Ich sprach ja schon von der Improvisation, oder sollte ich es lieber glückliche Fügung nennen? Auf jeden Fall hatte ich am Abend vor dem Plattfuß eine weitere Idee in die Tat umgesetzt. Es ist ja nicht so, das mein Arbeitswohnzimmer völlig unsportlich aussähe. Nein da steht z. B. ein hochwertiger Cross-Trainer drin, den ich sogar Hin- und Wieder nutzte. Zusätzlich befand sich dort auch noch mein vor 15 Jahren gekauftes Rennrad fest auf einem Rollentrainer montiert. Sah schon cheffig aus, das war es dann aber auch. Die Ausreden zur Nichtbenutzung waren mannigfaltig: Zu laut, langweilig, unbequem ...
Auf der Suche nach einem potentiellen Neurad stolperte ich immer wieder über sog. Fitness-Bikes, das sind im Grunde Rennräder mit flachem Mountainbike-Lenker. Hm, aber die hätten dann doch auch die Probleme mit den harten schmalen Reifen und nicht vorhandener Federung? Bei der weiteren Recherche bemerkte ich dann, wie lange ich mich schon nicht mehr mit dem Thema befaßt hatte, die superschmalen Rennradreifen mit ihren Drücken (ich fuhr 9 bar) waren im Hobbybereich eigentlich obsolet und wurden durch "Breitreifen" die sich mit erheblich weniger Druck fahren liessen ersetzt.
Hm, die vorhandenen Reifen und Schläuche waren eh hin, was sprach also dagegen einfach mal solche Ballons aufs Rennrad zu ziehen? Die blöde Sitzposition bliebe zwar, aber um auszuprobieren, ob mir ein ungefedertes -und damit erheblich leichteres- Fitnessrad reichen würde, sollte es gehen. Also legte ich mir kurzerhand neue Decken und Schläuche zu
Eigentlich wollte ich erst am nächsten Abend eine Einrollrunde drehen, so gings halt gleich morgens ins Büro damit. Mit dem erheblich geringeren Gewicht und den zwar 20% breiteren, aber im Vergleich zum MTB immer noch nur halb so breiten Reifen war es zwar anfänglich noch etwas kippelig, aber immerhin kam ich heil im Büro an und so arg unebquem wie im Wohnzimmer fühlte sich das Ganze gar nicht an.
Also Abends auf eine 30er Runde. WOW, ich hatte völlig vergessen um wieviel leichter sich so ein RR bewegen läßt. Endlich hatte ich auch wieder Klickpedale (fürs MTB liegen hier schon welche) und eine Kadenzanzeige. Der Tacho ließ sich recht einfach über der 30 halten. Nur mein Multifunktionsgerät mit Telefonfunktion hatte sich verabschiedet, sodaß ich ohne Pulskotrolle fahren mußte, aber egal, das machte viel mehr Spaß als die Rumrutscherei mit dem MTB. :huepf:
Die Bequemlichkeitssorgen erwiesen sich als überwiegend unbegründet. Den Lenker muß ich wohl noch etwas höher bekommen, damit ich weniger Sattelüberhöhung fahre und den Kopf nicht mehr so stark in den Nacken drücken muß (ich sehe gern weit voraus). Der Fahrkomfort mit den dicken Pellen und nur 5,5bar war überraschend gut. Natürlich muß man auf den dicksten durch den Radweg wachsenden Wurzeln kurz aus dem Sattel und kann nicht einfach drüberbügeln und auch auf den Betonplattenwegen war es etwas unbequemer als mit dem Kona, aber hey dafür gab es Speeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeed
Ebenfalls positiv bemerkbar machte sich die erheblich enger Abstufung der Schaltung
So war es erheblich einfacher die Trittfrequenz in meinem Wohlfühlfenster von um die 90 zu halten. In der Wohnung angekommen beerdigte ich den Neu-Fahrrad-Kauf vorläufig. Mit den beiden vorhandenen bin ich vorläufig perfekt ausgestattet, da bastel ich lieber an den beiden rum und halte sie fit.
Das Selbstbelohnungsdingens bleibt dabei zwar im Kopf, allerdings ist aus der komischen Buchstabenkombination XTR eine ähnlich seltsame Zahlenbuchstaben-Kombi geworden: A77R-II