Das sind ja tolle Aussichten, wenn ein phantasievoller Finanzinvestor und sein wendiger Vorstandsökonom das Ruder übernehmen, um irgendwie mehr Profit rauszuschlagen.
Was genau ist eigentlich schlecht an Profit?
Das würde mich wirklich mal interessieren. Ich arbeite auch nicht umsonst, und wenn ich am Jahresende einen erfreulichen Bonus will (der ein wichtiger Teil meines Einkommens ist), dann muss das Unternehmen dafür auch Profit gemacht haben. Leica wurde vor Jahren von einem durch Erbschaft zu Reichtum gekommenen Waldorfschullehrer gerettet (von allen Typen dieser Welt...), und der sieht auch nur, wie sein Geld immer weniger wird. Da er wenigstens klar genug im Kopf ist, um sein eigenes wirtschaftliches Verständniss realistisch einzuschätzen, hat er für den operativen Bereich Fachpersonal engagiert.
Dieses Personal taugt nichts, denn sie verbrennen sein Vermögen. Woran es genau liegt, ist eigentlich sekundär: Zu viel Geld in Glas und Beton gesteckt? Scheiss-Technik? Sinar Übernahme? Mondpreise? Egal! Sein Geld wird jeden Monat weniger. Eigentlich müsste er die Reissleine ziehen und die Klitsche sofort schliessen. Aber dann wäre ALLES in Gefahr, was er da drin stecken hat.
Also holt er Leute ins Boot, die den Laden mal aufräumen. Die "Legende Leica" lebt momentan nur, weil Andreas Kaufmann sich dieses Hobby monatlich ein Vermögen kosten lässt. Er könnte für das gleiche Geld auch Luxusyachten kaufen, SOS Kinderdörfer bauen oder es sich in Münzen wechseln lassen und in den Gulli schmeissen - da würde er es wenigstens noch mal klimpern hören! Blackstone "übernimmt" ja nicht Leica. So bekloppt sind die auch nicht. Sie kommen mit eigenem Geld ins Boot, weil Kaufmann sein Geld auch noch mit drin lässt. Zusammen werden sie jetzt einen Kurs fahren, der das Unternehmen wieder in die Gewinnzone bringen soll.
Was wäre denn die Alternative?
Sie wurschteln bei Leica weiter ein bisschen herum wie gehabt, und dann ist irgendwann auch Andreas Kaufmann pleite. Der Laden geht dann genauso vor die Hunde, wie er es schon vor Jahren getan hätte, nur Kaufmanns Geld wäre auch weg. Grossartig. Die legalisierte Form der Insolvenzverschleppung - solange wir noch einen Deppen finden, dem wir das Konto abräumen können, machen wir weiter wie gehabt.
Blackstone ist vielleicht ein erfolgreicher, vielleicht ein blöder Investor (ich bin da nicht im Thema). Vielleicht verwaltet Blackstone aber auch Teile von deinem oder meinem Rentensparplan, und ich persönlich wäre sehr erzürnt, wenn das Geld, das ich monatlich zurücklege, nicht mit gnadenloser Profitgier und knallharter Kontrolle investiert würde. Wenn das bedeutet, dass bei Leica jetzt ein anderer Wind weht: Bestens! Das, was in den letzten viereinhalb Jahren gelaufen ist, war grosse Scheisse und kann nicht weiter gehen. Herr Kaufmann ist es nämlich leid, aus seiner Tasche stets die schwachsinnigen Träume unfähiger Manager zu finanzieren. Die Produkte sind nicht marktfähig, deshalb muss ein Vermögen in Marketing und "die Markenlegende" investiert werden, und das hebt die Kosten und Preise so weit an, dass trotz "erfreulicher" Absatzzahlen immer mehr Geld verbrannt wird. Wie man eine hübsche und qualitativ hochwertige Kamera mit analogem Charme baut kann man bei Fuji sehen - die kosten ein Viertel und Japan ist auch kein Billiglohnland.
Es mag ja durchaus Leute geben, die für den Schriftzug "Leica" einen gewissen Mehrpreis zahlen wollen (siehe die Reihe baugleicher Kompaktkameras, auf die Leica seinen Punkt klebt), aber in den letzten zehn(?) Jahren hat das Unternehmen Leica Kunden und Anleger verarscht. Vielleicht bekommt Blackstone das ja in den Griff. Zu wünschen wäre es ihnen.