, das hätte er tun können - dann hätte er gar keine Kamera mehr gehabt und müsste seinem Geld hinterherlaufen, was bei solchen Privatverkäuferinnen/Privatverkäufern oft aussichtslos ist, wenn die auf entsprechende Anfragen unwillig oder überhaupt nicht reagieren...
 
G
Gianty kommentierte
Das wäre ganz schnell gelöst und geklärt.
 
Sans Ear kommentierte
Jetzt bin ich gespannt. Wie?
 
Frank2111 kommentierte


Bei Ebay über Käuferschutz.

Aber auch ohne Käuferschutz ist der Verkauf einer defekten, aber als funktionsfähig deklarierten Kamera mindestens arglistige Täuschung, dadurch wird der Vertrag anfechtbar und in Folge nichtig. Das ist die zivilrechtliche Seite.

Ich würde immer zuerst eine Strafanzeige wegen Betruges stellen, dann werden die Vertrags"partner" meist sehr schnell geschmeidig....
 
Kannst Du auch Bajonett samt Spiegelkasten dahinter adaptieren? Meine D500 hat mal wieder einen Sturzschaden erlitten, bei dem das Bajonett aus dem Kunststoff gerissen wurde. Diesmal kamen allerdings noch Plastikteile vom Spiegelkasten hinterher. Genauso wie vor ein paar Jahren scheint darüber hinaus wohl nix passiert zu sein. Wenn man die "Einhausung" des Spiegelkastens von vorne tauschen kann, habe ich noch Hoffnung auf ein moderaten Reparaturaufwand.
 
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Beuteltier kommentierte
Ich habe noch drei nahezu vollständige D500 hier, bei denen "irgendwas" defekt sein soll.
So lange deine D500 "hinten" noch vollständig ist und insoweit einwandfrei funktioniert, könnte ich da wohl etwas machen.
 
pixelschubser2006 kommentierte
Ich komme demnächst darauf zurück. Aktuell muss ich erstmal mein Auto wieder fit kriegen!
 
Ist immer wieder toll zu sehen welche Verrenkungen man machen muss um bei solchen Schäden noch etwas zu retten.
Und dass Du so was kannst, Michael @Beuteltier, sehr beeindruckend.

Die vom Hersteller verbauten Technologieen (Flachbandkabel und Co) sind eigentlch nur austauschbar, irreparabel. Nur durch Patchwork noch zu retten.

(Ist aber die gängige Technik, kein spezielles Nikon Bashing.)
 
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Beuteltier kommentierte
Hallo Frank,

ich hätte mir viele Stunden Arbeit erspart, wenn ich aus den hier lagernden teilweise defekten D500ern eine komplette, bekannt einwandfrei funktionierende vordere Hälfte hätte, die ich mit der Rückseite der Kundenkamera und dem neuen TOGO Board zu einer funktionierenden D500 zusammensetzen hätte können. Ich hatte bisher aber noch nicht die Zeit, diese D500er alle zu testen und die vorhandenen Defekte einzuordnen.
Das gilt auch für meine Antwort an @pixelschubser2006 und eventuelle weitere Anfragen zur D500.
 
Michael: es ist für immer wieder erstaunlich, wie Du es schaffst, aus diesem (als absoluter Laie betrachtet) wilden Durcheinander von Metall, Kunststoff, Glas, Mechanik und Elektronik eine funktionierende Kamera "neu" erschaffst.
Mehr als beeindruckend.
 
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Beuteltier kommentierte
Das ist kein Hexerwerk - man muss so eine Kamera einfach Schritt für Schritt zerlegen und sich dabei merken, was wie miteinander verbunden war.
Auf dieses Wissen greift man dann zurück, wenn man sie wieder zusammensetzt.

Nebenbei: Ich setze bei meinen Reparaturen keine KI ein, nur meine NI.
 
Hallo Leute,

ein Rückschritt ist zu vermelden: Gestern schrieb ich ja, dass ich nur noch die Lötstellen mit Lack gegen Oxidation und Drahtbruch umhüllen und die D500 wieder zusammen bauen muss. Zuerst ist es aber erforderlich, den AF/M-Umschalter mit seinem Hebel wieder an seinen ursprünglichen Platz zu bringen und dort fest zu schrauben.

Wie ich heute schon verkürzt schrieb, muss man sich ja nur merken, in welcher Reihenfolge und wie die einzelnen Teile demontiert wurden, damit man sie beim Zusammenbau wieder in der umgekehrten Reihenfolge richtig montieren kann.

Auf den ersten beiden Fotos meines Beitrages von gestern war der AF/M-Umschalter mit seinem Hebel zwar losgeschraubt, hing aber noch im Bajonett-Release-Knopf. Bei den weiteren Arbeiten fiel er aber plötzlich raus!
In meiner Blauäugigkeit meinte ich, dass er dann auch wieder eingehängt werden könnte - ich habe es jetzt x-mal versucht, ohne Erfolg.
Daher habe ich nun die Platine dahinter demontiert, um mehr Platz zum Einfädeln zu haben - dazu musste ich auch meinen angelöteten Draht wieder ablöten.



Trotzdem gelang es mir ad hoc nicht, den AF/M-Umschalter mit seinem Hebel wieder einzuhängen.
Nun bin ich dermaßen genervt, dass ich diese D500 mindestens einen Tag lang nicht mehr anfassen werde, bevor ich sie zusammenbauen will.
 
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Die fliegenden Drähte sind zwar eine schöne Reminiszenz an die 3D Freiluftverdrahtung der Röhrenradios aus den 1950er Jahren, aber unpraktisch ist's eben schon, wie man an dieser Schilderung erkennt.

Ich weiß deine sonstigen Arbeiten wirklich zu würdigen, Michael, und ich bin berufsbedingt dem Lösten auch zugetan ... aber das ist irgendwie schon schlimme Bastelei jenseite dessen, was ein Dienstleister abliefern sollte.
 
4 Kommentare
Wolfram. kommentierte
Wichtig ist doch das die D500 wieder funktioniert!
 
Beuteltier kommentierte
Na ja, wenn ich es noch schaffe...
 
Beuteltier kommentierte
... das ist irgendwie schon schlimme Bastelei jenseite dessen, was ein Dienstleister abliefern sollte.
Scheitern gehört zum Leben dazu, und auch zu meinen Bemühungen, nahezu Unmögliches doch irgendwie zu schaffen.
 
peterkdos kommentierte
Das Positive dabei sind die vielen Ersatzteile die jetzt zur Verfügung stehen.
 
So, heute Abend hatte ich die Faxen dick und habe mir einen um 90° gekröpften JIS-Schraubendreher geschmiedet:




Damit konnte ich die hintere Hälfte des Bajonett-Entriegelungsknopfes abschrauben:




Dann alle Hebel und Federkontakte in richtigere Reihenfolge zusammenfügen, den Knopf und den AF/M-Umschalter wieder anbringen und alles in den Zustand versetzen, den ich vor dieser Reparaturversuchsorgie hatte:




Alle diesbezüglichen Schalter sind nun mehrfach auf Kontaktgabe bzw. Kontaktunterbrechung getestet.

Morgen kann ich dann endlich mit dem lang ersehnten Zusammenbau der D500 beginnen.

Bei meinen sehr viele Stunden langen Reparaturversuchen habe ich gelernt, dass der eigentlich von Nikon vorgesehene Weg einer Reparatur darin besteht, die Frontpartie samt Spiegelkasten und Bajonett vom mittleren Teil mit dem Bildsensor zu trennen - dann hätte ich die ganze Kamera ohne Verrenkungen und extra angefertigtes Spezialwerkzeug reparieren können.
Dieses Trennen von Spiegelkasten und Bildsensor wollte ich aber vermeiden, da nach dem dann erfolgten wieder Zusammenbauen eine Justage des Bildsensors auf Abstand und - vor allem - Parallelität zum Bajonett erfolgen müsste, was nur mit Laser-gestütztem Spezial-Equipment von Nikon möglich wäre, was ich natürlich nicht habe. Der Nikon Service Point Dostal&Rudolf, mit dem ich viele Jahre erfolgreich zusammengearbeitet hatte, hätte dieses Equipment gehabt - D&R gibt es aber nicht mehr.
Und zum Nikon Service Point Bettina & Paul Scheinert in Dresden konnte ich bisher noch keine gleichwertige Beziehung auufbauen.
 
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Gebrauchsfotograf kommentierte
Faszinierend!! Eine aussterbende Spezies..., Respekt! Zu Dresden kann ich sagen: "Stimmt, ist seltsam!". Eigentlich nette Kommunikation und schnelle Ausführung, aber ..., hatte neulich meine D500 zum Erneuern der Belederung dort, sie kam mit einer fehlenden Schraube im Gehäuse zurück. Die haben sie dann per Brief nachgereicht, aber einfach in den Umschlag gesteckt, durch den sie sich durchgedrückt hat.
Viel Erfolg beim Zusammenbau!
 
Na ja, viele (Um)Wege führen nach Rom...
 
2 Kommentare
Wuxi kommentierte
Der Michael war schon mehrfach in Rom und findet immer einen Weg. Wer in Framkfurt sitzen bleibt der kommt natürlich nie hin.
 
peterkdos kommentierte


Soll jetzt heissen?

Kannst sicher aufklären.
 
Ich erinnere mich an mein erstes Multimeter, ein russisches U4313.
Das kam in einer unkaputtbaren silbern hammerschlaglackiersten Metallbox,
mit Ersatzteilen und einer Reparaturanleitung, falls es mal den Dienst verweigern
sollte. Es war viel zu robust als daß es hätte kaputtgehen können.

Michaels Reparaturen mögen nach Massaker aussehen, aber sie stellen
in einem ähnlichen Geist die Funktion in ihrer Essenz wieder her.
Anders geht es nun mal nicht wenn die Originalteile nicht mehr zu bekommen sind.
 
Beuteltier kommentierte
Das trifft zu, da ich kein Feinmechaniker bin und vor den mechanischen "Wunderwerken" der früheren Jahre ziemlichen Respekt habe. Außerdem kann ich als Radio&Fernsehtechniker Kabel und Leitungen ersetzen, aber keine mechanischen Bauteile nachbauen.
 
peterkdos kommentierte


Hi Michael,

hätte was für Dich, ein Rasseln in Prismenbereich der D 810, aber das machen wir via eMail.
 
W
Wolfy54 kommentierte
Das kommt mit Sicherheit von den 2 Metallklammern am eingebauten Blitz. Probiere mal ob das Klappern bei ausgefahrenem Blitz weg ist.
 
peterkdos kommentierte


Sorry, etwas spät.

Aber ja, es ist bzw. sind die beiden Klapparme.
 
N
nornu kommentierte
Was sagte man uns in der Radio-Fernsehtechniker Schule ind Rendsburg immer? "Für Gott und R-F Techniker ist nichts unmöglich" Das war bei der Meisterprüfung dann auch noch so.
 
Zu meinem letzten Beitrag
Morgen kann ich dann endlich mit dem lang ersehnten Zusammenbau der D500 beginnen.
ist inzwischen folgendes nachzutragen:

Nach dem Zusammenbau dieser D500 funktionierte plötzlich das rückwärtige Display nicht mehr.

Ein anderes TOGO Mainboard aus einer von Dostal&Rudolf überkommenen Restekiste (ca. 20 TOGOs für die D500!) steuerte das Display zwar an, dafür lag der Phasen-AF aber um über 20 Schritte daneben, ließ sich also nicht mehr mit der USER-Option AF-Feineinstellung korrigieren. Da die letzte Nikon DSLR, deren Phasen-AF-Justage mit einer Stand-Alone-Software von Nikon möglich ist, die ich auf meinem alten Windows 7 / 32 Bit PC laufen habe, die D700 ist (seit dem ging das nur noch per Internet-Anbindung zum Service-Server von Nikon in Japan, die nur lizenzierte Nikon Service Points nutzen können), habe ich in den folgenden zwei Wochen diese TOGOs nacheinander in die D500 eingebaut, um zu sehen, ob die beim Phasen-AF besser passen oder einen anderen Defekt haben.

Das vorläufige Ergebnis (habe noch 5 ungetestete da) ist, dass ich heute 13 TOGOs zum Wertstoffhof fahren musste, weil sie unterschiedliche andere Defekte aufweisen, der häufigste ist aber eine fehlende Ansteuerung des rückwärtigen Displays der D500 - also gehen die TOGOs der D500 diesbezüglich öfters kaputt...

Das schlimmste TOGO bei diesen Tests war aber eines, das beim Einlegen des Akkus einen schweren Kurzschluss in der D500 verursachte (Flex-Leiterbahn durchgebrannt, DC/DC-Board startet nicht mehr, vielleicht ist auch noch mehr an dieser D500 defekt) - so dass ich diese D500 trotz meiner bis dato erfolgreichen Bastelei am AF-Modus-Taster wutentbrannt in die Ersatzteilkiste gelegt habe.

Dann habe ich einen D500 Body aus der Ersatzteilkiste geholt, bei dem (sic!) nur das rückwärtige Display nicht angesteuert wird, und dort das TOGO mit dem zuvor über 20 Schritte daneben liegenden Phasen-AF eingebaut. In diesem anderen Body hat es nur 5 Schritte Frontfokus, den kann man mit der Feineinstellung korrigieren. Diese D500 habe ich dann meinem Kunden geschickt, er freut sich wie Bolle...
 
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quadratlatsche kommentierte
Wow, da hast Du aber mächtig getüftelt. Herzlichen Glückwunsch und weiter alles Gute.
 
Wenn ich mir das "Massaker" hier so ansehe (jedoch Respekt für den Erfolg!), frage ich mich, wie Nikon (und auch andere) das ursprünglich in der Fabrik hinbekommen haben. Desweiteren sehen viele Teile so aus, als seien sie zum Scheitern verurteilt. Einerseits wundert es mich, dass die meisten dieser Kameras die Gewährleistungspflicht überstehen, und auch noch heute funktionieren, andererseits muss man als Hersteller aber auch verdammt viel Vertrauen in das eigene filigrane Produkt haben.

Mir ist dann aber ehrlich gesagt Feinmechanik aus Metall und ohne Elektronik lieber.
 
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quadratlatsche kommentierte
Valider Punkt, aber Kameras ohne Elektronik gab es nie viel. Ab den 1970er Jahren schwenkte Nikon auf elektromechanische Modelle um (ab der Nikomat bzw. Nikkormat EL), auch die FM hatte ja elektronische Teile für den Belichtungsmesser.
 
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