Das Bildarchiv meines Vaters

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Ando

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Mein Vater hatte alle unsere Urlaube im europäischen Sueden dokumentiert. Yugoslawien, Italien, Griechenland, Suedfrankreich, Sardinien - Landschaften ab den frühen 70er-Jahren, noch weitgehend ohne große Eingriffe, Campingplätze, menschenleere Sandbuchten, einsame Kuestenstrassen, grob in die Felswaende gesprengt. Mittendrin wir mit unserem Renault R4, hochbepackt.

Heiner hat das Filmbelichten nun schon vor Jahren aufgegeben und fotografiert seitdem digital, es sei ihm weniger anstrengend, und seine Zeit, wo er sich ernsthaft fuer Fotografie interessiert habe, sei vorbei. Die oberösterreichische Landschaft rund um sein Haus aufnehmen, im Wandel der Jahreszeiten, Betrachtung der Aufnahmen auf dem Bildschirm seines Computers, kein Interesse mehr an Bildbearbeitung wie einst in der Dunkelkammer, wozu auch.

Ich verstehe meinen Vater, er hat über Jahrzehnte ein umfangreiches Bildarchiv geschaffen. Hoehlenfotografie auf unterirdischen Expeditionen mit seinen Forscherkollegen vom Naturhistorischen Museum Wien und vom Landesverein fuer Hoehlenkunde Wien, die manchmal über Wochen gingen. Gebirgsaufnahmen, ein Filmprojekt mit dem NDR auf den Lofoten in den 70ern, Kunstreproduktionen, Dokumentationen, die Familie. Geordnet in Pergaminhuellen und Diakoffern, die Schraenke füllen. Es müssen tausende Aufnahmen sein.

Ich fühle, dass es an der Zeit ist, mit meinem Vater über dieses Archiv zu sprechen. Gerne würde ich es übernehmen, mich darum kümmern, auch weil es über Strecken meine eigene Lebensgeschichte - wenn auch leider nur die frühen Jahre - dokumentiert.

Aber was erwartet mich da, wie erfasse, sichte, reinige und lagere ich diesen Schatz am besten? Soll ich digitalisieren?

Was meint ihr?

Fragen unserer Generation ...
 
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Ein lobenswertes Unterfangen. :up:

Aber was erwartet mich da, wie erfasse, sichte, reinige und lagere ich diesen Schatz am besten? Soll ich digitalisieren?

Was meint ihr?

Da bin ich keine große Hilfe, habe damit keine Erfahrung, aber egal wie, du findest den richtigen Weg.
 
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Auf alle Fälle bewahren.
Wegen des umfangreichen Materials würde ich auch digitalisieren, denn dann greift man schon mal schneller darauf zurück und lässt Erinnerungen aufleben.

Das ist ein Teil Deiner Lebensgeschichte und der Deines Vaters! Es macht Spaß sich damit zu befassen, man schmunzelt, man freut sich, man erinnert sich an manche Dingen, die im Kopf vergraben waren.
 
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Das ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Aber ich glaube, wenn es Dir wert ist, dann würde ich sie behalten und allenfalls einen Teil davon digitalisieren.

Spannend sind ja Bilder aus der Vergangenheit ohnehin, und vor allem auch dann, wenn man mit ihnen noch verbunden ist.
 
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. . . ist gottseidank auf Film
Hab schon die SW- & Farbnegative durch. Die Dias hab ich noch vor mir. Alles was Familie & Personen waren wurde gescannt, bei den Landschaftsbildern weiß ich ja nicht wo das war & fragen kann ich ihn nicht mehr.
Einige Filme mußte ich waschen, weil sie entweder verschmutzt, stark eingerollt oder mit der Pergaminhülle verklebt waren. Aber mit Film ist das ja kein Problem.
Der Vorteil der gescannten Negative liegt in der Sichtung, Weitergabe oder Weiterverarbeitung.
 
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Hallo Andreas!
Aber was erwartet mich da, wie erfasse, sichte, reinige und lagere ich diesen Schatz am besten? Soll ich digitalisieren?
Ich würde das Archiv sowohl komplett digitalisieren als auch in angemessener Umgebung lagern.
Digitalisieren, wie schon Christel empfielt, um die Bilder schnell anschauen zu können.
Und die Lagerung mache bitte nicht so, wie ich!
Ich hatte tausende Glas-gerahmte 6x6-Dias meines Vaters nach seinem Tode in Umzugskartons gepackt und diese in einer frei stehenden alten Garage 2 Jahre lang auf dem Betonboden gelagert. Als ich sie auspacken wollte, waren die Kartons nass geworden und der Inhalt komplett verschimmelt.
Und meine etwa 25.000 KB-Dias musste ich einige Jahre lang im Keller lagern, wo ein Drittel auch verschimmelte.
 
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Hallo Ando,

digitalisiere, was Dir erhaltenswert erscheint.

Zur Sichtung von:
Geordnet in Pergaminhuellen
abgelegten Negativen habe ich diese DIN A4-Hülle auf ein Leuchtpult gelegt und von oben abfotografiert. In meiner Kamera war dann gleich ein Bildbearbeitungsprofil aktiviert, das die Wandlung in einen Positiv-SW-Kontaktabzug erledigt hat(*). Das hat die Sichtung - die ich für ein paar tausend Bilder zusammen mit einem meiner Cousins an dessen Flachbildfernseher gemacht habe - wesentlich erleichtert.

Und die dann als wirklich wichtig erkannten Bilder dann als 1:1-Makro reproduzieren und durch den ganzen Workflow RAW - Gradationsanpassung - Weißabgleich - Invertierung - Staub-/Flusenreduktion -Archivierung laufen lassen.

Aber ACHTUNG! Das kann eine zeitraubende Angelegenheit werden.

(*)
  1. In ViewNX ein Monochrom-Profil mit "verkehrter" Gradationskurve erzeugen
  2. Per SD-Karte dieses Profi in die Kamera transferieren
  3. Profil auswählen
  4. Das ooc-JPG ist ein SW-Negativ des aufgenommenen Bildes
  5. Hilft selbst bei Farbnegativen ganz hervorragend
 
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Hallo Ando,

Du glücklicher, mein Vater hielt/hält Fotografie für überflüssig. Ergo gibt es kaum Bilder ...

Ich würde an Deiner Stelle die D. E. wichtigsten Bilder digitalisieren und den Rest gut lagern. Vllt. siehst Du diesen später mit anderen Augen und digitalisiert die Bilder dann zu einem anderen Zeitpunkt.

Die digitalisierten Bilder würde ich sogar zu einem Fotobuch ausarbeiten. So hast Du die Vergangenheit jederzeit präsent und erfreust Dich an der Arbeit und Zeit, die Du in das Projekt hineingesteckt hast.

Stefan
 
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Wenn Du die Bilder digitalisieren möchtest, was ich auf jeden Fall tun würde, dann fang rechtzeitig an. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das eine sehr zeitintensive Beschäftigung wird. Und damit Du Dich hinterher nicht ärgerst, schau Dir die Bilder genau an. Es ist meistens viel mehr Staub auf den Dias / Negativen, als man sieht. Aber jedes noch so kleine Staubkörnchen wird mit digitalisiert und für die Ewigkeit archiviert.
 
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Das kenne ich aus eigener Erfahrung sehr gut...

Da meine Scanarbeiten mit DSLR erfolgten und Bracketingfunktion (3 in Reihe) bei DIAS, kamen so sehr sehr viele Digitalbilder zustande.

Ich hoffe sehr für dich, das dein Vater alles beschriftet hat... ich konnte zwar großteils anhand des Labordatums in den Tüten das ungefähre Herstellerjahr zuordnen, bei Dias stand es großteils auf dem Rahemen.. aber dann kamen da Bilder hinzu, wo ich auch schon beim Motiv in "Nöte" geriet.

Ich hätte mir gewünscht, dass das Archiv ähnlich aufgebaut gewesen wäre wie bei ein befreundeten Nachbarin - alles nur Dias, fein säuberlich in Kästen, beschriftet und dazu ausführliche Reiseberichte... der Beruf der Lehrerin wurde da spürbar und so waren die zeitgenössischen Bilder aus allen Herren Ländern ab den 50er Jahren ein echter Genuss... bis auf 6 Länder hatte sie alles bereist!

Als sie starb, kam das Material leider in andere Hände... sonst wären die geschätzten 50-60 Tsd. Dias heute auch bereits digitalisiert... und würden der Weiternutzung harren.

Bei meinen eigenen Dias/Negativen und denen meines Vaters war es ein Stück Zeitreise, was ich vom Digitalisieren erlebte. Viele schöne Erinnerungen, manches Aha beim Wiederentdecken als kleiner Fratz in Italien, mit dem Spielzeug-LKW usw. hat diese Arbeit kurzweilig erscheinen lassen, auch wenn es mich einige Monate bisher gekostet hat und ich - speziell bei den noch ausstehenden Bildern - gefühlt noch einmal 6-12 Monate benötigen werde. Der Nachteil, wenn man es nicht als Hauptbeschäftigung machen kann, sondern nur mal zwischendurch für 3-4 Stunden...

Viel Spaß bei deiner ganz persönlichen Entdeckungsreise!
 
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Ich habe mich mehrfach von großen fotografischen Hinterlassenschaften sehr bewusst getrennt und bereue wenig. Das letzte Hemd hat keine Taschen und mitnehmen kannst eh nix. Die eigene "Fotografie im Kopf" bleibt, alles andere hat viel zuviel "wenn und aber" - es sei denn, man begreift sich als Archivar eines bestimmten Anliegens. Das sollte wohlgeprüft sein, aber ob es sich lohnt, können sowieso erst Menschen in der Zukunft beurteilen.

Wenn ein Mensch mit seinen (Foto-)Dingen zu Lebzeiten abschließt bzw. die für mittlerweile obsolet hält: ich wúrd‘s wohl akzeptieren.

Gesendet von meinem ME173X mit Tapatalk
 
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Ich werf doch nicht den fotografischen Nachlass meines Vaters - noch dazu zu Lebzeiten - auf die Halde inklusive eines Teils meiner eigenen Geschichte.
 
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Hallo Andreas,

da es sich bei dem Bildarchiv Deines Herrn Papas ja um ein Konvolut
unterschiedlichster Themenbereiche handelt, ist guter Rat entsprechend
differenziert zu geben.

Damit es übersichtlich bleibt, nummeriere ich mal:

  1. Das beste Fotos ist nix wert, wenn keiner weiß, was es eigentlich zeigt.
    Deshalb empfehle ich sorgfältige Bildbeschreibung resp. Verschlagwortung
    durch den Papa einzufordern.
  2. Teile das Archiv sorgfältig in die von Dir genannten Themenbereiche auf,
    sofern das nicht eh der Fall ist.
  3. Übergib alle Bereiche, die Dich nicht rasend interessieren, an geeignete
    Institutionen – die können mit dem Material mehr anfangen als Du; und das
    in jeder Hinsicht.
  4. Wirf bloß nichts weg! Der Merksatz eines klugen Archivars dazu lautet:
    Wegschmeißen können wir im Zweifel besser!
  5. Digitalisierung ist ein mühseliges Geschäft – nicht nur technisch, sondern
    vor allem wegen des Aufwands bei der Verschlagwortung und Bildbeschreibung.
  6. Denk an das Urheberrecht – sofern die fotografische Qualität stimmt und
    ein weitergehendes Interesse an den Bildern besteht, kannst Du es viele
    Jahrzehnte lang gut vermarkten.
  7. Kontaktiere deshalb auch einschlägige Bildagenturen, ob sie Interesse
    an dem Material haben. Vorteil: Die Digitalisierung und Verschlagwortung
    liegt dann (überwiegend) bei denen.


Wir können dazu gerne auch mal telefonieren …


 
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Danke!

Mein alter Herr war an vielen Hoehlenexpeditionen in den 60ern bis 80ern beteiligt, Entdeckung von Neuland, Vermessungen, Offenblitzmethode mit der "F". Er war manchmal zwei Wochen unter der Erde, kein Kontakt, das war fuer uns Obengebliebene nicht so schön. Aber er hat alles heil überstanden und phantastische Fotos mitgebracht.

Mal sehen ob ich das Archiv bekomme, scannen wäre Lebensjob, Film ist bestes Archivmaterial. Hoffentlich ist der Fungus fern ...
 
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Die zig1000 Dias meines Vaters sowie die Negative habe ich komplett digitalisiert. Nicht nur, weil da auch Bilder aus meiner Jugend zu finden sind. Schließlich hat er damit einen Teil seines Lebens dokumentiert und ich sehe mich der Wahrung der Familienerinnerungen in der Pflicht.

Da macht es gar nichts, wenn ich zu einem Teil der Bilder, insbesondere der aus der "neueren Zeit" - so ab der 80er, wo ich meinen eigenen Weg gegangen bin - keinen direkten Bezug habe. Und da macht es auch nichts, dass ich relativ sicher davon ausgehen kann, dass mein Nachwuchs nach meinem Ableben mit meinen Bildern sehr entspannt umgehen wird.

Für eine Weiterverarbeitung, Verschlagwortung der Scans etc. fehlt mir aber die Zeit. Wird sich noch zeigen, ob ich dafür oder für die Scans meiner eigenen Dias jemals die Zeit haben werde. Aber ein Gang durch die Geschichte geht auch mal ohne Bearbeitung und perfekter Dokumentation.
 
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