30 Jahre nach der Katastrophe...

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Hallo Schelmu,

Naja, 1986 war ich im zarten Alter von 20 Jahren und hatte gerade das Leben entdeckt. Ich kann mich noch recht gut an diese Zeit erinnern. Vertuschen, verharmlosen und ignorieren war da nicht nur auf der russischen Seite sehr ausgeprägt. Auch die unseren Herren haben sich damals nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Man war wohl der Hoffnung, dass das Wahlvolk den Begriff "Halbwertszeit" der der Zeit, die eine "halbe Bier" reicht verwechseln und nicht all zu sehr nachbohren. Die Atomlobby war ja damals noch recht mächtig und verkaufte ihren Schrott liebend gern als eine "umweltfreundliche" Energie...

Dann war's nicht das erste Mail, dass die Menschheit mit einem SuperGAU vorbei schrammte, oder weißt du noch was von Harrysburg? Das ist, so kommts mir vor, mehr oder weniger erfolgreich unter den Teppich gekehrt worden. Das war 1979 bei unseren Freunden in der USA - ja, auch die sind dabei keine Waisenknaben. Nur mit sehr viel Glück ging das damals mehr oder weniger Glimpflich ab, sofern man diesen Begriff hier verwenden sollte.

Ich finde deine Arbeit extrem wichtig, damit eine solche Katastrophe nicht in Vergessenheit gerät. Atomtechnik hat ja in manchen Ländern wieder eine Art Renaissance und die Lobbyisten sind wieder daran, das Atom als die Zukunftsenergie darzustellen - denke mal an die Forschung um die Kernfusion. Die ist aber noch extrem viel schwieriger unter Kontrolle zu halten und die Auswirkungen, falls mal was schief geht, eben noch viel extremer.

Ich hab da immer meine Bedenken, wenn Menschlein versucht, Gott zu spielen...

Also, weiter so - gute Arbeit!

Ciao
German
 
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Hi 4peterse,

Weil man das Ding nicht einfach ausschalten kann und dann Ruhe ist! Der Reaktor kokelt noch immer vor sich hin und ein paar (arme) Würmer, denen man tunlichst nicht die Auswirkungen auf ihre Gesundheit erklärte, den Dreck weg räumen müssen. Der Sarkophag Version-1, nun Version-2 und dann Version-3 und dann .... fällt auch nicht vom Himmel. Meint, ein paar arme Hunde müssen da rein und versuchen, was zu reißen, wo nichts zu reißen ist....

Ciao
German
 
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Die Pläne aus den 90ern waren von einem Unternehmen das mit der Dekontamination beauftragt war. Die riesigen Hallen und die Nähe zum Reaktor 4 waren ausschlaggeben für den Bezug dieser Firma als Forschungsstandort. Allerdings hatte dieser Standort durch die Nähe und die Windrichtung sehr viel Strahlung abbekommen, man hat den Boden mit PVC ausgelegt damit man leichter reinigen kann und andere Maßnahmen getroffen um dort am Forschungsstandort gegen die Strahlung vorzugehen, gelungen ist das nie. Deswegen gab man diesen Standort als Forschungsanstal nach Jahren dann ganz auf.
[MENTION=39893]4peterse[/MENTION]
 
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Unfälle in kerntechnischen Anlagen gibt es alle paar Jahre, die letzten waren Russland 1993, Japan 1999, Belgien 2006 und nochmal Japan 2011.

Sicherlich wird nur das an die Öffentlichkeit gelangen was auch schon bekannt ist.

1986 kam noch dazu, dass man sich so genau der Gefahr wahrscheinlich garnicht bewusst war und so etwas zu naiv mit dem Thema umgegangen ist.

Die Liquidatoren damals, die als erstes am Unglücksreaktor eintrafen, wurden größtenteil rekrutiert, man hatte wohl keine große Wahl.

Die Arbeiter die heute am Sarkophag arbeiten erhalten etwas das doppelte eines normalen Monatslohns in der Ukraine da wirft man so manche Bedenken über Bord.
[MENTION=112546]WaGe[/MENTION]
 
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Nach der Jupiter-Fabrik ging es in ein Wohnhaus, wir legten jedoch noch einen Zwischenstopp an einem sogenannten Hotspot ein. Das sind einzelne Objekte oder kleine Flächen an denen sehr hohe Strahlung herscht.

Der folgende Hotspot war ein Greifarm eines Baggers der radioaktiven Müll bewegt hat am Reaktor 4.

An einem Punkt zeigte das Dosimeter dort 285 Microsievert pro Stunde an. (Leider auf dem Bild nicht zu sehen)



 
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Was man mit Bildern kaum vermitteln kann ist, wie beklemmend es ist, in den Häusern die Wohnungen zu betreten. Was noch irgendjemand brauchen konnte ist da zwar rausgeplündert, aber es finden sich trotzdem noch Fragmente der Einrichtungen und Spuren der ehemaligen Bewohner. Man kriegt das Gefühl nicht weg, in fremden Sachen rumzuschnüffeln. Es fühlt sich einfch nicht korrekt an.
R.
 
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Schelmu,
Ich verfolge deinen Thread von Beginn an mit Interesse. Da hast du ein sehr umfangreiches Album in hochwertiger, berührender Qualität erstellt. Wenn ich deine ersten Beiträge richtig verstanden habe, warst du nur wenige Tage mit einer geführten Tour dort. Ich verstehe nicht, wie man in so kurzer Zeit solch eine umfangreiche, nicht langweilig werdende Dokumentation erstellen kann. Ich bräuchte wahrscheinlich schon zwei Tage, um in diesem Hochhaus in eines der oberen Stockwerke zu gelangen und wieder zurück

Oder bist du häufiger an diesen Ort zurückgekehrt? Habe ich an anderen Lokationen auch schon gemacht.

Vielen Dank fürs Zeigen ...
 
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Beklemmend fand ich es nicht dort herumzulaufen, lag vielleicht auch daran, dass es strahelnder Sonnenschein war. Im Herbst mit Nebel wirk es vielleicht nochmal anders.

Jeder Lost Place hat natürlich eine Vergangenheit und ehemalige Bewohner oder Arbeiter die dort gewirkt haben, wenn man aber weiss, dass diese Wohnungen nie wieder bewohnt werden und die Gegenstände nie wieder benutzt werden finde ich es nicht schlimm dort herumzulafen.

Und natürlich nimmt man nur Fotos mit und hinterlässt nichts als Fußabdrücke
[MENTION=14352]FredB[/MENTION]
 
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Vielen lieben Dank für die Worte, diesen Thread füttere ich ja nun schon lange und er wird auch noch etwas weitergehen.

Ja drei Tage war ich dort im April und die Fotos sind alle aus diesen drei Tagen, wird sind sogar noch beim zweiten Tag.

Am ersten Tag kamen wir vormittags an und hatten bis zum späten nachmittag Zeit, der zweite Tag ging von morgens bis zum späten nachmittag. Am dritten Tag ging es ab mittags wieder auf den Heimweg.

Ich hätte gerne nachts dort Fotos gemacht, jedoch wurde das Hotel nachts verschlossen, da draußen wilde Bären und Wölfe unterwegs sind.

An den einzelnen Objekten hätte man gerne mehr Zeit für Fotos gehabt, jedoch wollten wir ja einiges sehen in der kurzen Zeit
[MENTION=92270]Aussi[/MENTION]
 
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