Armut in Indien, Teil 1

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habedehre

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Hallo,


Ich war im Oktober für eine Reportage in Indien. Es ging um eine Spendenaktion und die örtliche Hilfsorganisation, die mit Mikrokrediten, Krankenversicherungen und Bildungsprogrammen versucht, der Bevölkerung im Bundesstaat Tamil Nadu langfristig zu helfen.

Hier ein paar Bilder meines Besuchs. Gleich vorweg: Ich will damit kein Mitleid heischen und keine Effekthascherei betreiben, also spart euch bitte diesbezügliche Antworten. Ich will die Fotos einfach nur zeigen und ein klein wenig die Hintergründe erklären.

Die Bilder kommen in loser Folge, verteilt auf mehrere Threads.



Gewöhnungsbedürftig sind besonders die hygienischen Verhältnisse vor Ort. Der Straßenrand dient als Müllablade- und gleichzeitig Spielplatz.




Gewaschen wird in den gleichen Flüssen und Bächen, in denen auch Müll und Abwässer landen.






Und für einige dient das Ganze noch als Ort zur Nahrungssuche.




Bettler sind außerhalb der Tourismusgebiete kaum zu sehen. In der Nähe großer Tempel sollte man sich allerdings darauf einstellen, regelrecht verfolgt zu werden.






Sie zählen selbst in der Armenschicht zur untersten Riege.






Er leidet seit der Geburt an einem Herzfehler und kann kaum atmen. Sein Vater hat sich aus Schande über den missgebildeten Sohn umgebracht.




Ihre Eltern sind beide HIV positiv. Falls die Krankheit offen ausbrechen sollte und sie deswegen nicht mehr arbeiten können, wollen sie zuerst ihre Tochter und dann sich selbst umbringen.




Er ist taubstumm, schwerst geistig und körperlich behindert und erst 15 Jahre alt.




Mehr gibt´s in Teil 2.

Gruß

Christoph
 
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Christoph, ist dein Album vielleicht nicht auf öffentlich gestellt? Es sind keine Bilder zu sehen.
 
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Eine sehr beeindruckende Reportageserie - wenngleich es einen selbst erschüttert, wieviel Armut es dort gibt und wie klein unsere Probleme sein können. Ausgezeichnete Arbeit.
Viele Grüße
Thomas
 
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Eindrucksvolle Aufnahmen, die nicht in (westlichen) Betroffenheitskitsch abgleiten. Meinen ausdrücklichen Respekt, Christoph!
 
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Bilder ok! Schlimm ist nur, man sieht es sich an, ist berührt, und weiß nicht,
was man machen kann oder soll. Und das ist auch nur ein ganz kleiner
Ausschnitt vom Elend auf der ganzen Welt, und wollte man immer was
machen ...
Deshalb habe ich mir schon vor Jahren angwöhnt, sonntäglich den
Weltspiegel im ersten Programm zu sehen. Wenn man selber mal meint,
einem ginge es schlecht, oder das Leben sei ungerecht, dann kommt
man auch durch den Weltspiegel sehr schnell wieder auf den Boden
der Tatsachen zurück.

Roland
 
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Auf der eine Seite erschreckend, andererseits haben solchen Länder eine Atombombe!

Was mich mehr erschüttert ist, daß es in Deutschland Familien gibt die an der Armutsgrenze leben bzw. diese schon überschritten haben. Und das nicht in einem 3. Welt-Land.
 
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Was mich ebenfalls erschüttert ist dass es in Indien gleich "nebenan" auch unermesslichen Luxus und Reichtum gibt. Ich bin öfters dort.

Und dass wir viel Arbeit dorthin auslagern, weil es ja so schön billig ist. Und damit die Verhältnisse indirekt unterstützen.

Frohes Fest.

Grüße

Michael
 
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Hallo Christoph,

vielen Dank für die beeindruckenden Bilder.

Ich war bisher einmal in Indien, geschäftlich, und konnte nebenher einen ersten Eindruck vom Land gewinnen (genauer: von der Region Bombay).

Ja, wir verlagern Arbeit nach Indien. Ich selbst war an einer solchen Aktion beteiligt, und ich bin jederzeit bereit, wieder so einen Einsatz zu machen. Denn wenn wir den Leuten dort wirklich helfen wollen, helfen Almosen nicht weiter. Es gibt es nur eines, was wir tun können: den Leuten Arbeit abgeben. Sie haben es verdient, denn sie haben den Willen, sich aus der Armut heraus zu arbeiten.

Gruß
Uwe
 
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Seht gut dokumentiert! Armut zu zeigen ist immer ein heikles Thema, wenn man selbst als Besucher aus einem reichen Land kommt. Nach Indien möchte ich auch unbedingt noch mal.
Unsere Firma hat dort auch gerade eine kleine Filiale aufgebaut, vielleicht ergibt sich da man eine Gelegenheit.
 
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Hallo,

Ich war bisher einmal in Indien, geschäftlich, und konnte nebenher einen ersten Eindruck vom Land gewinnen (genauer: von der Region Bombay).
sorry, wenn ich jetzt gerde Dein Zitat heranziehe, aber es scheint mir stellvertretend für unsere Vor- und Einstellung für Indien sehr repräsentativ zu sein.

Wer einmal ein paar Wochen oder Monate durch Indien gefahren ist und mit offenen Sinnen versucht hat, sich den Menschen, der Kultur und dem Leben in Indien anzunähern, wird schnell feststellen müssen, dass man Indien als Westler wohl nie verstehen wird. Viel zu unterschiedlich sind die Lebensumstände, die Vorstellungswelt der Menschen in Indien von der westlichen Sichtweise. Entsprechend greift die Analyse der Situation und Maßnahmen zur Verbesserung in aller Regel ins Leere - bestenfalls greifen sie zu kurz.

Ob man die Situation in Indien wirklich nachhaltig verbessert, wenn man unsere Arbeit dorthin exportiert, bin ich sehr skeptisch. Momentan profitiert nur eine (für indische Verhältnisse) verschwindendend geringe Minderheit in den Boomtowns um Bombay, Bangalore & Co davon. Die Menschen auf dem platten Land merkt davon nichts oder sie merkt, dass die soziele Schere für sie immer weiter auf geht. 50 Mio Gewinner vs. 1 Mia Verlierer des Arbeits-Exports. Toller Fortschritt.

Natürlich bewegt man sich auf dünnem Eis, wenn man den Sinn der groß angelegten Hilfen von außen generell in Frage stellt. Zu offensichtlich und allgegenwärtig ist das Leid in jeder beliebigen Straße des Landes. Trotzdem wage ich mal zu behaupten, dass man mit einem vordergründigen Weihnachts-Mittleid und westlichen Vorstellungen von einem glücklichen Leben die Menschen dort nicht wirklich erreichen kann.

Vielleicht wäre es - so paradox es klingt - ein sinnbringender erster Schritt, wenn man als Westler nicht fragt, was man in Indien verändern kann, sondern wenn man sich selbst fragt, was einem die Inder und ihre 5000-jährige Kultur geben könnte. Das Land ist so reich an ganz praktischem, spirituellem Wissen, das sich tief in in das kollektive Bewußtsein der Menschen eingegraben hat. Ohne Berücksichtigung dieses Wissens ist IMO keine Annäherung und kein Fortschritt möglich - bzw. ist kein stabilisierender, gesunder Fortschritt denkbar.

In diesem Sinne kann ich nur jedermann raten, die Kamera einzupacken, nach Indien zu fahen und (so schwer es fällt) ohne permanent zu urteiln, zu verurteil und ständig die eigene Betroffenheit zu pflegen das Land und die Menschen zu beobachten und zu fotografieren. Das Land strotzt nur so von fotografieschen Motiven allererster Kategorie. Natürlich ist es dabei erlaubt auch Almosen zu geben. Man ändert zwar damit nichts "im Großen", aber "im Kleinen" fügt man sich ein Stückweit in die Gesellschaft ein, für die privates Engagement selbstverständlich ist - auch wenn man keine Spendenquittung für die Steuer dafür bekommt.

Viele Grüße
HaPe
 
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Tolle, eindrucksvolle Fotos, die zeigenswert sind und Euch in Europa verdeutliche, dass Ihr auf einer "Insel" der Glueckseligen lebt. - Allerdings auch selbst erarbeitet!

Tamil Nadu im Sueden Indiens ist noch eine relativ reiche Provinz und durch das tropische Klimat und die lange Kueste gibt es noch "genug" zu essen und es friert niemand. Indien ist extrem, aber Fotos dieser Art lassen sich auch in China, Indonesien, oder Vietnam machen. 2 Milliarden Menschen (also 5-6 mal Europa) leben unter aehnlichen Bedingungen.

Helfen? Ich denke nicht dass wirksame Hilfe moeglich ist. Kern des Problems ist die massive Ueberbevoelkerung und jede Hilfe in Form von Lebensmitteln, Hygiene und Medikamenten fuehrt letztendlich zu einem noch staerkeren Bevoelkerungswachstum. - Auch mit Folgen fuer uns, Ressourcenverknappung und -verteuerung, wer will das schon? Fair oder nicht fair moechte in diesem Zusammenhang nicht diskutieren.

@ flyyer - natuerlich lagern wir (westliche Firmen) Produktion nicht aus sozialen Erwaegungen aus. Da werden Opportunities genutzt. Allerdings helfen sie dann in Indien, China, etc. zumindest einigen, der Armut zu entfliehen. Die ersten Familien hungern bereits in China wieder, da unsere amerikanischen Freunde nicht genug Xmas Artikel, Made in China, geordert haben.

@ MWG77, Deutsche Familien in Armut? - Sorry, gibt es nicht.
Die deutsche Armutsgrenze ist (international gesehen) schon recht willkuerlich festgelegt. In Deutschland hat ein Sozialhilfeempfaenger als Einzelperson ein Anrecht auf 45 qm gefoerderten Wohnraum. In Tokio ist ein ein Abteilungsleiter mit zwei Kindern froh, wenn er sich 50 qm leisten kann.
 
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Hier ein paar Bilder meines Besuchs. Gleich vorweg: ...

Sehr beeindruckende Bilder, die so wie ich finde, diesem Forum auch sehr gut tun. Vieles wurde bereits gesagt und ich kann mich dem nur anschließen, gerade wenn man bereit ist, über den eigenen Tellerrand zu sehen, wie es in der restlichen Welt wirklich aussieht.

Weiter so :up:.
 
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Wie schon Hans Peter erwähnte, kann ich nur jedem empfehlen, mit der Kamera (od. auch ohne) Indien zu bereisen. So kann man den Menschen ein klein wenig helfen, denn der Fremdenverkehr ist auch ein wichtiger Faktor in Indien und einiges Geld kommt den Menschen direkt zu. Ein Beispiel aus Karnataka: Dort gehen ein zwei Frauen pro Dorf, vom Stamm der Banjara (eines der letzen Nomadenvölker Indiens, heute auch schon von der Regierung in Karnataka angesiedelt) im Winter (Hauptsaison) mit ihren angefertigten Produkten nach Goa od. Kerala in die Küstenorte, um diese dort zu verkaufen. Diese Frauen tragen durch ihren Handel einen Großteil zum Überleben in ihren Dörfern bei.
Indien ist für mich das MULTI-KULTI-TRADITION-MODERNE einzigartigste Land der Welt und wenn du Indien einmal bereist hast, läßt es dich nicht mehr los.

Namaste Gerhard
 
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