@tonischerf
Hallo.
Ich hatte schon Fotos, die beim 1:1- bzw. 100%-Zoom selbst bei ISO 100 (!) rauschten, und zwar in dunklen Bildpartien.
Wie weiter oben bereits erklärt, rauscht ein Sensor immer, die Frage ist bloß, ob man es sieht bzw. ab wann (welcher Vergrößerung) man es sieht.
Das ist bei allen Kameraherstellern und bei allen Sensoren so. An der D750 liegt es nicht. Eine D4/D5/D6 oder eine Z6/Z6-II wird zwar ein kleines bißchen rauschärmer sein, aber ob das immer sofort sichtbar ist?
Das Reinzoomen auf 1:1- bzw. 100%-Ansicht nennt man auch "Pixel-Peepen". Hat einen schlechten Ruf, ich gebe aber zu, daß ich meine Fotos auch der kritischen Betrachtung bei dieser Vergrößerung unterziehe, also "pixel-peepe".
Je nachdem, wie stark mir das Rauschen dann vorkommt, entrausche ich mit entsprechender Software. Ich fotografiere auch in RAW (*.NEF) und verwende DxO PhotoLab 4 zum Entwickeln der RAWs. DxO PL4 enthält einen Entrauscher, der den Entrauschungsmöglichkeiten von Adobe Lightroom derzeit wohl klar überlegen ist ("Prime" und "Deep Prime"). Das kann sich aber wieder ändern und Adobe zieht nach. Davon abgesehen gibt es auch Stand-Alone-Applikationen, die außerhalb der RAW-Entwicklungssoftware nur für's Entrauschen gedacht sind, z. B. der Topaz AI Denoiser (mit dem ich aber übrigens nicht zufrieden bin, nutze diesen nur für das Korn bei Analogfotos). Manchmal gibt es solche Stand-Alone-Applikationen zum Entrauschen aber auch als Plug-In oder Add-On zum Einschleifen in den Lightroom-Workflow, das ist vom Hersteller abhängig.
Aber:
Entrauschen per Software ist kein Allheilmittel. Entrauschen macht das Bild stets etwas "weicher", nicht direkt unscharf, aber eben "weich", es gehen Details bzw. Detailschärfe verloren. Dazu kann man dann nach dem Entrauschen wieder etwas nachschärfen, aber auch hier ist Vorsicht angesagt, allzu starkes Nachschärfen (das gilt nicht nur für das Nachschärfen nach dem Entrauschen, sondern allgemein) kann künstlich/unnatürlich/unmöglich aussehen, es können Nachschärfungsartefakte entstehen, die richtig häßlich sind usw. usf.. Man muß ein Gefühl dafür entwickeln.
Ansonsten gilt m. E. zunächst einmal: Was hab' ich mit dem Foto vor? Internet/Facebook/Instagram bei geringer Auflösung? Da ist Rauschen kein so arges Thema. Ausbelichten bis Postkarte bzw. max. 13x18? Digitalprints aus dem Billiglabor (DM, Roßmann) können das Rauschen in dieser Ausgabegröße gar nicht darstellen, also auch kein Thema. 60x40 cm ausbelichten für die Wohnzimmerwand oder den Flur? Erst da wird's meiner Meinung nach interessant, und zwar dann, wenn das Foto von einem Fachlabor auf richtiges, gut auflösendes Fotopapier ausbelichtet wird. Mittleres oder starkes Rauschen wird dann wahrscheinlich zu sehen sein, spätestens bei dieser Anforderung sollte man ein sichtbar rauschendes Foto entrauschen.
Viele Grüße
von
Christoph
Danke für den Link, das ist echt super hilfreich!